Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Callejón de la Inquisición & das zweitausendneunhundertsechste Gedicht

    Callejón de la Inquisición im Viertel Triana

    Der Hummelfluch

    Hör‘ ich den Rimski-Korsakow
    Beginnt’s zu jucken und ich hoff‘
    Dass keine Hummeln in der Nähe sind
    Denn wenn schon duellieren
    Besser nicht mit kleinen Tieren
    Weil da Sympathien vorab vergeben sind
    Denn nur Allergikern und Blagen
    Zeiht man moralisch das Erschlagen
    Vom gelb und schwarzen Fluginsekt
    Na, selber schuld, wer das nicht checkt

    AKT I

    „Ich drück‘ zart der Zichte ihr’n glühenden Stummel
    Ins Rückgrat ’ner grade hier ruhenden Hummel
    So zermalmt nun den Korpus der Schwirrkreatur
    ’ne Kombi aus Druckkraft und Temperatur
    Und knisterig ascht das Flügelpaar
    Das Leben entbeugt sich dem Hummelabdomen
    Solch Endlichkeitszeugnisse gehen mir nah
    Leicht bedrückt blick‘ ich auf die Erdrückte, denk‘: „Yo, man
    Ey, sorry, ne – is‘ sons‘ echt nich‘ meine Art
    Allzu gern hätt‘ ich dir die Tortur wohl erspart
    Nur es war halt ’ne echt blöde Koinzidenz
    Auch wenn du – als Insekt – dieses Wort gar nich‘ kenns‘
    Aber das is‘ eb’n der Punkt: diese Sache mit Darwin
    Ich mein‘, für mich hier als Mensch, dich zu töten, das war wie’n
    Gruß an den Schöpfer, sich zu re-vergewissern
    Sein Ebenbild degeneriert nicht zu Schissern
    Die trotz Krönungsjuwelen der Evolution
    Schon bei etwaig’n Nachfrag’n sich selber entthron’n
    Anstatt eindrücklich ausdrücklich Ordnung zu schaffen
    Mit Nachdruck für die, die’s wohl ohne nicht raffen:
    Wir sind keine Fauna-Fans!
    Wir sind Homo Sapiens!“

    Nun kam es, dass der Hummelschwarm
    Vom Tod der Imme Wind bekam
    Der argumentativ sich nicht erschließt
    Die Nektar-Queen schlägt Vollalarm
    Steht eh nicht auf den Schöpferkram
    Der Gliedertier’n ihr Daseinsglück vermiest
    Erklärt’s zur ausgemachten Sache:
    Jetzt geht’s um Widerstand und Rache
    Und so vollzieht sich Zug um Zug
    Die Oper-Ration Hummelfluch

    AKT II

    „Hier wohnende Drohnen und Arbeiterinnen
    Wir Hummeln sind hammlos – und doch in mir drinnen
    Brennt unbändig endlosbittre Wut
    Denn ständig man uns Böses tut
    Wieder traf’s eine, die Brut unsrer Sippe
    Qualvoll verkohlt an der Glut einer Kippe
    Ja, der Typ, der da grad Rimski-Korsakow flötet
    Hat nur so aus Spaß unser Mädchen getötet
    Ich denk‘, wir sollten solchen Assen
    Nicht einen Abgang durchgeh’n lassen
    Ihr Mord darf nicht für umme sein
    Drum auf, ihr Immen, zeigt’s dem Schwein!“
    Und fünf of le grüpp, sie formieren un trüpp
    Der vom Auftrag beflügelt sich vorwärtsbewegt
    Rischtüng ex-zischtenrauchende, flötende Büb
    Dessen Willen zu chillen sich plötzlich erregt
    Doch kaum spreizt sich sein Maul, um „Haut ab hier!“ zu schrei’n
    Flieg’n ein, zwei, drei, fünf Hummeln rein

    Das macht sich toll als Rächers Traum:
    Voll stechbereit im Rachenraum
    Wo jeder Stich sich schädlich potenziert
    Denn ’s wird ja, wenn der Hals anschwillt
    Die Luftzufuhr mit abgestillt
    Des Lebens Rest in Bestzeit dezimiert
    Nun kann solch Hinterlassenschaften
    Zwar der Gestoch’ne auch verkraften
    Doch spricht’s aus seinem fahl’n Gesicht
    Zumindest diesmal schafft er’s nicht

