Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Auer Dult & das eintausendneunundvierzigste Gedicht

    Auf dem Auer Dult

    Zwischen Schalen

    Unter den Kartoffelschalen
    Finden keine Schönheitswahlen
    Statt
    Wiewohl unter Schalentieren
    Diesbezüglich Dates kursieren
    (Datum – Uhrzeit – Stadt)
    Auch unter Kartoffelkäfern
    (Die ich plante einzuschläfern!)
    Wird verdruckst gemunkelt
    Warum man wohl Landgaststätten
    Die normal geschlossen hätten
    Nachmittags verdunkelt
    Kurz zuvor gefiel’s manch Kerfen
    Schick in Schale sich zu werfen
    Und man fragt: Warum?

    Nun, in der Gerüchteküche
    Gehen nicht nur Wohlgerüche
    Um
    Mitten schaler Nachgeschmäcker
    Schreit wohl bald schon ein Entdecker
    Der’s enthüllet hat:
    Sehr wohl finden Schönheitswahlen
    Unter den Kartoffelschalen
    Statt!

    Nur ich kann beim Kartoffelschälen
    Nicht zwischen schön und hässlich wählen
    Lass zahllose Schalen vom Abfall verwalten
    Werd nur eine Schale Kartoffeln behalten


  • Mauerpark & das eintausendeinundvierzigste Gedicht

    Mauerpark Prenzlauer Berg

    Im Mauerpark

    Die Mauer ist weg
    Und ein Park war’s noch nie
    Als „Ditt is’ma typisch Balin!“-Utopie
    Dient dies Hier nur dem Zweck
    Eurer Eifer-Verklappung
    In zichtenverstummelter Karstüberlappung
    Des Kronenkorkenwonderlands
    Und manchmal spielen hier auch Bands!

    Man ist der Frage vom „Warum?“
    Ein gut gelauntes Publikum
    Und zeigt per Selfie seinen Will’n
    Im Restgras mächtig abzuchill’n
    ‚was später kommen noch some friends
    Und manchmal spielen hier auch Bands!

    Ganz schocklos wird da abgekifft
    Sehr locker hier, was das betrifft!
    Oft hockt hier DJ-Prominenz!
    Und manchmal legt von denen noch wer sein Set auf …


  • Hochofen 5 & das eintausendsechsunddreißigste Gedicht

    Landschaftspark Nord Hochofen 5

    Hochofen 5

    Beeindruckt
    Guckt
    Man
    An
    Und dann
    Lässt man sich erklären
    Was die Sachen wären
    Und was sie gewesen
    (Führer sehr belesen!)
    Zahlen
    Prahlen
    Unvorstellbar
    „So wird’s nie mehr sein!“, wird schnell klar
    All den von alten Fakten
    Gepackten
    „Intressant!“
    „Allerhand.“
    Man versteht

    Und geht


  • Hochjoch-Hospiz & das eintausendneunzehnte Gedicht

    Auf dem Weg zur Hochjoch-Hospiz

    Im Whiteout

    Nachdem der Himmel beschloss, sich einzuweißen
    Schien der Erdgeschosshorizont in ihn zu gleißen
    Und die Unendlichkeit rückte näher

    Im Unerreichtsein schlief die Welt wie verwunden
    Nur Gesichtsloses ward miteinander verbunden
    Und die Unendlichkeit drückte zäher

    Bis zu dem Punkt, wo alles Weiß / nicht Zustand, sondern Schicksal ist
    Und jedes Ziel zum Gegenschlag / mit ungestümen Willen frisst

    Kein Weg, der sich zur Richtung zieht
    Beregelt dieses Nicht-Gebiet

    Ein eisiger Wind kristallt: „Lebensgefahr!“
    Es entschwebt alle Regung
    So haltlos
    So bar


  • Spurenelemente & das eintausendzwölfte Gedicht

    Im Giardino Giusti

    Im Giardino Giusti

    Im Wuchs
    Der Buchs-
    Baumhecken
    Entdecken sich, verstecken-
    Derweise,
    Sehr, sehr leise -:
    Zwei ungemischte Paare,
    Die je das Andere finden
    Zum zärtlich sich Verbinden
    (Man weiß nun: nicht auf Jahre)

    In mancher Gärten Lauschigkeit
    Verzehrt’s uns nach dem Rausch zu zweit

    Und vieles wird zu Spuren
    Von abgelauf’nen Uhren


  • Castello Scaligero & das eintausendneunte Gedicht

    Skaligerburg in Malcesine am Gardasse

    In der Fledermauskolonie

    Ja, öl‘ dir die Flughaut, mein Pappenheimwicht!
    Nein, ein Schwarm muss nicht intelligent sein!
    Allein die Geflogenheit ist unsre Pflicht
    Und das ultraschallhell In-die-Luft-Schrei’n

    Ich kann dir beim Kopfüberhängen berichten
    Von Ausschwärmerei, dass die Sinne sich lichten –
    Im Klammheimcode, den niemands Echolot knackt!
    Wie du weißt, ruht der Schlafverband nie …
    Und der Höhlenguano, der sich aus ihm kackt
    Bleibt zwingende Philosophie!

