Influencer
Da ist diese Sehnsucht der jobmäßig Coolen
Im dehnbaren Nabel der Massen zu pulen.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Influencer
Da ist diese Sehnsucht der jobmäßig Coolen
Im dehnbaren Nabel der Massen zu pulen.

Unter Aufsicht
Du heißt mich unter Aufsicht zu schreiben,
Mein Talent nicht am sprunghaften Rausch zu verschwenden.
Doch höhlt dein sittsam Im-Recht-zu-bleiben
Zu viel Dunkles, um all meinen Aufruhr zu blenden.

Gruß aus der Sänfte – getragenes Tempo –
Insgeheim kann ich schon spüren,
Wie die frühen Starallüren
Schür’n die Divenhaftigkeit.
Manch Kritik greift auch zu weit –
Es mäkelt die Verteidigung:
Majestätsbeleidigung!
Spart Euch das, ruft freudenvoll:
Ach, was reimt der Boy doch toll –
Hoch lebe er, der Klötgen Frank,
Auf seiner drögen Sänftenbank!

Kinderreim (die Guten aufs Töpfchen, den Schlechten vors Köpfchen)
Im ganzen Land
Ist wohlbekannt:
Das Kind, das seine Eltern schlägt,
Das kriegt die Hände abgesägt.
Und fängt es dann zu schimpfen an,
Ist gleich hernach die Zunge dran!
Doch wenn ein Kind sich gut beträgt,
Wird’s auch von keinem angesägt
Und ist bei jedermann beliebt.
Wie schön, wenn’s art’ge Kinder gibt!

Im Flug nach Berlin und anderswo
Ich werde im Bordklo vom Flug nach Berlin
Heut nicht wie gewohnt meinen Unrat abzieh’n:
Ich will die Gesichter von Mitpassagieren,
Sobald sie fest schlafen, mit Scheiße einschmieren.
Ich rechne da durchaus mit scharfem Protest,
Drum will ich gewiss sein, sie schlafen auch fest..
Sonst wird’s extrem
Unangenehm.
Nun werd‘ ich wohl auch anderswo
Den unbedarften Griff ins Klo
Mir absichtsvoll erlauben.
So kann ich Proll
Mit schalem Lol
Den Schlaf euch fortan rauben.

Windiger Vorschlag
Der Wind selber ist gar nicht zu sehen,
Nur durch die, die sein Dasein bewegt.
Keine Fahne gelangt je zum Wehen,
Wenn kein Lüftchen durch Sichtfelder fegt.
So mag beides ja durchaus bestehen,
Aber niemand wird ihrer gewahr.
Und von daher mein Vorschlag: Wir gehen
Durch das Leben fortan als ein Paar.

D.h.D. (Den holden Damen)
Wenn eure Busen sich entblößen,
Dann schlupfen sie aus kruden Größen,
Die knüpplig-kryptisch typisieren,
Wofür sich Dichter int’ressieren.
So trübt die Lyrik unbequem
Ein buchstäbliches Cupsystem
Plus „Längenmaß der Unterbrust“.
Was bleibt da an Beschreibungslust,
wird mir gewahr, was ich da seh‘
Ist eine 75D?!
Pur technisch wird hier ausgedrückt,
Was den Rundungserkundenden rundum verzückt,
Dem holzige Kürzel schon Körbe erteilen
Vorm frommen Verfassen der innigsten Zeilen,
In denen die bauchig sich wölbende Haut
Wie fülleumkoste Vollendung ausschaut,
In die eleganteste Kurven entfliehen.
Ach, grob wird uns schreibende Demut geziehen!
Denn wie andächtig ich auch im Wörterbrei dreh‘ –
Die Welt, sie BHrt drauf: Das ist 70C!
Und dem Sinnlichsein trichtert ein „Spaß, hey, das war’s!“
Das erbarmungslos nüchterne Maß des BHs.

Der Fettleibigen gegenüber
Auf dich und den Körper fällt kein gnädiges My
Und der Anblick von euch lässt uns schmerzen.
Deinem Lebensgeschmack ist die Würde perdu,
Er droht gültiges Glück auszumerzen.
Dein Dabeisein wird ausgelöscht von unsrem Blick,
Der im Auf-dir-sein fort von dir endet:
Dort hockt maßloser Körper, vom Hässlichsein dick,
Der nur totes Signal an uns sendet.

Meine Velozipedität
Ist’s mir erlaubt, hier mein Hochrad zu parken?
Ich weiß, es beschämt Ihren flotten Jargon,
Der unlängst zerrammte einst geltende Marken –
Auch arglos scheint Höhe une provocation.
Doch hält jede Speiche hier für Demokraten –
Die Lust an der Höhe ist gar kein Affront!
Es bleibt Ihn’n der Platz, den Sie barsch sich erbaten
Als Aschenplatztestfeld fürs Testosteron.
Dies ist nur ein Hochrad, ich tät’s gern parkieren!
Es pflegt mit der Gegend hier koa Liaison,
Es steht auf das Sich-für-sich-selbst-Int’ressieren
Und wenn es sich dreht, fährt es auch schon davon …

Wider die Doktrin
Lass Leben doch mehr als ein Standpunkt sein,
Bleib stetig vom Winde verweht,
Wirf alles in die Brandung rein,
Prüf jeglichen Weg, der noch geht!
Sicher, es endet dein Tag zu erschöpft
Und du wirst als Verirrter vom Blockwart geköpft,
Man kann jedoch das Lagerdenken
Nicht schnell genug im Sarg versenken!
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