Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Maßmannpark & das siebenhundertneunzigste Gedicht

    Rodel im Maßmannpark

    Die göttliche Gabe (Auf dem zweiten Blick)

    Schlittenreiter
    Glitten heiter
    Mitten weidlich zugeschneiter
    Kleinsterhebungspotpourris

    „Kleinsterhebungspotpourris?!“

    Ja, ich weiß jetzt grad nicht, wie’s
    Besser sich in Worte zwänge
    Um nicht so banal wie Hänge …!?

    „Ach, egal – sprich bitte weiter!“

    Wie ich sagte: Schlittenreiter …
    (Ich litt Zweifel wie kein Zweiter)
    … Schlittenreiter
    Glitten heiter
    Mitten weidlich zugeschneiter
    Kleinsterhebungspotpourris

    „Gott, so dichten die Genies!“


  • Gendarmenmarkt & das siebenhundertdreiundachtzigste Gedicht

    Die Kugelahorne vom Gendarmenmarkt

    Die Kugelahorne vom Gendarmenmarkt

    Wenn Kugelahornfälldebatten
    manch kluges Naturell beschatten
    Wenn Niedrigäst und Blätternest
    versag’n im Platzverwertungstest
    Wenn Häuptlinge vom Stamme Nimm
    den Stämmen drohen, ist das: schlimm

    Sind Zweigstellen mit Kindchenschema
    wirklich kein Touristenthema?

    Ist das gernegroß-ulkige „Ick bin zufrie’n …“
    nicht sinnbildlich baumelnd für „Ditt is Balin!“?

    Wohlan, ihr Stadtentwicklungstucken
    es gilt in Reue sich zu ducken!
    Ihr sollt bei jedem „be Berlin“
    den Kugelahorn einbezieh’n!
    Und lehrt es auch noch eure Blagen:
    Wer A sägt, muss als B versagen!


  • St. Hedwig & das siebenhunderteinundachtzigste Gedicht

    Dach der St. Hedwigskathedrale

    Den Hintern in Saunen

    Der Backen Schwung, der Backen Schwung
    Der Backen Schwung von alt auf jung
    Verändert den Verlauf
    Mein Blick hausiert, mein Blick hausiert
    Mein Blick hausiert, gefriert, pausiert
    Und hält dann schamlos drauf
    Der Symmetrie, der Symmetrie
    Entsprechen sie bei Phantasie
    Im Dunst der kühlen Schauer
    Das Ideal, das Ideal
    Sinnt Berg und Tal und singt „Egal!“
    Kein Alter ist von Dauer

    Doch das Geschlecht ruft selbstgerecht
    Und massig echt zum Blickgefecht
    Es blökt aus kahlen Lenden
    Allein der Po summt freundlichfroh
    Hat auch vom Show-Wert mehr Niveau
    Im Dunst steht „Bitte wenden!“


  • Quartier 206 & das siebenhundertachtzigste Gedicht

    Quartier 206 Berlin

    Ripostegedicht zum Text „Hohes Gericht“ von Waalkes/Gernhardt/Knorr/Eilert.

    Hohes Gericht 2.0

    Angemahnter,
    Sie werd’n von uns mit Buh!s vertaggt, weil Ihr Post einen Spusi neckt!

    Ich hab den Spusi nicht geneckt, mich hat nur nach Genuss von Sekt
    Wohl ein gewisser Bruce gehackt, der mein Profil mit Schmus befleckt –
    Und das hat dann die Buhs geweckt!

    Sie haben aber in Ihren Kommentaren ganz andere Angaben gemacht!
    Ich zitiere wörtlich:
    „Ich habe grad mit Blues entdeckt, dass jemand meine Muse deckt,
    Sich keck nach ihrem Busen reckt, und innert eines Nus gecheckt,
    dass dahinter mein Spusi steckt!“
    Das wurde doch auch so geliket!?
    Herr Zeuge, können Sie das bestätigen?

    Nee, das ist nur diffus korrekt …
    Ich hatt‘ mich hinter Gnus versteckt und grad meine To-Dos gecheckt,
    Da hat mich was am Fuß geleckt, der sicherlich ganz grus’lig schmeckt…

    Das tut doch überhaupt nichts zur Sache!

    Doch!
    Der allgemeine User checkt ja nicht, was so ein Bruce ausheckt,
    der alle CPU’s verdreckt mit irgendwelchem Fuselsekt!

    Jetzt reicht’s aber!
    Im Namen der Community,
    wenn einer seinen Spusi trackt, dass der an seiner Muse leckt,
    und dann in der’n Geschmuse hackt, dann weil in ihm ein Loser steckt!
    Wenn er jedoch Diffuses swaggt und sanft Beate Uhse weckt,
    Ihn keinesfalls Abstruses schreckt – dann sagen wir zum Gruß: „Korrekt!“
    Wir schauen, wo der Newsfluss leckt und hoffen, dass der Bruce verreckt!
    Wem der Spruch zu konfus, der eckt mit allen andern finster an,
    Das Weit’re dann auf Instagram, das hohe Gericht zieht sich zum Binge Watching zurück,
    Das Urteil lautet: Shitstorm!


