Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Internet & Technik

Machinengedichte und New Media in neuen Metren und alten Formen.


  • Nullbalkenparadies & das vierhundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Rincon Playa

    Null Balken Ewigkeit

    Das meiste der Welt findet hier gar nicht statt
    Ich bekomm‘ hier noch nicht mal ’n Handysignal
    Und doch gibt’s hier Arten und Daseinsdruck satt
    Erscheint ob der Vielfalt so vieles egal

    Bald werd‘ ich mich wieder bei Facebook einloggen
    Mir für einen Link-Wink die Seele ausbloggen
    Als hätt‘ ich es nicht hier – fast schwelgend – genossen
    Den Wellen zu lauschen
    Dem schäumenden Rauschen
    Im Off von den Strömen der Daten umflossen


  • Sirena River & das vierhundertdreiundneunzigste Gedicht

    Krokodil im Corcovado NP

    Noch von Schnorcheleindrücken und Fischmassen inspiriert – schon liegt Interessantes am gegenüberliegenden Ufer.

    Mein Schwarm

    Leib unter Leib und auf weiteren Leibern
    Im Körperverbund mit den Neben-uns-Treibern
    Sind wir eene Wolke und strotzen vor Kraft
    Dank einverleibter Nachbarschaft

    So gelingt sich-um-uns-reißenden Räubern
    Nicht mehr als die Fasern des Randes zu säubern
    Es ist eine Dummheit, doch schwächt nicht den Kern
    Wenn manche sich zu weit entfer’n

    Leib an Leib sind wir auch Teil unsrer Lücke
    Und diese Bereitschaft ergänzende Stücke
    Fürs Massenerleben gibt uns der Schwarm Raum
    Als klar umgrenzter Küstentraum

    Im Schwarm gibst du dir Sicherheit
    Tauschst Einig- gegen Einsamkeit
    Man baut vieles auf – außer Intelligenz
    Denn er bringt nur hervor, was du selbst bereits kennz


  • Zeche Heinrich & das vierhundertdreiundvierzigste Gedicht

    Zeche Heinrich Essen Überruhr Holthausen

    Meine Maschinen

    Meine Maschinen
    Haben Turbinen
    Haben die Stärke von mancherlei Pferden

    Meine Maschinen
    Sind fleißig wie Bienen
    Liefern die Antwort auf „Wat soll dat werden?“

    Meine Maschinen
    Sind flott ausgespuckte
    Schrottig gewordene Wegwerfprodukte

    Meine Maschinen sind nachts oft allein
    Und werden dir nie deine Skepsis verzeih’n


  • Museumsquartier III & das dreihundertfünfundneunzigste Gedicht

    Museum Brandhorst

    … und am Montag wird gekündigt!

    O2 can mich’ma

    Hallo Hotline und O2
    Ich schlag ja ohne Grund nich zu …!

    Doch jede Geduld beugt sich deinem Gedudel
    Und schuld ist dein scheißblödes Seier-Gesudel
    Von Leitungen, die leider grade belegt
    Und das wiederholst du sogleich, unentwegt
    Stellst in Aussicht, in ungefähr dreißig Minuten
    Wendet sich wartendes Elend zum Guten
    Um dann – nach vollendeter Stunde – zu melden
    Man danke dem artig noch wartenden Helden
    Aber nun würde hier doch wohl nichts mehr passieren
    Und man wolle ja niemands Geduld strapazieren
    Und löse die Warteschleife jetzt auf!

    Scheinheiligst hofft man wohl darauf
    Dass Expectare voll humanum esse …

    Doch treff ich dich einst – gibt es was auf die Fresse!


  • Museumsquartier II & das dreihundertvierundneunzigste Gedicht

    An der Neuen Pinakothek

    Hello, Digital Native!

    Sie gestatten?
    Sie erlauben?
    Wir erstatten
    Ihren Glauben
    Mit der Gier
    Nach harten Fakten
    Die wir
    In die Saaten packten
    Um im Sumpf
    Der Schwammigkeiten
    Aufzutrumpfen
    Als Enlighten-
    Ment im Spind
    Der leichten Ziele
    Wer wir sind?
    Nun, scheinbar viele!
    Wir sind nur die Advokaten
    Neuer Fakten, neuer Sparten
    Futter für die Matten
    Tauben
    Sie gestatten?
    Sie erlauben?


