Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Die Ruinen ewiger Bauten, sie schwimmen
Im Strom der Zeit dahin.
Er stiehlt Silhouetten, lässt Highlights verdimmen,
Nimmt dem Festungswall einstigen Sinn.
Einst war hier eine Stadt mit gleichem Namen.
Ich mag nicht nach Kirchtürmen fragen –
Wann die alten verschwanden, wo die neuen herkamen
Und was die Historiker sagen.
Die Vergänglichkeit nagt an uns Kindern geschwinder
Und wir suchen Erlösung in Mauern.
Doch scheppert der Schlussgong nur etwas gelinder,
Denn nichts wird uns lang überdauern.
Am Mythenquai kühle ich Anfang April
Meine Füße fühlbar im See, denn ich will
Die Sonne, die Berge, den Schweiß, die Schweiz halten,
Den Alltag, das Alter und Alldas abspalten.
Zum Speichern der Einmaligkeit
Will ich mich so ermahnen,
Eh Trott, Stress und vertane Zeit
Sich abermals verzahnen.
Alle Rechte bei Lukas Hofstetter, der das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.
Stetig stimmt, dass der Frühling an Tempo gewinnt,
Mit dem Düfte und Farben verblassen,
Dass die längeren Tage die kürzeren sind –
Schon bei Sonnenaufgang uns verlassen.
Verweile Moment, du bist so schön!
Was sich wünschen ließ, muss man nun flehen.
Einst fröhlicher Sang schlurft dahin zum Gestöhn …
Der wärmste Tag im Jahr ist’s nicht
Allein ob der Temperatur.
Er erhellt ein im Finstern verfasstes Gedicht
Und schert aus der Trott-Prozedur.
Der wärmste Tag ist Pionier nach der Kälte
(andre werden ihn bald übertrumpfen).
Wir drohten, als er uns so mildsam erhellte,
Im Frust allen Frosts zu versumpfen!
Schon sitzen wir draußen bei Sommergetränken
Und dreh’n durch Gespräche von neuen Versuchen.
Wir brüten den Eifer, uns Wärmen zu denken,
Die aus Insgeheimen den Winter verfluchen.
All das ist uns gestattet. Und es wird uns bestätigt,
Da Liebmutter Sonne ’nen Blitzbesuch tätigt
Gemäß eines unterschriftslosen Vertrags.
Schon rattern den Ladenschlussblues die Rolladen,
Die andre Geschäfte beschließen.
Ein ehern Gesetz zerrt an Resteskapaden
Und lehrt uns das alte Verdrießen.
Wir frieren verurteilt, die innere Uhr teilt
Uns mit, dass der Frühling noch lang nicht bei uns weilt.
Jeder Ast, Zweig, jedes Blatt wird: Wald
Der Tropfen wird: ein See
Ich glaub dran, dass ihr all das schafft – und falls halt nicht: herrje …
Es braucht kein Mehr an inn’rer Kraft – das wäre Esoterik!
Allein die Wut
Tut richtig gut –
Da werde glatt zum Meer ick!