Ohne Worte.
Meergewicht
Da ich hier auf La Digue lieg
Und gut vier Kilo mehr wieg
Im Einklang mit dem Wellengang
Erschnarche ich mir Walgesang
In einem Paradies aus Sand
Bin ich ganz Meer, bin ich ganz Strand
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten
Gedichte, die der Eriegnislosigkeit sowie dem Thema Schlaf und den Schwierigkeiten des Aufstehens zuzuordnen sind!

Ohne Worte.
Meergewicht
Da ich hier auf La Digue lieg
Und gut vier Kilo mehr wieg
Im Einklang mit dem Wellengang
Erschnarche ich mir Walgesang
In einem Paradies aus Sand
Bin ich ganz Meer, bin ich ganz Strand
Aus der Reihe der Faulenzergedichte. Mit passender Vari-Übung m Frühstückstisch.
Hängematte
Die Hängematte sagt mir barsch
Dein Körperschwerpunkt ist dein Arsch
Hier sammelt sich das, was von dir von Gewicht
So zeigt dir the Hammock dein wahres Gesicht
Dein hehrer Kopf stakt leichtgewichtig
Von Hüftenschwerkraft aufgerichtet
Und nistet hart im Knotenstrang
Weil er nicht wahrhaft von Belang
Dein Zentrum ist am Ende doch
Nur triebfäkales Ausflussloch
Es scheidet zumindest den Menschen vom Tier
Das sichre Gebrauchen von Lokuspapier
Mehr Schlaf geht nicht: Mausmaki am Tage, beim Zimmersäubern aufgespürt. Aber vor Einbruch der Dunkelheit wird kein Auge geöffnet, sei der Trubel auch noch so groß.
Einschlafgedicht
Mit achtzig Tonnen Gewicht auf den Schultern
Schlepp ich mich zum Marsch into Mausmaki-Schlaf
Ich bitte die Weiten des Alls ums Geduld-Hab’n
Und schmieg mich in Tiefen ein, lämmchenbrav

Reeller Imbiss.
Räume und Träume
Deine vollgeträumte Speisekammer
Wird heut von Eis und Schmaus geräumt
Du denkst, noch schlafend: Was für’n Jammer!
Hast dich im Liegen aufgebäumt
Und ärmeltief ins Mett gekrallt …
War’s auch mehr Wärme denn ein Halt!
Hast satt zu sein im Traum versäumt?
Nun hat der Raum sich ausgeträumt
Bevor der Tag beginnt, sitzt man manches Mal bereits im Zug. Und rauscht an Hopfen und Hoffnung vorbei.
Spätes Frühstück
Nun,
Dem frühen Vogel mag
Jeden Morgen, jeden Tag
Etwas Wurmverwandtes langen
Doch Nachtigall,
Die Nacht war geil –
Da brauche ich um anzufangen
Vorneweg, direkt zum Start:
Weck-Gebäck, das knusperzart
Jäh verweht des Schlafes Schwere,
Wenn ich’s beim Kaffee verzehre
So legt auf die Gabel
Derweil ich noch gähne
Ein Starthilfekabel
Für Ozeankähne
Es werden dann, schon halbwegs klar
Der Tag und ich ein spätes Paar
Der Park an der Ilm zu Weimar. Klassisch angemessener Rahmen für das 200. Gedicht der Tour.
Ich liege flach im tiefen Grase
Ich liege flach im tiefen Grase
Ganz hart in der Romantik-Phase
„Hier kommt keiner lebend raus!“
Schallt’s aus Goethes Gartenhaus
Fühligkeit macht ganz schön fertig
Dass ich derlei durchsteh‘, ehrt mich
Auch vorm Klischee ist mir nicht bang!
Ich stell die Seele auf Empfang …

In Münster gefeiert. Vorher Slam. Trotz vorherer Streckensperrung Marl-Haltern.
Die verkaterten Morgen
Ein verknitterter Blick kratzt das Kalb meiner Stirn
Der gehört noch nicht so ganz zu mir
Ich muss ein verwittertes Fell strukturier’n
Die entglittenen Bilder des Tages entwirr’n
Danach erst begebe auch ich mich ins Hier

Irgendwo zwischen dem Auftritt in Seattle und der Ankunft in Frankfurt wurde der 20. Januar verschluckt. Bin zu müde, um der Sache nachzugehen.
Nicht in der Lage – die verschobene Zeit
In Frankfurt hab ich eine Jetlagablage
Zu der ich, Frank, flugs meine Koffer noch trage
Denn die MEZ holt sich pardonlos ihr Stück
Des bei Hinfahrt verlängerten Tages zurück

Die Uhr auf dem Foto sagt alles. Der Morgen nach dem Slam ist der Aufbruch zur Rückreise. Macht die Sache nicht besser. Viele Stunden Flug, viele Stunden Zeitverschiebung. Ich rechne lieber gar nicht erst nach …
Die Frühaufsteher
Jede Menge
Sonnenaufgänge
Tagesanfänge
Vogelgesänge
Aber an Schlaf:
Nachholbedarf

Früh genug: Der Amtraktrain von Vancouver nach Seattle. Die beschauliche Fahrt bietet aber gleichsam ausreichend Zeit, zehn Zeilen zum gegenwärtigen Zustand zu verfassen.
Gähn!
Ein ächzendes Gähnen, in die Halbnacht gejault
Dann stups‘ ich bestimmt an den Kern meiner Glieder
Der sperrt sich noch, bettschwer, protestierend, und faucht
„Was, in aller Welt, willst denn du jetzt schon wieder?!“
Doch unbeirrt zerr‘ ich in Tritt auf Schritt
Den matten Wust an Körper mit
Verschlafen straft mich mein Gesicht
Und selbst der Kaffee schmeckt noch nicht
So schlepp‘ ich mich zäh zur Moral des Gedichts:
Da musse wohl durch, ej, et hilft ja nichts!
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