    AKT III

    „Junge, Junge – wat schwillt mir die Zunge
    Krieg‘ fast keine Luft mehr!“ – Er kommt seiner Gruft näh’r
    Und bevor sich das Blatt hier nun doch noch mal wendet
    Ist unser gestochener Held – och – verendet
    Auch was vordem im Schlund gesummt
    Alsbald verhallt es und verstummt
    So bleiben die fünf Hummel-Märtyrerinnen
    Zwar sehr effektiv, aber leider auch: drinnen
    Und noch eh der Typ komplett abkackt
    Versumpft man im Verdauungstrakt
    Im Darm vom Leichnam überwintern
    Alle Hummeln kurz vorm Hintern

    Doch die Königin spricht: „Lob und Preis
    Den Fünfen, die ihr Leben gaben
    Und ihren Platz im Paradeis
    Nebst Drohnen-Harem sicher haben
    Denn unser hummlischer Vater sorgt bei der für Profit
    Die sein huldhaltig‘ Reich durch die Märtür betritt
    Mög’n diese Fünf uns Hummeln ein
    Auf ewig leuchtend Beispiel sein!“
    Und so beschließt sie den Hommage-Schwung
    Glatt als Immenstaatsverarschung
    Denn das Hummelfahrtskommando
    Steckt und bleibt grad in ’nem Land, wo
    Man vergärt in „Poah!“-Fäkalien
    Voll entehrt in Vor-Analien

    Ja, das verschweigen Heilsversprechen
    Sich und andre abzustechen
    Endet stets als Hammelflug
    Lasst euch nicht führ’n zum Versuch!
    Mögen Ungerechtigkeiten
    Sich auch fürderhin verbreiten
    Und man rät, von Opferseiten
    Da mal drastisch einzuschreiten
    Irgendwann gäb’s auch mal Lohn …
    So lass sie reden, Hummelsohn!

    Auch ohne Schein und Selbstbetrug
    bleibt Hummel sein noch Fluch genug

    Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds von mir gekauft hat.


  • I never promised you an RG & das zweitausendneunhundertdritte Gedicht

    Rosenblüte Villa Witte

    Frühling lässt sein blaues Band … (Mörike reloaded)

    Knospen knistern, Knaben knuspern
    Am Backfischgeschwärme vom letzten Jahr.
    Flügel flüstern, Winde wispern:
    Er ist’s! Er ist’s – wie wunderbar!
    Frühling lässt nun Staub erblüh’n,
    Leiber im Hormonstau glüh’n,
    Ditt kleenste Fleuchzeuch Wachstum wittern,
    Den tumbsten, dumpfsten Stumpf erzittern.
    Frühling, Du bist’s! Wir haben Dich vernommen –
    Bienvenue, welcome und herzlich willkommen!

    Du tauchst in Tau und Birkengrün
    Verdörrtes Land und fingerst kühn
    Dem winterhart gestockten Boden
    Am keimbereiten Sämlingshoden.
    Da wölbt sich Mother Natures Bauch
    Im erdigwarmen Frühlingshauch,
    Da girrt und gurrt es, summt und surrt es,
    sirrt und schwirrt es – ja, nun wird es
    Frühling! Wieder wehen traulich
    Deine Flatterbänder blau sich.
    Erde weicht sich, Kälte schleicht sich
    Und das Maienglöckchen zeigt sich.
    Mörike, Dich hör’ ick trapsen!
    Nachtigallen, Amseln, Spappsen!
    Holder Dolden Blütenpracht –
    ’s hat er wieder schön gemacht!

    Und in all dem Blüh’n, da: Welkst nur Du.
    Schaust Dir selbst beim Altern zu,
    Ahnst beim Anblick erster Falten:
    Da is’ nix mehr aufzuhalten!
    Dieser Bauch wird niemals Brett mehr,
    Deine Haarpracht nicht komplett, sehr
    Schade ist das, keine Frage –
    Doch Du hattest Deine Tage!
    Schlitterst nun mit letzter Klarheit
    Von der Ist-Zeit in die War-Heit.
    Ziehst und zerrst an Körperstellen,
    Wo sich nun die Dellen wellen,
    Denkst zurück an letztes Jahr,
    Da das auch nicht anders war.
    Doch dachtest Du: Na, das lässt sich richten!
    Mit irgendwas, mit … Ja, mitnichten.

