Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Japan strahlt, dann ist man’s über,
Manches darbt und viel ist drüber,
So viel Feinheit, doch auch Grobes,
Kritisch bleiben, voll des Lobes,
Fremd wird manche Tiefe bleiben,
Höhenangst vorm Zu-Doll-Treiben.
Und umfassend bricht Vieles alle Rekorde,
Unfassbar klein ist die Panik der Horde.
Und ja, am Ende war es der Strand,
Der mich mit dem Land verband.
Ich kam vom entferntesten Sonstwo hierher
Und doch bloß getrennt durch das einende Meer.
Bin ganz ohne Arg unter die Wölfe gegangen,
Von denen mich Zwölfe vom Sarg aus ansprangen.
Gegen Vierenundzwanzig musst ich mich noch wehren,
Mit Sechsenunddreißig mich schließlich vermehren.
Von Achtenundvierzig hab ich’s Heulen gelernt
Und mit Sechzig den Rest meines Menschseins verlernt.
Wie Wölfe, kommt so viel Veränd’rung im Dutzend
Und wird dich aus Angst und Bequemlichkeit catchen.
Nur will ich, das niemals Bestellte doch nutzend,
Zumindest meine Zähne fletschen …
Ich kenn diese Stadt aus dem Song von The Cure
Und in tempelumsäumter Pracht fragt es mich nur:
Wo versteckt sich hier wohl der vermisste Refrain
Im vom Overtourism verworr’nen Gemeng?
Hier legen sich immer die Dichterlein ab
Und lauern auf Eingeberei.
Die Eiche schweigt, dass „ich grad nichts für dich hab,
Komm morgen gern wieder vorbei!“
Insgeheim weiß ich, dass in ihrer Rinde,
Wenn ich nur tief genug schab‘, etwas finde.
Doch ehe ich sie und auch mich damit schinde,
Belasse ich’s heute beim puren Belegen,
Betrachte die Nichtschreiberei als ’nen Segen.
Ihr zweifelt? Nun, glaubt mir, ich weiß schon weswegen.
Denn ich komm‘ nicht nur morgen, sondern immer vorbei
Und mein Restwortschatz nimmt stetig ab
Im Zaum jener Zügel der Eingeberei,
An der ich mich abmüh‘ und lab‘.
Die Begabung meines Deutschlandtickets
Bewahrt mich beharrlich in der Illusion,
Ich wäre ein tief in den Kosmos geschicktes
Versprechen. Dass nur Zufall ist, dass ich hier wohn‘,
Wo ich Tag für Tag allzusehr stoisch verweile –
Denn ich strotze vor Ausweg (an dem ich noch feile)!
Ich bin für die Welt – und die Welt für mich – offen.
Aber heut in der Enge des Gleichklangs ersoffen …
An diesem Ort könnt ich ein Leben verbringen,
Doch hab nicht mal dreißig Prozent.
Ich würd die Idylle auch lautstark besingen –
Doch finde hierzu keine Band.
Was man alles erlernt,
Eh man sich dann entfernt?!
Es befleckt die Erfahrung mit Inflation.
Denn je glatter ich sowas wie Leben verstehe,
Desto mehr schwillt der Unterton, dass ich vergehe –
Bin sinnlos der Rohheit entfloh’n.