  • Fluten & das siebenhundertsiebzigste Gedicht

    Eisbachwellekanal

    WC-Spülungen

    Kaum, dass jemand abgezogen
    Rumpeln durch die Wand die Wogen
    Um mit Hast und dumpfen Brüllen
    Jenen Kasten zu befüllen
    Der der Spülung Masse fasst
    Plus der Wasser Märsche Last

    Horcht! Es schießt aus vollen Rohren
    Ungestüm und ohne End‘!
    Weh! Schon scheint dies Haus verloren
    Wenn den Strom kein Moses trennt!

    Die

    Geister werden mehr und Meer!
    Wer wird nun der Wasser Herr
    Eh die letzten Speicher leer?

    Der-

    Weil der Meister es verschlief
    Dass ich ihn um Hilfe rief
    Steigt der Schwimmer aus dem Tief
    Um den Zufluss vom Abort
    Wo die Wasser sich ergießen –
    Drohend, als sei’s immerfort –
    Ganz allmählich zu verschließen

    Da muss sich der Quell verengen
    Klingt’s, als wenn die Wasser sängen
    Die sich durch den Restspalt zwängen
    Bis ihr Wille abgeebbt
    Von Furor auf Stille zappt

    Ja

    So verfügt unsrer Installateure Verschluss
    Dass alles, alles enden muss!


  • Eisbachwelle & das siebenhundertachtundsechzigste Gedicht

    Eisbachwelle

    Warnung vor der Runde (Die Schöpfer schöner Töne wie der widerlichsten Worte)

    Obacht, die Macher schöner Worte
    Lungern wieder rum vor Orte
    Und die Schöpfer schöner Töne
    Stimmen ein in das Geklöne!

    Sie lauern auf dich arglos Hör’nden
    Hol’n dann aus zum grundverstör’nden
    Tunichtguten Timbreschwall
    Und: Ja, dies ist ein Überfall!
    Met Rumgeballiterationen
    Und Triointerpretationen!

    Spürst du, wie die Terrorzell‘
    Schert sich in dein Trommelfell?
    Kein Flimmerhaar bleibt ungeschor’n
    Beim Spliss bis über beide Ohr’n
    Die zupfen und ziehen, die greifen und beißen
    Die blasen und schlagen, die rupfen und reißen
    Nur genügt’s denen nicht, dich massiv zu rasier’n
    Die woll’n dich mit Klängen lasziv penetrier’n!

    Sie umschwirr’n dich wie zierlichste Cheerleaderchicks
    Und bezirzt von der Zierde stilistischer Tricks
    Zieht’s dich hin zum Geysir ihrer Lautakrobatik
    Verwirrt, irritiert ob der schieren Ekstatik
    Bis sich glockenklar säuselnd
    Und nackenhaarkräuselnd
    Zungenzärtlich Schall ergießt
    Als Wärmeschwall ins Herz zerfließt
    Ein Ohrenmuschelkuschelflaum
    Der flauschig, wie durchhaucht von Schaum
    Vor schierem Glück verzückt tonal
    Dein blümerantes Lendental
    Was dich, wiewohl man’s anders schreibt
    Zu wohligstem Ohrgasmus treibt

    Du bist, mein Kind, so unverdorb’n
    Drum schütze dich und deine Ohr’n!
    Gib dich nie solcher Wollust hin
    Denn Unheil ist des Wohlklangs Sinn!
    Und lauscht du ihm zu unbekümmert
    Wird vom Rausch dein Hirn zertrümmert

    Obacht, die Macher schöner Worte
    Lungern wieder rum vor Orte
    Und die Schöpfer schöner Töne
    Stimmen ein in das Geklöne …
    Nu wirste süffig eingesahnt!

    Nur sag nicht, du wärst nicht gewarnt!


  • Verewigter Stenz & das siebenhunderteinundfünfzigste Gedicht

    Monaco Franze an der Münchner Freiheit

    Hochzeitsgedicht

    Ja,

    ich will mit dir welken
    immer langsamer werden
    statt Pferde nur noch Esel stehl’n
    Auf Wellnessfarm’n mit 66
    die uns verblieb’ne Knete zähl’n

    Würd‘ sogar mit dir walken
    an Nordischen Sticks
    und sorgen dich Falten
    ich seh‘ da doch nix!
    Denn eh wir gänzlich gräulich sind
    sind wir – zwar heuchelnd – farbenblind

    Ich weiß zwar nicht, wie du das siehst
    du rattenscharfes Bräutebiest
    Doch dein Dekolleté ist mir ewig heilig
    und wenn du mir erlaubst, verweil‘ ich
    das mir verblieb’ne Ewigkeitchen
    Wang‘ an Wang‘ an deinem Seitchen
    bis ich tattergreisig im Rollator tapper‘
    mit innerlich fester, nur äußerlich schlapper
    starrsinnsnaher Stetigkeit
    Wir hab’n’s ja eh nicht mehr so weit