  • Druck & das dreihundertsechsundachtzigste Gedicht

    Da Dome of Kölle

    Ganz ohne Druck

    Ein 3D-Drucker bräuchte fast sechs Jahre, um den Kölner Dom zu drucken
    Wahrlich eine lange Zeit!
    Boah, fast sechs Jahre stoisch drucken – dann den Dom hervor zu spucken …?!
    Ja, wir sind noch nicht sehr weit!
    Denn so ein Drucker ist komplex
    Ebenso der Dom! Nun, sechs
    Jahre – ungefähr so lang
    Dauert noch der Druckvorgang

    Zwar wird – so ist vorauszuseh’n
    Sein Tempo sich schon bald erhöh’n
    Doch bis dir jemand sagt: „Ach guck:
    Dome zum Sofortausdruck!“
    Wird gleichfalls noch sechs Jahre dauern …!

    Da indes des Domes Mauern
    Ausdruckslos wie down-to-date
    Aufgetürmt zur Majestät
    Voll schnippischen Gleichmuts dem Fortschritt trotzen
    Und mit ihrem Dasein protzen


  • Kloster Tegernsee & das dreihundertundzehnte Gedicht

    Kloster Tegernsee

    Auf der Suche nach kindischem Beistand im Kloster Tegernsee.

    Lindernde Bindungen

    Kinder,
    Bin der
    Minne leid:
    Findet mir
    ‚Ne Tinder-Maid!
    Mit Beginn der
    Winterzeit
    Sind die unbepaarten Barden
    Hilflos
    In der
    Minderheit


  • Rilke & das zweihunderteinundneunzigste Gedicht

    Tegernsee

    Neue Serie: Riposte-Gedichte. Heute zum Rilke-Gedicht Herbsttag

    Herbst#

    Zerr‘ her ein „-heit“! Unsre Zeit schreibt sich groß.
    Weil ja jede Befindlichkeit Thema sein muss,
    Und lass den Schreibfluss der Blogger drauf los.

    Jedem Laut erlaub‘ laut Endung ein Vollwort zu sein;
    Gib allen den Glauben an eigne Geschichten
    Lass die Spuren zum öligen Ich sich verdichten
    Und füll mit Geheule die Fässer für Wein.

    Wer jetzt noch nicht drin ist, der kommt nicht mehr rein.
    Muss allein mit den Eltern im Facebook-Chat bleiben,
    Kann eh ma‘ zum Thema nur lamen Kram schreiben
    Und wird App-umrauscht alleene sein
    Nicht checkend, was die andern treiben.


  • Olympiaberg & das zweihundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Olympiaberg

    Noch anderthalb Tage Freizeit, bevor es wieder auf Tour geht.

    Die Ärsche der Anderen / Generation Y

    Nach dem Abi-Ball in die Charakter-Arthrose
    Man postet gemeinsam ein „Ich – ich – ich!“
    Empfängt jedes Like wie ’ne Baccararose
    Und taggt seine Schwüre mit #weißichnochnich
    Man wittert die lauernden Niederlagen
    Und fordert vom Leben, mal fairer zu sein
    Die Überauswahl lässt sich kaum noch ertragen
    Drum richtet man sich im Ironischen ein
    Und kommt überein, es sei wichtig im Leben
    Sich selber mal – Yolo! – ’nen Arschtritt zu geben

    Lasst den Fokus der Welt von dem hehren Ich wandern!
    Entdeckt mal als Ziele: die Ärsche der Andern!


  • Fensterplatz & das zweihunderteinundvierzigste Gedicht

    Österreich Bahnstrecke

    … und der Blick hinaus auf der Rückfahrt von Klagenfurt.

    Der Fensterplatz

    Es scheint auf manchen Zugfahrten gegen das Wesen
    Aufs Display zu schau’n oder Bücher zu lesen
    Selbst das nötige Nickerchen fällt wieder aus
    Die Landschaft nervt: „Kuckuck! Mensch, schau doch mal raus!“


Die 266 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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