    Blaukraut bleibt Blaukraut
    Und White Stripes bleibt White Stripes –
    Nur ich soll ergrau’n, wenn sich alles in Grün zeigt?
    Mein lieber Lenz, Du, leck mich doch!
    Wie lange war ich Dein Verfechter,
    In Deinem Sinne Worteschlächter?
    Nun frag ich mich: Kennst Du mich noch?
    Wer wärst Du ohne Lyrikstütze
    Und wem Dein Grün und Blüh’n zunütze?
    Wir haben Dir Anmut angedichtet,
    Manch Abart Dir per Vers gerichtet,
    Das Beste aus Dir rausgefischt,
    Dem Volk romantisch aufgetischt:
    Dich, den Dichter-D’Artagnan! Du
    Duselduttending der Dichtung,
    Du dankst Dein Renommee den Dichtern,
    Die Dich doch erst einst etablierten
    Als zum Star empor geschriebenen
    Refrain im Chor der Liebenden!

    Dich, den gernegroßen, sambereiten
    Vollprolet der Jahreszeiten!
    Wärst ohne unsern Wahlbetrug
    Nur Nieselreg’n und Pollenflug.
    Ein Pickeljungspund, chronisch willig,
    In allem absehbar und billig!
    Du tauchst die Welt in Schwalbenkot,
    Bringst Heuverschnupften Atemnot
    Und Cortison keult rudelweise
    Die Opfer Deiner Wucherpreise!

    Nun ziehst Du wieder durch die Länder
    Mit triebverpeiltem Dauerständer
    und prahlst, dass es halt Dein Problem bleibt,
    Wer sich das Glied heut wo in wem reibt.
    Du pfeifst auf Deine alten Texter,
    Grölst nur gen Nachwuchs „Wer ist Nächster?“

    Okay, dann geh! Du kannst da bleiben –
    Ich werd’ mich nun dem Herbst verschreiben!
    Nenn’ Frühlingsverse ein Verseh’n,
    Streb’ fortan nur noch nach Vergeh’n!
    Werd’ Laub zu Lab und Lob verdichten,
    Im Modern das Moderne sichten,
    Dass jeder dem Verfall verfalle –
    Nie vor November sich verknalle!
    Wenn waldigfaulen Pheronömen
    Die Boys and Girls entgegenströmen.
    Aus dichten Quellen weiß man ja,
    Der neue Jahreszeitenstar
    Er ist’s! Er ist’s – wie wunderbar:
    Der Herbst. Mach Dir ’n Reim drauf klar!

    Denn Versmaß rules! Und wird noch regeln
    Mit eingewachs’nen Zehennägeln,
    Um runzligpunzlig anzuschau’n,
    Den Herbst als Erbprinz aufzubau’n!
    Und ohne Abers, ohne Wenns
    Mach ich mir dann den wahren …

    Alle Rechte bei Cora Cristofolini, die das Gedicht 2026 im Rahmen des Abschiedstour-II-Crowdfunds von mir gekauft hat.


  • Slam Olten Jubiläum & das zweitausendachthundertneunundneunzigste Gedicht

    Slam Olten Bühne in der Schützi

    Was denkt das Haus am Donnerstag?
    Ripostegedicht auf „Was denkt die Maus am Donnerstag?“ von Josef Guggenmoos

    Was denkt das Haus am Donnerstag,
    am Donnerstag,
    am Donnerstag?
    Dasselbe wie an jedem Tag,
    an jedem Tag,
    an jedem Tag – und selbst das beginnt zu schwinden!
    „Wer sind die Leute?“, „Wo bin ich?“
    „Dies Spiegelbild da, kenn ich nich!?“
    „Wird mir gerade Geld gestohlen?“
    „Wann kommt wer, um mich abzuholen – und wird er mich hier finden?“

    Das denkt das Haus an jedem Tag,
    am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag
    und jeden Tag,
    und jeden Tag:

    „Da kommen Mutter und Papa!
    Wie war’s im Grab – gefiel’s euch?“
    Sie schenken mir zum 90sten ein lang vermisstes Spielzeug.
    Die Katz, die ich als Kind besaß,
    Schnurrt hier auf meinem Schoß.
    Mein Orientierungssinn ist klein – und diese Welt zu groß!
    Noch gibt’s eine Vergangenheit –
    Sie schwimmt hier rum in Fetzen,
    Bewahrt ’nen Rest Verbindlichkeit vor hundertausend Jetzen.

