Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Mein Körper orientiert sich jetzt auch Richtung Sterben
Und fort vom „Weiter wie bisher …“
Durchbrummt von ’nem inneren Blätterverfärben
Stimmt er mich nun ein aufs „Na, geht halt nicht mehr!“
Doch die Müdigkeit in mir scheint plötzlich so richtig
Und Zukunft an sich mal so gar nicht mehr wichtig
Mein alter Eifer grölt verzerrt
Und schmückt bloß der Endlichkeit ewigen Wert
Stille ist Zeit, die sich fast nicht bewegt
Nur mit flachem Atem gütig hinabschaut
Derweil sich da draußen die Welt selbst zersägt
Und der Spänegeruch wie durch Zärtlichkeit abflaut
Ripostegedicht zu Ricarda Huchs an ihren Jugendschwarm und Cousin Richard gerichtetes „Liebesgedicht“ (Geschwister sind sich alle schönen Dinge).
Never trust a Lovepoem
Cousiniert sind sich alle Dinge, die schön sind
Das verstimmte schon früh manch Instrument
Weil man sich für das Aneinandergewöhn’n, Kind
Schon vom Start weg zu gut kennt
Ein Notenblatt bewahrt sich nur seine Verheißung
Wenn dessen Lied bleibt ungespielt
Beschau Dir die Noten, doch bau keinen Scheiß, Jung
Wenn sich wer per Reim als Geheimnis empfiehlt
Es gibt Dinge, die lassen sich nicht wiederholen
Es gibt Dinge, die bleiben für immer gestohlen
Es gibt Dinge, die lernen sich nur über Narben
Du darfst dies und alles – auch unbegrenzt – haben
Mir bleibt nicht die Zeit, diese Tat zu vollbringen
Schon liegt sie neben meiner Hand
Und die Extremitäten, die einst sich verfingen
Sind längst im Furor ihres Willens verbrannt
Nun hält sich die Ebbe der Unaufgeregtheit
In den Knöcheln zerschmelzt das Gelenk
Es scheue euch nicht, die ihr noch unentwegt seid
Dass ich all der Zeit als „vergangen“ gedenk
Einen Plan aus den alternden Händen zu geben
Gemahnt mich an die beendeten Leben
Denen ich den Respekt einst aus Habgier versagt
Was mir als dem Nächsten nun nicht mehr behagt
Dies Endlich-an-der-Reihe-Sein
Es reiht sich einer Serie ein
Von neuer Glut auf altem Mut
Durch Zeit, die bald verloren tut
Über allen Schienen
Ist Ruh,
Und in bemoosten Fahrkabinen
Ahnest du
Schlummern Fahrtwindturbulenzen.
Alle Statik
Starrt und knarrt
Dir und uns den Riesenrat:
Jeder stößt an seine Grenzen.
Vor dem Tore: Kassenhäuschen.
Die warten schon lange
Auf Wärter und Schlange
Und wundern sich: Kerl, wat’n krasset Päuschen!
Hier liegt
Des Vergnügens Mumie
Zu Ruinen aufgebahrt;
Die Dinos verrotten im Walde.