Verweile doch!
In junger Schönheit blüht auf das Gefallen
Um dann als ans Kühnste gewöhnendes Wallen
In Wartesaaldünsten der Zeit zu verhallen
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Klassische und sehr unklassische Liebesgedichte.

Verweile doch!
In junger Schönheit blüht auf das Gefallen
Um dann als ans Kühnste gewöhnendes Wallen
In Wartesaaldünsten der Zeit zu verhallen

An der Weltzeituhr
Ja, es hieß: „Um sieben an der Weltzeituhr!“
Kurz vor acht hab ich mich dann auch zu ihr gesellt
vergrätzt gedacht: „Jetzt motzt sie nur
und hat doch alle Zeit der Welt!“

Nach dem Adieu
Nach dem Abschied bin ich hier geblieben
Kaum beeindruckt vom Wechsel der Orte
Du hast mir aus reicher Entfernung geschrieben
Zwei nicht nachvollziehbare Worte
Doch hinterm Verständnis erkenn‘ ich in Schemen
Die Bitte, mich doch mitzunehmen

Ripostegedicht zu Ricarda Huchs an ihren Jugendschwarm und Cousin Richard gerichtetes „Liebesgedicht“ (Geschwister sind sich alle schönen Dinge).
Never trust a Lovepoem
Cousiniert sind sich alle Dinge, die schön sind
Das verstimmte schon früh manch Instrument
Weil man sich für das Aneinandergewöhn’n, Kind
Schon vom Start weg zu gut kennt
Ein Notenblatt bewahrt sich nur seine Verheißung
Wenn dessen Lied bleibt ungespielt
Beschau Dir die Noten, doch bau keinen Scheiß, Jung
Wenn sich wer per Reim als Geheimnis empfiehlt

Liebe
Es gibt Dinge, die lassen sich nicht wiederholen
Es gibt Dinge, die bleiben für immer gestohlen
Es gibt Dinge, die lernen sich nur über Narben
Du darfst dies und alles – auch unbegrenzt – haben

Auf der Karlsbrücke
Küssen
Zu Müssen
Is
Gewiss
Die Schönste aller Pflichten
Schön sind auch: Geschlechtsverkehr
Die Schlemmerei, das Dichten

Ich bau‘ dir ein Schloss
… ans Ende der Karl-Marx-Allee!
Wär‘ das nicht der aller Entrées ihr Entrée?
Ein jeder käm‘ uns noch von sonstwo entgegen
Um nur einmal sich dortlängs hinfortzubewegen
Alles pro Promenieren und Boulevardieren
Per flachem Flanieren dem Trott trottoiren
Und halt manchmal auch einfach nur gradwegs spazieren
Mit Upgrade-Gezwirntem mittenmang
Wer sich geh’n lässt, ergibt sich dem Droschkenzwang
Hei, da grüßt schon recht stramm die Strausberger Garde
Man hält sich an Restkandelabern gerade
Und im bersteinrostgoldenen Lichtergewühle
Beschleichen uns schlendernd noch Torschluss-Gefühle
Da fühlt sich der Streuner wie ein Burgherr in spe
Auch wenn hier kein Schloss steht – Kerl, wat’n Entrée!

Der Kuss
„Hilf mir! Hilf!“, rief’s aus dem Schilf
„Ich bin ’ne verwunsch’ne Milf!
Nur ein Kuss kann mich erlösen
Von dem Fluch, der einem bösen
Zauberer dereinst entfuhr!“
Ich besann mich, rief retour:
„Böte ich um deiner Nöte
Meine Lippen dar dir, Kröte
Wäre es nicht nachgerade
Um den raren Zauber schade
Der dem Ufer innewohnt?
Wie würd‘ uns solch Schritt gelohnt
Sagte ich: ‚Okay, da helf i!‘?
Zur Erinn’rung gäb’s ein Selfie –
Doch beraubt wär dieser Platz
Um den insgeheimen Schatz!“
Und leicht mäulig durchheulte die Halme ein Wind …
Doch wir wissen jetzt, wo wir uns finden, mein Kind!

Berliner alleen uf Berliner Alleen
Sie so alleene, hier uf der Allee, ne?
Mir kam die Idee, äh …
Ick meene, wir beede – ditt tät doch ma passen!
Kann sein, vielleicht – trotzdem: Ditt sollten wa lassen!
Tja, dann, äh, sachma: Wiederseh’n
(ick kannz ja irjendwie vasteh’n)

Daß Du ewig denkst an mich
Du hast das Heidenröslein gebrochen
Danach vielleicht zweimal an ihm noch gerochen
Es mit sanftem Druck ins Heu gelegt
Dass es doch zumindest im Notfall verpflegt
Und nicht so sehr am Heimweh leide
Es war in Deinen Augen Weide
Und fügte sich ins tote Gras
Wie dem Grundton derselben Erkenntnis: „Das war’s!
So abgrundlos kurz war vorm Leiden das Glück …“
Und auch Du wünschtest ihm nun die Heide zurück
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