Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Nordkirchen & das eintausendfünfundvierzigste Gedicht

    Schloss Nordkirchen

    Radausflug

    Die Ausflugsflutler cruisen rum
    Und alle Welt ist Eiscafé
    Schnall, Helmut, dir den Kinngurt um!
    Im Winter liegt ja meistens Schnee
    Dann hilft uns die Erfahrung

    Last wirkt froh und munter – Grund:
    Der Lenker pflügt durchs Kunterbunt

    Ich mag dich unter Wahrung
    Des klug ausgefädelten Planungsquadrats
    Im Dehnschmerz des Zuviel-wär-nicht-gut-Spagats
    Vor gut rasiertem Publikum


  • Siegestor & das eintausenddreiundvierzigste Gedicht

    Beleuchtetes Siegestor beim Corso Leopold

    Ripostegedicht auf „Der Rabe“ von Edgar Allen Poe – unter besonderer Berücksichtigung, dass die Hälfte der verwandten Buchstaben dem Wort „R-a-b-e“ bzw. „A-b-e-r“ entstammen.

    Das Aber der Raben

    Aber, sprach der Rabe Abel
    Zu der Räbin Barbara,
    Las grad eben in ’ner Fabel
    Unsre Art wär charterbar
    Für allerlei Schläue- und Schabernacksparten!?
    Offenbar parkt dieser Poe
    Unsre Stärken anderswo –
    Wie sind wir an den argen Leumund geraten?

    Sag an, Babs, was wir verbrachen?
    War wer je so scharf auf Aas,
    Dass man mitten blut’ger Lachen
    Der Kadaver Braten fraß?
    Was wählt Poe da Raben zum Mahner vom Schnitter?
    Na, ahn’s ja: ’s war wieder
    Das schwarze Gefieder
    Klar, mag’s Edgar dark, aber, Allen, wie bitter …

    Derart Warn- und Drohgehabe
    Sind mir fremde Albernheit –
    Trotz‘ ja in Charakterfarbe
    Dem geerbten Federkleid!
    Bei Herrn Barbarossa war ich der Entwarner!
    Arbeiter im Air-Geschwader!
    War gar Part von Odins Kader!
    Per Vers degradiert nun zum Gräberumgarner!?

    Was hat denn dieser Arsch von Poe
    Uns derart anzugehen?!
    Gab’s an Getiere anderswo
    Kein Derberes zu sehen?

    Belege herbei für abnormes Betragen!
    Braver Gatte, der ich war
    Wie der Brabbelblagenschar
    Wunderbarer Vater!
    Darf nach aller Gram und Marter
    Eines Rabenelternpaars
    Auch im Namen Barbaras
    Derer ich apart erfragen?!

    Aber erwarte da besser ma‘ gar nix, Babs!
    Außer Metapherblablakram-Gelaber!

    Raben, die an raren Gaben
    Mehr als andere erwarben
    Bleibt nur auf der Erde Ball
    Zu bestehen, überall:
    Als poe-sitives Aber


  • Flakturm III & das eintausendzweiundvierzigste Gedicht

    Flakturm III im Humboldthain am Gesundbrunnen

    Letztes Geleit

    Für einen Hauch von Linderung
    Dünkt’s mich, ein Heer zu geben
    Und wär‘ auch diese Minderung
    Mein letzter Gruß ans Leben

    Die Krume eines vollen Tags
    Soll meinen Sarg bedecken
    Danach mag jeder, der noch mag
    Mir meine Füße lecken


  • Mauerpark & das eintausendeinundvierzigste Gedicht

    Mauerpark Prenzlauer Berg

    Im Mauerpark

    Die Mauer ist weg
    Und ein Park war’s noch nie
    Als „Ditt is’ma typisch Balin!“-Utopie
    Dient dies Hier nur dem Zweck
    Eurer Eifer-Verklappung
    In zichtenverstummelter Karstüberlappung
    Des Kronenkorkenwonderlands
    Und manchmal spielen hier auch Bands!

    Man ist der Frage vom „Warum?“
    Ein gut gelauntes Publikum
    Und zeigt per Selfie seinen Will’n
    Im Restgras mächtig abzuchill’n
    ‚was später kommen noch some friends
    Und manchmal spielen hier auch Bands!

    Ganz schocklos wird da abgekifft
    Sehr locker hier, was das betrifft!
    Oft hockt hier DJ-Prominenz!
    Und manchmal legt von denen noch wer sein Set auf …


  • Ruhrauen & das eintausendvierzigste Gedicht

    Essen Steele Ruhrauen

    Ein weiterer Song vom kommenden dreizehnten Marilyn’s Army Album „Zeit zu schrei’n“.

