Erste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Yoga, Serienbingen, Netflix, Geschwurbele, E-Mobilität, Marilyn’s Army, Hochzeitsfotografen und Fanfiction.
E-Mobilität
Dass nun die E-Mobilität
All jene Igel niedermäht,
Die stoisch darauf eingestellt,
Dass ihn’n Gefahr entgegenschnellt
Bei gellendem Motorenlärm,
Und nun umrahmt sind von Gedärm,
Gemahnt uns, letztlich im eignen Int’resse,
Ans Mindestmaß für Lernprozesse:
So lahm du auch lernen magst, unterbiet nie
Das Tempo der Automobilindustrie!
Ich möcht‘ nicht, dass du dich mit mir hier vergleichst,
Da mich solche Nähe bedreckt!
Ich gönn‘ dir, dass du deine Ziele erreichst,
Eh weiterer Anspruch verreckt,
Doch gibt’s ’nen Klassenunterschied,
Durch den man keine Trasse zieht:
Meine Geltung – das ist doch der Abstand zu dir!
Gleich dem Grenzziehungszwang zwischen Menschen und Tier!
Hey, ich überroll‘ dich bei allen Vergleichen!
Publikum und Akteure haben lange durchgehalten, das Open-Air-Vergnügen in Zeiten der Indoor-Verbote aufrechtzuerhalten, aber nun müssen wir die Bühne im Garten der Seidlvilla wieder abbauen. Um sie möglichst bald wieder zu reaktivieren.
Spätsommersoirèenausklang
Nicht nur die Harten komm’n in’n Garten,
Auch die Zarten wie Aparten,
Selbst Spaten-Bier-Trinker sind uns willkommen
(Ganz arge Stinker ausgenommen)!
Kommt herbei, Euch vollzusaugen
Über Hahn- und Hühneraugen,
Um der Hirne heit’re Stumpen
Zum Finale vollzupumpen,
Abstandswahrend, halb verloren,
Wird der Spaß dann eingefroren!
„Hab ich nicht längst schon jeden Schmerz
Mit einem Vers beschrieben?“,
Beschwere ich mich himmelwärts,
Schwer pathosübertrieben.
Zum Leidwesen für Schmerzbetroff’ne
Gibt’s die weit nach oben off’ne
(Gott ist unser) Richterskala –
Dass du deine Dichtertaler
Dir hienieden auch verdienst
Ein Teilstück meiner Seele spielt im Brandenburger Sand.
Von außen schräg betrachtet, doch im Grunde unbekannt,
Herrscht letzte Begegnung mit Dschungeligkeit
Aus hausgebor’nen Samen.
Wo Unbewohnt sich an ein Ungewohnt reiht
Zu fremdster Städte Namen.
Und staubig rau wiegt durch die Zeit:
Der Krach von Fichtenzapfen,
Die wir in trauter Einsamkeit
Beim Seenumrund zerstapfen.
Zwischen Hmmel und See gräut ein Streifen sich stadt,
Der scheint wie von beiden zu glimmern.
Ein entspannt in sich wiegendes Quantum von Satt –
Von hier wird sich nie was verschlimmern.
Es beruhigt, dass diese Verlässlichkeit hält,
Dass mein Dort! einen Ort kennt, der ungern zerfällt –
Und sei’s nur im eigenen Vorstellungsflur.
Zwischen Himmel und See ist das Grau wie ein Blau,
Eine sich in sich selbst inszenierende Show –
Als gäb’s Silhouetten auch ohne Kontur.