    Das denkt das Haus am Donnerstag,
    Manch Donnerstag heißt Mittwoch.
    „Ganz sicher klingelt gleich Besuch!“
    Doch folgt auf jeden Schritt Loch
    um Loch um Loch um Loch …

    Ach, wäre ich, ach, würd ich bloß
    Wie eine Katze riesengroß!
    Dann könnte Löcher, Haus und Hof ich einfach überblicken!
    Doch so umströmt mich Wirrwarr nur – und nirgends gibt es Brücken.


  • Gmundner Rathaus & das zweitausendachthundertneunzigste Gedicht

    Gmudner Rathaus

    Der Duft der Blumenläden

    Der Blumengeschäftduft erinnert mich
    An nah’nden Kaffee plus Torte,
    An trauerkranzbindende Hilflosigkeit,
    Ans Finden mauer Worte.

    Der Blumengeschäftduft erinnert mich
    An Dunst überm Aquarium
    Im Mischmasch wunder Blüten,
    An „Denk bitte jetzt nicht ans Geld, Kerl!“-Konsum,
    Den Anlass zu vergüten.

    Der Duft im Blumenladen wollt‘
    Stets Auftakt sein zum Feste.
    Ob heit’ren Sinns, ob scharf durchmollt –
    Wir wurden mit ihm Gäste.

    Und aromatisch schält sich aus:
    Der Anlass für den Blumenstrauß.

    Mir bleibt’s eine besond’re Luft –
    Der Blumenläden eigne Duft.


  • Kampenwandkreuz & das zweitausendachthundertdreiundachtzigste Gedicht

    Kampenwand-Gipfelkreuz

    Den Gefallenen zum Aufstand gereichend

    Man redet von Gefallenen
    Doch die vom Tod Verschluckten
    Werd’n drauf die Fäuste ballen, denn
    Die von solch Wort verspuckten
    Annahmen sind pure Lügen.

    Wir woll’n der Wahrheit nun genügen:
    Hier ruhen die Verratenen
    Gestoßen, nicht gefallen.
    Es starb’n die hier Verbratenen
    Den dümmsten Tod von allen.
    Ihr letzter Gott war ein Befehl
    Nebst Zwang, an ihn zu glauben.
    Ne uniform-umhüllte Seel
    Darf höh’rer Dienstgrad rauben.

    Euch mordeten die Feinde nicht –
    Nur die, die euch entmündigt!
    Mit Schmu von Tapferkeit und Pflicht …
    Im höchsten Grad: versündigt.


  • Strip & das zweitausendachthundertsiebenundsiebzigste Gedicht

    Ausschnitt aus Gerhard Richter. 100 Werke für Berlin. Neue Nationalgalerie

    Den Nachrückenden

    Jeder Änderungswunsch wird mich nicht mehr betreffen.
    Du schreist: Es wird Zeit für die Jungen!
    Ich bin für dein Scheitern, mich nachzuäffen,
    Doch zeitig zur Seite gesprungen?!
    Wollte alles mit Unaufgeregtheit beseh’n –
    In Hoffnung auf halbwegs vererbtes Versteh’n.

    Nun ist der neue Abstand dir noch nicht genug.
    Du schreist: Es braucht Platz für die Jungen!
    Man schießt längst gestrandeten Schiffen vors Bug –
    Das alles wirkt sehr sehr gezwungen.
    Willst du’s nicht mal weniger aufgeregt seh’n
    Auf ein Stündchen Lektüre Geerbtes Verstehn?

    Ich wünsch nach dem Nachäffen weitere Schritte:
    Zeit wird’s für’s Erschaffen von eigenem Platz!
    Ja, einen der mich wirklich altfühl’n lässt, bitte –
    Ich warte auf originären Rabatz!
    Deine Kühnheit bewahr fürs Kreieren statt Erben!
    Für solch einen Move, hey, da könnt ich glatt sterben!