    The End of the World as we know it

    Das Ende der ganzen Geschichte
    Ist jetzt schon verdorb’n
    Erst stehen wir knietief im Hoffen
    Und dann wird gestorb’n
    Der Mut strahlt dir aus dem Gesichte
    Dass alles sich fügt
    Und er lügt, das Ergebnis sei offen
    Na, weil er halt lügt

    Und ist auch noch gar nicht gescheh’n
    Is the End of the World as we know it…..
    Von hier aus zu seh’n

    Und können wir’s auch noch nicht versteh’n
    Is the End of the World as we know it…..
    Von hier aus zu seh’n

    Das Ende der ganzen Geschichte
    Stand immer schon fest
    Das drunter und drüber Ermuntern
    War nur so ein Test
    Du säuselst dein „Gut, ich verzichte!“
    Als hätt’st du die Wahl
    Magst dich dafür selbst zwar bewundern
    Doch bleibt es egal

    Und ist auch noch gar nicht gescheh’n
    Is the End of the World as we know it…..
    Von hier aus zu seh’n

    Und das Ende der ganzen Geschichte
    Ist war immer verdorb’n
    Wir standen fast knietief im Hoffen
    Doch dann wurd‘ gestorb’n
    Der Mut strahlt dir aus dem Gerippe
    Dass alles sich fügt
    Als Teil dieser lügenden Sippe
    Na, weil er halt lügt

    Und ist auch noch gar nicht gescheh’n
    Is the End of the World as we know it…..
    Von hier aus zu seh’n


  • Steele-West & das eintausendneununddreißigste Gedicht

    Am S-Bahnhof Steele-West

    Temperament/tur

    An dem wackligen Punkt zwischen Simmern und Sieden
    Ist schon so viel verheizt und noch gar nichts entschieden

    Doch alles rüstet sich zum Kampf
    Drängt auch dich zur Position:
    Wo beziehst du die Bastion?
    Willst du Eis sein? Oder Dampf?


  • Grenswerk & das eintausenddreiunddreißigste Gedicht

    Venlo Grenswerk in der Peperstraat

    Sonnenkrieger

    Und wieder rinnt die Wirklichkeit
    Durch meine tauben Finger
    Als sei ihre Zeit nun endgültig vorbei
    Als gäb‘ es längst heißere Dinger

    Doch schwör‘ ich nicht der Frischluft ab
    Für eigene vier Wände
    Reich‘ unberechenbarer Kraft
    Die frisch geleerten Hände

    Wo Wurzelwerk mein Salz aussaugt
    Und mich Sturzbäche Regen begießen
    Werd‘ ich, wenn sich die Welt abschafft
    Die Restspur des Sommers genießen


  • Gipfelnähe & das eintausendzwanzigste Gedicht

    Schafe auf dem Weg zur Hochjoch-Hospiz

    Drang & Sturm

    Ja, das ist die Höhe!
    Die wollt’st du besingen!
    Dann kam eine Böe
    Und kurz darauf hingen
    Vier blutende Glieder
    An Felsenvorsprüngen

    Ich sag’s immer wieder:
    Man darf’s nicht erzwingen!


  • Vent & das eintausendachtzehnte Gedicht

    Ewiger Schneerest in der Rofenschlucht

    Ripostegedicht auf „Ein alter Tibetteppich“ von Else Lasker-Schüler

    Der neue Balkanlaminat

    Die Paneel’n, auf den’n wir liebend uns bahren,
    Sind wilde Laminatbulgaren,

    Die polnische Schwarzarbeit emsig verband
    Mit der räudigen Note vom Billiglohnland.

    Unsre fugenversunkenen Körper saugt auf
    Jener holzimitatige Maserverlauf.

    Süßer Lamisohn auf Sockelleistenklammerthron,
    Ob nun Kunststoff uns federt oder Holz – hey, was soll’s?!
    Wenn Plank‘ an Planke ein Bund uns verknüpft?
    (Und auch versiegelt ist er schon!)


  • Blutmonderinnerung & das eintausendsechzehnte Gedicht

    Blundmondnacht auf dem Olympiaberg

    Dir & denen

    Gerade den Nächsten enthältst du
    Die Rücksicht, Geduld und auch Lob?
    Was denkst du, wer dich in der Welt hier
    Zu dem, was du sein willst, erhob?
    Schon seh ich dich grübeln – Kerl, sag, was erwägst denn?!
    Erspar dir das Rechnen – und auch deinen Nächsten!


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


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