    Als ein Säugetier, dem man die Flugkunst geschenkt
    Überlege dir stets, wessen Gunst dich bedrängt
    Und öle die Flughaut vor deinem Anheimfall!
    Enge darf nur der Aufwärmung gelten!
    Misstrau‘ auch dem Platz, unter dem ich mich festkrall‘!
    Denn selbstloser Ratschlag ist selten


  • Giardino Giusti & das eintausendsiebte Gedicht

    Im Giardino Giusti

    Die Kameseilie

    Von der Einsicht, die Welt würde immer vorangeh’n
    Sah ich vier Kadaver versinken
    Man konnte ein Leben ihn’n wirklich nicht anseh’n
    Doch träum‘ ich seither vom Ertrinken
    Meine Sorge um sie
    Führt des Nachts die Regie
    Und obschon auch mein Bett Traulichkeiten umsteh’n
    Seh‘ ich um sie Blaulichter blinken

    Von dem Mantra, der Fortschritt schlüg‘ goldene Routen
    Sah ich drei Metalle verblassen
    Schon wollt‘ ich dem Kelch kein Getränk mehr zumuten
    Erschrocken von gültigen Massen
    So als ging’s Stück um Stück
    Auch schon wieder zurück
    Doch waren nicht wir hier und immer die Guten?
    Wer könnte grad uns ernsthaft hassen?

    Aus dem Glaube, der Drall läs‘ sich aus den Geboten
    Sah ich, wie zwei Seiten sich lösten
    Wie läppisch sprach sich das Gedenken der Toten
    Bevor sie den Schlachtplan entblößten

    Aber eins sah ich noch
    Das verhinderte doch
    Dass wir mit der Anderen Dämm’rung verrohten

    Da wir in die Schlusssequenz dösten


  • Castel San Pietro & das eintausendvierte Gedicht

    Blick auf Castel San Pietro

    Die aufgegebene Fabrik

    Die aufgegebene Fabrik
    Flüstert immer noch Worte wie Kapazität
    Auslastungsgrad oder Marktpotential
    All die Willenskraft schwebt im Jahrhundertaspik
    Und gerät in die Strömung vom Nu-is-egal

    Des Gebäudes Geschichte ist längstens geschrieben
    Und ein Mörtelstrang ragt aus der Wandnostalgie
    Die Arbeit ward aus den Maschinen vertrieben
    Und harrt auf den Neustart – ich wüsste nicht wie

    Geschulterte Vermächtnisse
    Ruh’n in unsteten Schreinen der Handlangerei
    Untradiert über ein Handmanual
    Doch die Fertigkeit stummer Gedächtnisse wiegt
    Nur im Hain alter Mauern noch resthaft real

    Wie den Eifer und Schliff noch im Guten vergeuden?
    Allen Unterschied, den bald schon niemand mehr merkt?
    Du wirkst für die Aura von toten Gebäuden
    Und wirst von den Damalssekunden gestärkt


  • London revisited & das neunhundertvierundneunzigste Gedicht

    In der Tate Modern

    Todschick

    An der Schwelle zum Alter empfing mich der Tod
    Mit „Kann ich Ihnen behilflich sein?“
    In der Fremde oft schnell in Erklärungsnot
    Gelang mir zur Antwort ein griffiges „Nein,
    Ich schaue mich vorerst hier nur etwas um.“
    (Und brauch dazu kein Publikum!)

    „Aber gerne!“, entgegnete denkbar devot
    Und von Dienstleistungseifer beseelt
    Der fortan nicht mehr von mir weichende Tod
    „Sie melden sich, wenn Ihnen irgendwas fehlt?
    Wir hab’n jede Krankheit von Krebs bis Katarrh
    Auch noch in andren Größen da!

    Und ich weiß ja, man zögert es gerne heraus
    Auch Ernsthaftes mal zu ertragen
    Doch schlussendlich ist’s ja für viele im Haus
    Die letzte Chance etwas zu wagen!
    Das Leben ist kurz – heißt das elfte Gebot!“
    Bekräftigte nochmals wie freundlich der Tod

    Und obschon ich ihn anfangs mit Argwohn beäugt
    Fühlt‘ ich mich auch etwas geborgen
    Er hat schon Millionen von sich überzeugt
    Und erlöst von der Last aller Sorgen

    Also ging ich zur Probe
    In seine Garderobe
    Nahm mir das nächste Stück und fand
    Dass dieses mir schon prächtig stand
    Wie jedes Stück der Kollektion –
    Das ist vielleicht des Alters Lohn

    An der Schwelle zum Alter empfing mich der Tod
    Und machte mir ein Angebot
    Mir war bis dato gar nicht klar
    Wie nahe ich ihm da schon war


  • Davos revisited & das neunhunderteinundachtzigste Gedicht

    Davos Parsenn

    Das Hoch

    Noch brennt uns der Sommer ins Narkosement
    Doch wir können das Wetter nicht halten
    Nur loses Gewölk bandagiert den Verstand
    Der Blick in die Sonne wirft Falten

    Es sei unsre Welt seit Äonen geheilt
    Heißt feist uns der Trägheit Versprechen
    Der Nachschub wird uns in den Mund abgeseilt
    Wen scheren da künft’ge Gebrechen?

    Noch dümpelt der Zweifel von nirgendwo her
    Es zerdrückt ihn die Schwere der Hitze
    Wir fläzen uns bäuchlings zum Durchgangsverkehr
    Verarbeiten all das Geschwitze

    Die Sonne brennt uns in narkotisches Glück
    Als vergäße die Welt sich zu drehen
    Die Temperatur findet immer zurück
    Und bleibt gern an Nullpunkten stehen


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