Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 37 Länder auf 5 Kontinenten

Religion & Philosophie

Weltreligionen und spirituelle Erhellungen sowie religiöse Bräuche, Themen und Protagonisten in Versen.


  • Proboscis monkey & das zweitausendvierhundertachtzigste Gedicht

    Nasenaffenmännchen am Ufer des Kinabatangan.

    Geburt eines Clowns (und Sympathieträgers)

    „So vielleicht?“, fragte scheu Gottes Designer
    Beim ersten Entwurf, der Zweifel voll.
    „So nasenreich ist dort im Tierreich noch keiner!“
    Und Gott brummte mürrisch: „Ich find’s nicht so toll …
    Aber nehmen wir. Und dann auch weg mit den Affen –
    Wir müssen ja noch die Insekten erschaffen!
    Zur Vermeidung von Spötterei machen wir’s so:
    Sein Verbreitungsgebiet bleibt auf Borneo
    Beschränkt, dass da kaum jemand denkt
    ‚Wer hat an das Tier diese Nase gehängt?‘
    Denn, um auch in düstere Zukunft zu schau’n,
    Irgendwann wird dieser Clown
    Als Naseweis schwindenden Regenwald nützen
    Und Schöpfungsbekrönte besinn’n, ihn zu schützen!“


  • Nachwuchs & das zweitausendvierhundertneunundsechzigste Gedicht

    Nasenaffenmutter mit Baby am Ufer des Kinabatangan.

    Unterholz

    Zwischen all den großen und mächtigen Stämmen,
    Bette ich als Gestrüpplein mich ein.
    Ohne mich wär der Wald allzu leicht zu durchkämmen,
    Erst durch mich darf er Dschungelstück sein!

    Auf den Displays der Touris bin ich nie zu sehen,
    Denn ich tauge nicht für Sensationen.
    Um mich rum türmen sich Tagesgeschehen
    Und Fotomotive, die lohnen.

    Ich darf hier ganz ich sein, auf mich kommt’s nicht an –
    Alle Peinlichkeit sickert ins Off.
    Mich wird man nicht hängen, ich häng mich nicht rein,
    Ich hangle mich weiter und hoff‘ …

    Zwischen all den großen und mächtigen Stämmen,
    Finde ich einen Platz, der mir passt.
    Ich kann meine Ziele noch weiter eindämmen –
    Aber niemals bin ich hier nur Gast!


  • Old State Mosque & das zweitausendvierhundertachtundvierzigste Gedicht

    Masjid Bahagian - Alte Staatsmoschee Kuching

    17. Juni 2024, abends

    Welche Art von Gedichten geziemt sich’s zu schreiben
    An der Türschwelle einer Moschee?
    So rein von dem Lautbild her will es mich treiben
    Zum stimmigen „Allah olé!“.

    Doch rein ob des Bilderverbots lass ich’s bleiben,
    Denk vollüberzeugt ein „Och, nee …“.
    Es zwingt mich ja niemand, Gedichte zu schreiben
    An der Türschwelle einer Moschee.


  • Borneo & das zweitausendvierhundertfünfundvierzigste Gedicht

    Hafen am Batang Ai Stausee

    Sarawak

    Vor Jahren ward es fester Plan,
    Ist dann Prospekt geblieben.
    War damals direkt angetan,
    Doch ließ mich stets verschieben.

    Ich vagabundierte durchs Vorzügegeben:
    Mal nach dort, mal sofort, mal geplant und mal eben.

    Den Prospekt letztes Jahr dann ad acta gelegt
    Ins Archiv des Recycling-Containers –
    Nach dreißig Jahr‘n immer noch sehr gut gepflegt
    (Ich hab mir gedacht, ich erwähn das)!

    Was hat mich damals fasziniert,
    Wie weiß ich, was noch stimmt?
    Manchs Traum Buffet an Wert verliert,
    Sobald man davon nimmt …!

    Doch ich ließ, prospektlos aufgebrochen,
    Mein dreißig Jahr jüngeres Herz wieder pochen
    Und erkenne: Was einst meine Neugier gerührt –
    Es versteht sie noch immer zu stillen.
    Ein sehr langer Weg hat mich hierhin geführt
    Aus tief eingefrorenen Willen.


