Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Steele-West & das eintausendneununddreißigste Gedicht

    Am S-Bahnhof Steele-West

    Temperament/tur

    An dem wackligen Punkt zwischen Simmern und Sieden
    Ist schon so viel verheizt und noch gar nichts entschieden

    Doch alles rüstet sich zum Kampf
    Drängt auch dich zur Position:
    Wo beziehst du die Bastion?
    Willst du Eis sein? Oder Dampf?


  • Grenswerk & das eintausenddreiunddreißigste Gedicht

    Venlo Grenswerk in der Peperstraat

    Sonnenkrieger

    Und wieder rinnt die Wirklichkeit
    Durch meine tauben Finger
    Als sei ihre Zeit nun endgültig vorbei
    Als gäb‘ es längst heißere Dinger

    Doch schwör‘ ich nicht der Frischluft ab
    Für eigene vier Wände
    Reich‘ unberechenbarer Kraft
    Die frisch geleerten Hände

    Wo Wurzelwerk mein Salz aussaugt
    Und mich Sturzbäche Regen begießen
    Werd‘ ich, wenn sich die Welt abschafft
    Die Restspur des Sommers genießen


  • Gipfelnähe & das eintausendzwanzigste Gedicht

    Schafe auf dem Weg zur Hochjoch-Hospiz

    Drang & Sturm

    Ja, das ist die Höhe!
    Die wollt’st du besingen!
    Dann kam eine Böe
    Und kurz darauf hingen
    Vier blutende Glieder
    An Felsenvorsprüngen

    Ich sag’s immer wieder:
    Man darf’s nicht erzwingen!


  • Vent & das eintausendachtzehnte Gedicht

    Ewiger Schneerest in der Rofenschlucht

    Ripostegedicht auf „Ein alter Tibetteppich“ von Else Lasker-Schüler

    Der neue Balkanlaminat

    Die Paneel’n, auf den’n wir liebend uns bahren,
    Sind wilde Laminatbulgaren,

    Die polnische Schwarzarbeit emsig verband
    Mit der räudigen Note vom Billiglohnland.

    Unsre fugenversunkenen Körper saugt auf
    Jener holzimitatige Maserverlauf.

    Süßer Lamisohn auf Sockelleistenklammerthron,
    Ob nun Kunststoff uns federt oder Holz – hey, was soll’s?!
    Wenn Plank‘ an Planke ein Bund uns verknüpft?
    (Und auch versiegelt ist er schon!)


  • Blutmonderinnerung & das eintausendsechzehnte Gedicht

    Blundmondnacht auf dem Olympiaberg

    Dir & denen

    Gerade den Nächsten enthältst du
    Die Rücksicht, Geduld und auch Lob?
    Was denkst du, wer dich in der Welt hier
    Zu dem, was du sein willst, erhob?
    Schon seh ich dich grübeln – Kerl, sag, was erwägst denn?!
    Erspar dir das Rechnen – und auch deinen Nächsten!


  • Straßenfest & das eintausendfünfzehnte Gedicht

    Straßenfest Georgenstraße

    Zum Geburtstag

    Schon xx Jahre kein Gestorb’ner geworden,
    Vom Frust verdorben, an der Brust keene Orden –
    So wird’s dich wirklos weiter geben!

    Schon xx Jahre als „Geschafft!“ Abzuhaken,
    Erspart jeden Kraftakt zum Wiedererstarken!
    Man treibt in weit’re Zeit zu leben …

    Schon xx Jahre als Vergangenes feiern,
    Das Sang- wie Belanglose lohnreich zu leiern –
    Kann nicht jedes Schicksal enttrüben!

    Schon xx Jahre in die Umlaufbahn schießen,
    Um auch ein paar Stufen hinauf zu genießen –
    Das solltest du fortan mal üben!

    Mehr Gedichte für Geburtstage und Hochzeiten


  • Isarschnellen & das eintausendvierzehnte Gedicht

    Isarschnellen bei Unterföhring

    Im Unterschied

    An meinem ersten
    Geburtstag in sauberer
    Unterwäsche fraß ich die
    Sparkasse auf. „DIE
    Sparkasse oder EINE
    Sparkasse?“, fragte ein in
    Reinster Angriffslust badendes Gegenüber. Das
    mache einen Unterscheid! – zur Erklärung ergänzend.

