Die Streckung
Der Nullmeridian meines Kosmos
Ist schon die nächste Zeile
Komm‘ grad so mit dem Stift dran
Sonst wart‘ ich halt ’ne Weile
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.

Die Streckung
Der Nullmeridian meines Kosmos
Ist schon die nächste Zeile
Komm‘ grad so mit dem Stift dran
Sonst wart‘ ich halt ’ne Weile

Das E und Ö des Fliegens
Nun, obschon ja Schwan und Enten
Durch die Lüfte segeln könnten
Dümpeln sie selig auf dürftigen Seen
Geben uns so zu versteh’n:
An den traumumzäunten Segen
– ebenjenes Flugvermögen –
Lässt sich als „Is‘ nix Besond’ret!“ gewöh’n
Man sinniert sich das zu schön:
All der Stress beim Flügeldehnen
Im Gehör das Fahrtwinddröhnen …
Trüb wird der Wert vom Sichselbererhöh’n
Lieber unten Runden dreh’n!

Entschluss bei Niesel
Ein Wetter, das nach Friedhof riecht
Im Krebsgang durch die Ganglien kriecht
Ich spür, mein Blut ist einsam grau
Und krüppelt dumm herum im Stau
Und der Tag endet einfach, bevor er beginnt
Da marschieren zu Parties, die hoffnungsfroh sind
Doch ehe ich nun ganz verstumm‘
Bring‘ ich diese Welt noch um!

Der Kosmopolit
Immer muss ich tanzen
Mit den alten Schranzen
Und beherrsch‘ die Schritte
Nur noch bis zur Mitte!
Geb‘ dann vor, mein Hampeln wär‘
Das Know-how vom Laissez-faire

Eine Vorschau auf ein weiteres 2018er-Projekt von mir – ein Liedtext zu Henry Purcells „But ere we this perform“
Streitarie
Du enervierst enorm
Hast jedes Maß verlor’n
Dein überheblich‘ Selbstgefall’n
Dein egomanes Fäusteball’n
Du hast mein Glück verdorb’n
Als Dank gilt dir mein Zorn

Melancholie
Draußen behupt sich der Abendverkehr,
Und ich pups am Schreibtisch, gedankenschwer.
„Bist Du beschwipst?“, fragt mein plappernder Muli –
Und reimt sich geschmeidig auf Lapislazuli.

Schnurrgeradeaus
Ich schnurr‘ gerade
Um ’ne Wade
Tipp’se an, klag‘ zwei Miaus
Fühl‘ mich so viel anspruchsvoller
Als die Sippe der Wauwaus
Ich bin so sophisticated
Das chatmante Biest im Haus
Shhh – erspar’n Se sich Ihr Murren!
Denn ich schnurr‘ gerade
Aus

Mein Tag
Die Beklommenheit am Frühstückstisch
Bürst‘ ich noch mit einem Wisch
Weg
Aber schon zur Mittagszeit
Kontert mich die Bitterkeit
Aus
Geht es dann aufs Abendbrot
Lächelt mich der Chancen Tod
An
Frisch zurück gekommen schreit
Dann noch die Beklommenheit:
Da
Wärichwiedermal

Mietz too
Me au
Bedeutet:
Habe Schmerzen!
Deshalb geht’s uns so zu Herzen …

Hochzeitsgedicht
Ja,
ich will mit dir welken
immer langsamer werden
statt Pferde nur noch Esel stehl’n
Auf Wellnessfarm’n mit 66
die uns verblieb’ne Knete zähl’n
Würd‘ sogar mit dir walken
an Nordischen Sticks
und sorgen dich Falten
ich seh‘ da doch nix!
Denn eh wir gänzlich gräulich sind
sind wir – zwar heuchelnd – farbenblind
Ich weiß zwar nicht, wie du das siehst
du rattenscharfes Bräutebiest
Doch dein Dekolleté ist mir ewig heilig
und wenn du mir erlaubst, verweil‘ ich
das mir verblieb’ne Ewigkeitchen
Wang‘ an Wang‘ an deinem Seitchen
bis ich tattergreisig im Rollator tapper‘
mit innerlich fester, nur äußerlich schlapper
starrsinnsnaher Stetigkeit
Wir hab’n’s ja eh nicht mehr so weit
Denn den besten Teil meiner Zeit gab ich dir schon
nun folgt noch die Treuepunkt-Paybackaktion
Doch gäb‘ man mir noch mal so’n Leb’n zu verschwenden
so schenkt‘ ich es dir mit fast gleichvollen Händen
und
würd‘ mit dir welken von heute bis morgen
für jeden Romantisch zwei Stühle besorgen
würd‘ Wellness und Willkür und Wolken ertragen
und tät’s selbst in Kirche und Standesamt sagen:
Lasst den Mond doch mal Mond sein!
Wat will ick mit Sterne?
Ich mein‘ das ganz irdisch:
Ja, hab‘ ditt Girl gerne!
Sprech‘ den ZugeneigtseinsEid an sich:
Ick liebe dir /(Strich) liebe dich
Ich weiß zwar nicht, wie du das siehst
du rattenscharfes Bräutebiest
Nur, dass du jetzt vor Scham erglühst
nicht rot zu werden dich bemühst
Doch rot ist die Liebe, wie sich nun wieder zeigt
Auf dass ihre Röte um kein’n Deut erbleicht!
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