  • Top of Eze & das zweitausendachthundertachtundsechzigste Gedicht

    Blick vom Botanischen Garten in Éze

    Die Miete
    Mein viertes – und letztes – Ripostegedicht auf „Die Made“

    Hinterrücks trifft dich die Kunde
    Einer Mieterhöhungsrunde.

    Nun, steigt die Miete übern Lohn, da
    Wird’s Zeit für ’nen Mitbewohner!
    Ein winziges möbliertes Zimmer
    Zieht in Cityvierteln immer.
    Im Prinzip nicht diffizil, irgendwen zu finden –
    Impliziert nur inklusiv, sich an ihn zu binden.
    Richtigliegen ist schier Pflicht!
    Hier bewirbt sich im Gedicht:
    Dimitri aus Merkantilien,
    Macht in Imbiss-Immobilien –
    Was vom Spirit irritiert,
    Doch dir sichtlich imponiert.
    Denn Liquidität und Business-Stil
    Sind mithin wichtig – easy Deal!

    Schwindlig fix ist man sich quitt,
    Dimitri wohnt fortan mit,
    Verspricht dir gar Beginner-Tipps
    Fürs Mitspiel’n bei den Winner-VIPs!

    Doch was hier blindlings eingestielt,
    Ad infinitum abgezielt
    Mit finanziell’m Win-Win-Motiv
    Lief zwischenzeitlich kritisch schief.
    Denn schien’s dir irgndwie, Dimitri
    Investiert in Miete nie.
    Und im dritten Monat auf Kredit
    Ziert’s dich nicht mehr vor der Bitt‘,
    Weil’s dir ziemlich dringlich ist –
    Schließlich gilt die Mietzinsfrist,
    Und irre misslich ist sein Zieren,
    Hierin sich zu involvieren.

    Doch dein triftig Insistieren
    Wird er giftig kommentieren:
    „Bitte wie – wat soll denn ditte?
    Nix mit Investier’n in Miete!
    Linkische No-Limit-Ritte
    Und von Gier gezielte Tritte
    Sind in meinem Business Sitte!“ Schitte.

    Dies ist nur witzig und fiktiv,
    Doch denk im Still’n ich instinktiv:
    Gib Parteien nur dein Like, wenn
    Diese Miethaie enteignen!
    Bislang zieht man nur kleinen Fischen die Gräten,
    Und das nimmt weiter zu – trotz mehr Diäten!

    Kein Wunder, dass Mieter, Model, Marder und Erhardts Made mit Kind
    Der Weltenmakel müde sind


  • Orthodoxes in San Remo & das zweitausendachthundertsiebenundsechzigste Gedicht

    Orthodoxe Kirche in Sanremo

    Der Müde
    Mein drittes Ripostegedicht auf „Die Made“

    Tief in eines Traumes Sünde
    Schlief der Müde schön ’ne Stünde …
    Ja, endlich ist’s gemütlich leise,
    Denn der Müde ist jetzt Waise.
    Sieh, die Eltern, die er hatte,
    Hieb sein Unmut auf die Matte!

    Eines Abends sah’n die Alten
    (kurz vorm stumpfen Schädelspalten):
    „Drüben gibt es Alkohol – den wir hol’n, is eh gestohl’n –
    Zum Umtrunk auf des Bubens Wohl!

    Müde erinnert das Bübchen sich wieder
    Vom Bier geölt, grölt ruckzuck Lieder
    Sein genetisches Erzeugerpaar.
    Helene-Fischer-Repertoire
    Bracht schlaflos ihn durch manche Nacht –
    Drum gab’s Schlag Acht ’ne Schlagerschlacht!

    Und mit wütend rüder Attitüde
    Sucht der Müde nach ’nem Prügel …
    Gut gefüllte Biertrunkkrüge
    Stünd’n als Fundus zu Genüge
    Zur Verfügung
    Und mit Doom-Schwung
    Wummst der Bub mit Krug-Hub munter
    Rundum dumpf auf Stürnen ein –
    Kühn und ungezügelt brüllend
    Ungestüm den Blutdurst stüllend
    Rumms und Bumms ins Hürn hinein!
    Fürchterlich suppt’s auf die Stühle
    Künftig grüßt hier Corpus-Kühle,
    Schlusspunkt unter Pulsdruck-Schwund,
    Zuckt’s noch buttrig ungesund
    Kurzum: Im Wundenwunderland
    Ist Umzug in die Gruft geplant.
    Vaters Mund, zertrümmert, brüllt nich,
    Blutgelumpes Pfütze füllt sich,
    Mutters Pumpendurchfluss nullt sich –
    Urteilsspruch ohn‘ Ulk und Huld: Ich
    Find den Bub zu ungeduldig. Schuldig.

