Tandhaft
Es sind Haltestangen für Pferde
– auch wenn ich selbst nie eine nutzte –
So wichtig für unsere Erde
Als ein Tand, der sein Dasein ertrutzte
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten
Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!

Tandhaft
Es sind Haltestangen für Pferde
– auch wenn ich selbst nie eine nutzte –
So wichtig für unsere Erde
Als ein Tand, der sein Dasein ertrutzte

Johannesburg
Hier landete vor vierzig Jahren
Oma Grete – so gut vorbereitet
Dass mir war, in Johannesburg
Sei sie wohl mehrfach gewesen
Und in ihrem Erfahren
Erfuhr auch ich mit
Was ich später an Fehlern machte
Mit manchem unbedachten Schritt
Befahl ein stummer Dramaturg
Doch was mich in Wahrheit geleitet
An die irrigsten Ränder
Exotischer Länder
Hatte Oma für mich schon gelesen

Schon hat sich etwas Kühle in
Schon hat sich etwas Kühle in
Den Sommerwind gelegt
Dem trotzt wie ich mich fühle – bin
Von Hoffnung untentwegt
Doch was sich da verschoben, es
Dringt niemals so zurück
Und unbemerkt verwoben, nes-
Telt Irrtum um mein Glück
So lasse ich auch gehen, was
Zu halten ich vermocht
Es ist das Neuentstehen das,
Wofür ich immer focht

Der Müllsammler
Dieser Schuh wäre noch zu gebrauchen in anders geordneter Welt
Es schmettert der Sinnöden Fauchen, wenn’s feintaktig Ambosse prellt
Die Äcker für schlechtes Gewissen sind unakrobatisch bestellt
In die Böschungen wird nicht gebissen, nur gesinnungsharmonisch gebellt
Hier könnt‘ sich ein Mögliches spannen über Sterne, Himmel und Zelt
Doch ohne Tat zieht es von dannen – ich bin’s, der sich zu ihm gesellt!
Ich hege mein Abseits wie andre ihr Geld
So kann ich in Reichtümern tauchen
Als wäre in anders geordneter Welt
Ein solcher Schuh noch zu gebrauchen

Ende der Saison
Nun hat der See sich abgekühlt
Der mich fast ein Halbjahr verführt
Dass ich wie im Wahn seine Wasser durchwühlt
Ab heute wir nur noch gerührt

Gliederfüßer
Den Krabben, die über die Uferbank krabbeln
Schäumt ein schillernder Blasenbehang von der Schnüss
Der gleicht jenem nach einen Lungendürchschüss
Ins kehlige Gürgeln versandenden Brabbeln
Wenn ich durch Mund und Nase schlürf
Bin ich ein Tier mit Blasenwürf?
Vielleicht auch am Verbluten?
Das lässt sich nur vermuten

Verona
Ganz oben ruht stolz wie in Sänften gemauert
Das Rudel der Scaliger Hunde
Ich stürz durch die Piazzas wie aufsaugetoll
Tauch auch in arenige Runde
Was sonst so vom Ewig das Jetzt überdauert‘
Kann schwerlich ein Tag ganz erzählen
Da gilt’s zum Passieren von Speicher und Zoll
Den prägendsten Ausschnitt zu wählen

Die aufgegebene Fabrik
Die aufgegebene Fabrik
Flüstert immer noch Worte wie Kapazität
Auslastungsgrad oder Marktpotential
All die Willenskraft schwebt im Jahrhundertaspik
Und gerät in die Strömung vom Nu-is-egal
Des Gebäudes Geschichte ist längstens geschrieben
Und ein Mörtelstrang ragt aus der Wandnostalgie
Die Arbeit ward aus den Maschinen vertrieben
Und harrt auf den Neustart – ich wüsste nicht wie
Geschulterte Vermächtnisse
Ruh’n in unsteten Schreinen der Handlangerei
Untradiert über ein Handmanual
Doch die Fertigkeit stummer Gedächtnisse wiegt
Nur im Hain alter Mauern noch resthaft real
Wie den Eifer und Schliff noch im Guten vergeuden?
Allen Unterschied, den bald schon niemand mehr merkt?
Du wirkst für die Aura von toten Gebäuden
Und wirst von den Damalssekunden gestärkt

Radlergedanken
Das Sirren meiner Fahrradkette
Schmiert die unbeirrte Wette:
Irgendwie wird’s weitergeh’n!
Weiß ich auch, dass ihre Glieder
Immerfort und immer wieder
Immerzu im Kreis sich dreh’n

Für Verbliebene
Dein Grab ist längst schon eingeebnet
Doch das Loch meines Kosmos‘ nicht zu
Ich spüre sein Gähnen noch hinter der Rückwand
Von nicht zu verrückenden Schränken
Und manchmal, da frage ich mehr dich als mich: „Wie-
So ist der Gewürzstreuer leer?“
So lang ist das alles schon her …
Und manchmal, da frage ich mehr mich als die, die
Grad parallel deiner gedenken:
„Verzeihst du ein wenig, wie ich noch zum Glück fand?“
Viel zu friedvoll und ruhig raunst du:
„Mein Grab ist längst schon eingeebnet!“
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