    „Für mich nicht!“, überwand
    Ich meine oft wehrlose Antworterei. Zusätzlich mit:
    „Saubere Unterwäsche – DAS macht einen Unterschied!“


  • Castello Scaligero & das eintausendneunte Gedicht

    Skaligerburg in Malcesine am Gardasse

    In der Fledermauskolonie

    Ja, öl‘ dir die Flughaut, mein Pappenheimwicht!
    Nein, ein Schwarm muss nicht intelligent sein!
    Allein die Geflogenheit ist unsre Pflicht
    Und das ultraschallhell In-die-Luft-Schrei’n

    Ich kann dir beim Kopfüberhängen berichten
    Von Ausschwärmerei, dass die Sinne sich lichten –
    Im Klammheimcode, den niemands Echolot knackt!
    Wie du weißt, ruht der Schlafverband nie …
    Und der Höhlenguano, der sich aus ihm kackt
    Bleibt zwingende Philosophie!

    Als ein Säugetier, dem man die Flugkunst geschenkt
    Überlege dir stets, wessen Gunst dich bedrängt
    Und öle die Flughaut vor deinem Anheimfall!
    Enge darf nur der Aufwärmung gelten!
    Misstrau‘ auch dem Platz, unter dem ich mich festkrall‘!
    Denn selbstloser Ratschlag ist selten


  • Arena Verona & das eintausendachte Gedicht

    Der Barbier von Sevilla in der Arena Verona

    Ein Text für ein weiteren Song vom kommenden dreizehnten Marilyn’s Army Album „Zeit zu schrei’n“.

    Plötzlich Applaus

    Plötzlich wollen alle tanzen
    Plötzlich woll’n sie alle raus
    Plötzlich geh’n sie voll aufs Ganze
    Plötzlich ist es dein Applaus
    Alle sagen: Ja ich kenn‘ den!
    Alle fragen: Alles klar?
    Alle tanzen um ihr Ausseh’n
    Alle nehmen dich jetzt wahr
    Plötzlich ist es dein Applaus

    Plötzlich geh’n sie ab und rufen: Yeaah! Yeaaaah!
    Plötzlich schaffst du irgendwas mit Yeaah, Yeaaaah!
    Plötzlich zuckt in jedem Move ein Yeaah, Yeaaaah!
    Doch das liegt nicht an dir
    Es ist nur das Jetzt & Hier
    Es ist nur das Jetzt & …

    Plötzlich könn’n sie alles nachseh’n
    Plötzlich macht’s den’n nichts mehr aus
    Plötzlich woll’n sie hinter dir steh’n
    Plötzlich ist es dein Applaus
    Alle sagen: Muss ma gut sein!
    Alle sagen: Is doch wahr!
    Alle können’s nachvollziehen
    Allen ist jetzt alles klar
    Plötzlich ist es dein Applaus

    Plötzlich geh’n sie ab und rufen: Yeaah! Yeaaaah!
    Plötzlich schaffst du irgendwas mit Yeaah, Yeaaaah!
    Plötzlich zuckt in jedem Move ein Yeaah, Yeaaaah!
    Doch das liegt nicht an dir
    Es ist nur das Jetzt & Hier
    Es ist nur das Jetzt & Hier

    Plötzlich woll’n sie exaltieren
    Plötzlich zieh’n sich alle aus
    Plötzlich soll es kulminieren
    Plötzlich ist es dein Applaus
    Alle sagen: Ja, ich kenn‘ den!
    Alle fragen: Alles klar?
    Alle tanzen um ihr Aussehen
    Alle nennen dich jetzt Star
    Plötzlich ist es dein Applaus


  • Domkreuzgang & das eintausendsechste Gedicht

    Im Brixner Domkreuzgang

    Khayyam Replik 2

    Für die werten Gelehrten stimmt an eure Harfen
    Und ehret ihr Werk zur Erleuchtung von Schafen!
    So sehr sie in Finsternis blieben – es scheint
    Als könnten wir alle seither besser schlafen!


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