Tagediebe unter sich
Vertraue aufs „Das haut schon hin!“
Und hau‘ dich auf die Couch mit rinn!
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.

Tagediebe unter sich
Vertraue aufs „Das haut schon hin!“
Und hau‘ dich auf die Couch mit rinn!

Crossover-Ripostegedicht zu Leopold Sedar Senghors „Gedicht für meinen weißen Bruder“ und Robert Gernhardts „Gesetz den Fall, ihr habt ein Schaf gekränkt“.
Angeschwärzt
Gesetzt den Fall, das Schaf ist schwarz –
(wie schnell fällt dann der Satz: „Das’n Fall fürs Gesetz!“?) -,
Und du weißt, weiß strahl’n all deine sichtbaren Parts,
Wenn der Schäfer fragt: „Wer’s’n der Sündenbock jetz?“
Dann gibt’s keinen Klär- oder Kränkungsbedarf,
Weil ein Blick unsrer Herde die Weißheit beweist:
Verbockt hat’s, klar, das schwarze Schaf –
Erst recht, wenn es Obamäh! heißt!
Sagt jetzt nicht: „Schwarz ist farblich doch eh am Ende!
Da kann man sich jedwede Tönung auch schenken!
Nichts, was schwarzes Schaffen mit Chef-Sein verbände –
Da darf man ein Schaf auch mal schärfer für kränken!“
Ein gutes Wollgeknäuel zu tragen,
Liegt auf jedem Fell in der Schafe Natur,
Drum drängt euch nicht zum Kränken-Wagen –
Als stünden wir nicht vor der selben Rasur!

Filmreife
Zwei Rollen Film rollt mir herbei!
Ich mag mich draus entwickeln –
In Dunkelkammermunkelei
Mich aus dem Nebel frickeln.
Im altgedienten Zelluloid
Konnt‘ ich stets was erkennen –
Im Wert diffus, doch was mich freut:
Es lässt sich nun benennen!

Frühes Frühlingserwachen
Die Luft sinnt klar mit reinem Klang
Vom Baden in der Kälte!
Wie immer ward das Warten lang,
Eh sich das Jahr erhellte.
Es rascheln Flieg- und Gliedertier
Ihr schieres „Wir sind wieder hier!“,
Als gäb’s ’nen neuen König!
Die Sehnsucht knistert blümerant –
Wie prickelnd plustert sich das Land!
Und dann wird es gewöhnlich …

Der Dichtung des Gusto G.
Irr verlustiert es im Sprachmaterial,
Dieses Lustvoll-Geschenke-sich-selbst-zu-verpacken!
Rabaukenschalk kalkt deiner Eingebung Wahl
Und verschwurbelt die sichtbaren Macken.
Der Worte Unerheblichkeit
Schwebt jäh hinhoch im Spiel.
Verblendungsfreie Heiterkeit –
So wenig schwirrt so viel.

Lebe wild und so
Auf den Punkt, ab dem die Zerstörung beginnt,
Verweist nicht der Druck wunder Stellen!
Er ist wie ein hinterrücks schlüpfendes Kind –
Das das Beißen doch meisternde Bellen.
Es lohnt nicht, darauf achtzugeben –
Drum mahn dich, nicht zu sacht zu leben!

Zum Output
Plagt mich die Angst vorm leeren Blatt?
Ich sage: „Nö.“ – das Blatt bölkt: „Wat?!
Der Herr hier ist doch voll der Schisser,
Vor Leere In-die-Hos-sich-Pisser!
Wär er nicht von solch Angst getrieben –
Wir wär’n noch beide unbeschrieben!“

Der Sargträger entdeckt einen Unterschlüpfer
… und er sagt:
Es ist untersagt,
Sich unter den Sarg zu begeben!
Denn
Wenn nun der Sarg
Unzerzagt
Unvermittelt runtersackt,
Zahlst du’s
Mit dem Leben!

In einem kühlen Grunde
Es scheint schon bedrückend, wie Dinge zerschwinden,
Die vor ein paar Jahren noch Selbstverstand hatten,
Seuft’s mich, angelehnt an den ewigen Rinden
Der Wälder, zermürbt von den Wanderdebatten.
Im Drinnen fehlt mir jetzt fürs Bleiben zu viel.
Aber hier kann ich auch nicht verweilen.
Als Erstes von Manchem zerschwand wohl mein Ziel.
Und mit euch kann ich keines mehr teilen.

Dieser Songtext greift schon mal ein wenig vor. Aber was wir haben, das haben wir. Die letzten Nächte der Westend Bohème werden dann ab September 2019 monatlich begangen!
Die letzten Nächte der Westend Bohème
Wenn das Licht versinkt
Und vom Gerüst der Hackerbrück‘ mit
Angebroch’nen Weinflaschen die Trecks gen Westend zieh’n
Durch die Bergmann hinkt
’ne cowboylose Tölenkrücke
So als hätt‘ die Straße etwas Sehnsucht nach Berlin
Da grüßen wir noch eben
Den Rest vom süßen Leben
In jedem „Grüß di/Servus!“ weht ja auch ein …
Hauch von Abschied
Refr.: Denn was heut so gut beginnt, könnte morgen schon vorbei sein!
Der DJ schwankt noch zwischen Sex Pistols und Wham
Es ist vielleicht nicht die, aber sicherlich schon eine
Der letzten Nächte der Westend Bohème
Die letzte Runde dreht
Und ein verirrter Wies’n-Touri
Trinkt mit dir am Tresen selig seinen dritten Schnitt
Der Plan zum Neubau steht
Die Umlaufbahn von dem Saturn ist
Topsaniert und jeder fragt sich, komm’n wir da noch mit?
Da grüßen wir noch eben
Den Rest vom süßen Leben
In jedem „Grüß di/Servus!“ weht ja auch ein …
Hauch von Abschied
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