    Mum und Daddy soll man ehren –
    Oder gegen sie sich wehren!
    So sie nachtschlafraubend singen,
    Muss man sie zum Schweigen bringen.
    Wie’s hier geschah, dünkt hart, klar, bloß:
    Ihr Lieblingssong war Atemlos.


  • Coats d’Azur & das zweitausendachthundertfünfundsechzigste Gedicht

    Auf einem Balkon im Hafen von Nizza

    Die Mode
    Mein zweites Ripostegedicht auf „Die Made“

    Tief in eines Saumes Rande
    Sitzt die Mode im Gewande.
    Jahre sind ins Land gegangen,
    Aber die, die an ihr hangen,
    Kleiden sich noch immer so –
    Gurr’n gern um des Garnes Show.

    Der Designer sprach zum Model:
    „Trag du meine alten Zoddel!
    Sollt’s am Catwalk wer erkennen,
    Werden wir’s Upcycling nennen.
    Spiel derweil nicht grundlos dumm,
    Denn sonst holt dich Heidi Klum!“

    Schneiders Model aber strich
    Allen Fummel ab von sich –
    Und statt schummelnd, walkt die pride Deern
    In des Kaisers neuen Kleidern,
    Dass am New Chic Unbekleidet
    Sich manch Blick vorm Shitstorm weidet.

    Doch

    Der Modeshow-First-Row-Synode
    Entlockt’s verbockt ein „Oh, my God!“e,
    Denn voll devot und rot bekoppt golt dort in dem Dom der Mode
    Noch der orthodoxe Groll
    Oller Bloßer-Po-Verbote.
    Der Roben-Dresscode flowt gen Boden
    Oder ans Niveau der Hoden!
    Doch „No!“ der exponierten Fott –
    Selbst Ottos Mops motzt: „Gottohgott …“

    Droh’n solch verrohte Modelmoden,
    Gibt’s Gottlob Folterei-Methoden:
    Verdammt man Frau’n vernichtungsfroh,
    Entflammt man diese lichterloh!
    Und die Molotovcocktail-Bros jene Spots kennen,
    Wo lodenlos-wordene Showmodels brennen.
    En gros blowt so ein lodernd Brodem
    In Opfer-Bodys Todes-Odem! Show-Down.

    Es war, bevor jetzt jemand fragt,
    Der Nude Look halt nicht angesagt –
    Und kommt vielleicht auch nie in Mode.
    Nicht nur der Hubsi findet’s „Schode …!“


  • Winzerer-Denkmal & das zweitausendachthundertsechsundfünfzigste Gedicht

    Bad Tölz Marktstraße, Winzerer-Denkmal

    Im Privilegienpflegemodus

    In Alte-Männer-Leibern kompostieren all die Jahre
    Stumm ertrag’ner Zumutungen, ausgefall’ner Haare …

    Ich werd niemals die Ruhe finden,
    Den erblüh’nden Balkon zu genießen
    Und meiner Privilegien Rinden
    Mit Nahrhaftigkeit zu begießen.
    Ich werd wie gewohnt weiter Tanzflächen mähen –
    Den Besitzanspruch lass ich verprickeln,
    Lausch nachsichtig trendigem Vorwürfe-Blähen,
    Begnüg und vergnüg mich mit Halmebefrickeln.
    Ich hab der Bundesgartenschau
    Kein Blühen vorzuwerfen,
    Doch nachts sympathisier ich mit
    Der Wühlmaus und den Kerfen,
    Dass sie das Rabiate
    In der Beetversorgung pflegen,
    Und das baldige Umbruch androhende Knistern
    Mit galantem „Nein, ich bin dagegen!“ –
    Derweil heg ich mein Pflanzgefäß und was ich dort vollbracht
    Im Privilegienpflegemodus, möglichst leis und sacht.


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