    Denn den besten Teil meiner Zeit gab ich dir schon
    nun folgt noch die Treuepunkt-Paybackaktion
    Doch gäb‘ man mir noch mal so’n Leb’n zu verschwenden
    so schenkt‘ ich es dir mit fast gleichvollen Händen
    und
    würd‘ mit dir welken von heute bis morgen
    für jeden Romantisch zwei Stühle besorgen
    würd‘ Wellness und Willkür und Wolken ertragen
    und tät’s selbst in Kirche und Standesamt sagen:

    Lasst den Mond doch mal Mond sein!
    Wat will ick mit Sterne?
    Ich mein‘ das ganz irdisch:
    Ja, hab‘ ditt Girl gerne!
    Sprech‘ den ZugeneigtseinsEid an sich:
    Ick liebe dir /(Strich) liebe dich

    Ich weiß zwar nicht, wie du das siehst
    du rattenscharfes Bräutebiest
    Nur, dass du jetzt vor Scham erglühst
    nicht rot zu werden dich bemühst

    Doch rot ist die Liebe, wie sich nun wieder zeigt
    Auf dass ihre Röte um kein’n Deut erbleicht!

    Mehr Gedichte für Hochzeiten und Geburtstage


  • Hohe Salve & das siebenhundertdreiundvierzigste Gedicht

    An der Hohen Salve

    Ein Plädoyer für die Mittelgebirgswanderung

    Verwahre dich vor hochalpinen
    Rauf- und wieder Runter-Spleenen!

    Wo der Fels noch nackig ist
    Erosion die Grasnaht frisst
    Gibt’s nur:

    Geröll
    Geröll in spe
    Lawinengatter
    etwas Schnee
    geballte Lebensfeindlichkeit
    trostlos grau im Steinschlagkleid

    Denn der Berg, die Abbruchschlampe
    glänzt erst ab der Bauchspeckwampe

    Rück dem Gipfel nie zu nah, Kind
    reicht doch, dass die Berge da sind!

    Deren Schönheit lässt sich loben
    auch von nicht totalweitoben


  • Tor 24, 24 Zeilen & das siebenhundertachtunddreißigste Gedicht

    Weihnachten in der Karibik

    A Christmas Carol

    Umbrandet vom üblichen Weihnachtsgeschwafel
    Sitzt festlich gewandet der Bub an der Tafel
    Unverwandt im Bann des Drangs
    Das Ziel des Stilles-Örtchen-Gangs
    Zum Anlass zu nehmen, mal online zu gehen

    „Mensch, kannst du dem nicht einmal heut widerstehen?!“
    Mahnt der Geist der Weihnacht der Gegenwart
    Der diesen Schritt zu überlegen erbat
    Weil die Zeit, die man sich fürs „Schnell Mails checken!“ borgt
    Den Rest der Gesellschaft beschämt und besorgt

    „Du fühltest als Kind doch“, ergänzt nun der Geist
    Der vergangenen Weihnacht, „dich fast wie verwaist
    Wenn zum Fest nicht mit Ernst und mit Aufmerksamkeit
    (und natürlich Geschenken!) bespickt war die Zeit!
    Zahlst du nun die Gänze vom kindlichen Glück
    In knapp portionierten Momenten zurück?!“

    Und der für die Zukunft zuständige Geist
    Zeigt, was das für kommende Weihnachten heißt:
    „Da zahlst du dann für virtuelle Zeit
    Mit sehr realer Einsamkeit!
    Und mailst nur noch per send & bounce
    Mit Werbebots und Fake Accounts!“

    Da grimmt der Bub nicht mehr länger der Tafel
    Und stimmt mit ein in das Geschwafel …


  • Tor 22 & das siebenhundertsechsunddreißigste Gedicht

    Märchenwelt der Linzer Grottenbahn

    Im Friedrichshainer Märchenbrunnen, restauriert

    Hier, zu Hufen von vier Hirschen
    im Rondell mit andren Tierschen
    küssen sich d‘ Liebespärschen
    und erzähl’n sich wieder Märschen
    Turteln sich was zwischen niedlischen Putten
    glauben sich das, zwitschern friedlisch vom gutten
    Gefühl, das zwischen ihnen herrscht
    Ob davon auch der Hirsch was merscht?

    Da steht der drüber, liegend zwar
    links, rechts – als je entzweites Paar
    das keines Blickes würdigt sich
    im Abgewandtsein brüderlich

    Doch wer sieht auch die Hirsche? Man kommt ja hierher
    um d‘ Putten zu gucken, zu rätseln, welch Mär-
    chen sich hinter jedweder sandsteingefestigt
    verbirgt und verbürgt, dass das Happy End mächtig
    ist und techtelmechtig bleibt
    Egal, was sie und ihn noch treibt

    Nur: panta rhei – hier in Kaskaden
    Wer alles will, der nimmt auch Schaden
    Die Hirsche wird’s nicht interessier’n
    die musst‘ man auch nicht restaurier’n


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