  • Ten Tage Fürstenfeld & das zweitausendvierhunderteinundvierzigste Gedicht

    Gartentage Fürstenfeldbruck

    Kleine Eimer

    Ein Kleiner Eimer Schwermut
    Sich im Augenwinkel hält.
    Ich streb nicht mehr gen „sehr gut“,
    Seit mein Seufzen mir gefällt.

    Es locht zwei falsche Töne,
    Doch das mindert nicht sein Singen;
    Es kennt der Gegner Söhne,
    Doch es kentert nicht beim Ringen.

    Welch rumpelnder Luxus, gefährdet zu sein –
    Ein dumpfes Gefühl lustig werdender Pein.

    Und welch eilig Entschluss, diesen loszuwerden –
    Er kann (freilich: muss) unser Dasein bloß erden.


  • Böig auffrischend & das zweitausendvierhundertfünfunddreißigste Gedicht

    Varadero Beach nach stürmischer Nacht

    Kurzode an das Langzeitgedächtnis

    Wenig lässt sich wiederholen,
    Vieles lässt man besser ruh’n.

    Vieles lässt sich wieder holen,
    Wenig lässt dich besser ruh’n.


  • Durchhalteparolen & das zweitausendvierhundertdreißigste Gedicht

    Fassade im Zentrum Havannas

    Prince of Neverland

    Irgendwo bestürmen Katastrophen
    Schon die Vororte meiner Saisonfröhlichkeit.
    Irgendwo triumphieren schon wieder Doofen –
    Und man darf nicht vergessen: Wir sind nur zu zweit.

    Irgendwo wird mit maßlosem Blutdurst
    Die Höhe der Schmach schon behechelt.
    Und du schwafelst noch immer von Mut, Wurst?!
    Überall wirst du immer belächelt!

    Ich weiß, du glaubst im Nach-wie-vor
    Schlicht nie an Niederlagen –
    Sagst: „Irgendwann fällt noch ein Tor!“
    Und stellst dich keinen Fragen.


  • Traumstrandsaum & das zweitausendvierhundertneunundzwanzigste Gedicht

    Varadero Beach

    22.04.2024

    Bin ein gefühltes Meilenweit azurnen Sand durchwatet.
    Der Schöpfer frug: „Dies Traumstranddings – war’s das, um das ihr batet?“.

    Ein Schwarm von Schwärmen Kleinerfisch eröffnet sich als Pforte.
    Die Sonne strahlte willenlos. Ihr fehlten auch die Worte,

    Da ich im steten Storchengang die Meile abgeschritten.
    Die Euphorie im Höchstform. Nur die Pelle hat gelitten.

    Fast hüfthoch hat das Wasser mich fast samtenweich verschlungen.

    Und ein beseelter Evergreen hat tief in mir gesungen.


  • Blick von der Liege & das zweitausendvierhundertzwanzigste Gedicht

    DSC08298

    Die nutzlose Zeit

    Du köstlich verstreichende nutzlose Zeit,
    Ich winke dir vom Pool-Rand zu!
    Gern wär ich zu reicherem Output bereit,
    Doch saug vom Honig deiner Ruh.

    Ich lasse meine Blicke schweifen,
    Ohne meinen Kopf zu dreh’n.
    Reizt’s mich Geseh’nes zu begreifen,
    Ist eig’ntlich schon zuviel gescheh’n.

    Wo immer Schönheiten mich streifen,
    Ruf scheu ein Schaudern ich hervor,
    Mit Reizes Flut mich einzuseifen –
    Das pflegt die Zeit, die ich verlor.

    Es zählt kein Tag, wo sonst schon Stunden
    Im Zerrbild der Bedeutsamkeit
    Sich aufgebläht. Lass dich erkunden,

    Du kostbare, streichzarte, nutzlose Zeit!

    Alle Rechte bei Markus Berg, der das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.


  • Sundowner & das zweitausendvierhundertneunzehnte Gedicht

    Sonnenuntergang Varadero

    Wie der Wind

    Wie der Wind plötzlich auffrischt, wenn die Sonne versinkt –
    So, als hätt‘ er sich erst nicht getraut.
    Nun erkühnend, zu instruier’n, was uns die Nacht bringt
    Wie ein altkluger Halbastronaut.

    Der Sonne Versinken besiegelt stets Abschied
    Und gewolltsam begrüßt man die Nacht.

    Doch wenn man die Stunden der Dunkelheit abzieht,
    Verbleibt uns ein Plus heller Macht.

    Alle Rechte bei Tom Droste, der das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.


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