Enttäuschung
Ich wollt irgendwann mal an der Zugspitze steh’n –
Und nun kann man hier nirgends ’n Lokführer seh’n!
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten
Naturgedichte, die zwischen Berg und Tal spielen.

Enttäuschung
Ich wollt irgendwann mal an der Zugspitze steh’n –
Und nun kann man hier nirgends ’n Lokführer seh’n!

Leibesfrucht und Schluchtbreite (Partnerschaft trotz Partnachklamm)
Ich hatt‘ mein Heim in einer Klamm.
Dort zwängt‘ ich mich in ’ne Madame,
Die ich klammheimlich schwängerte.
Was ihr die Schlucht verengerte.

Die Riskante zu Krumau
Es lässt der Lauf der krummen Auen
Sich Gottseidank nie ganz umschauen.
Belächelt von dem weltlich raren,
Gänzlich Unberechenbaren,
Musst du den Mut zu Wasser lassen.
Man schwimmt im Unberechenbaren
Über Schlünde von Gefahren,
Die unablässig nach dir fassen.
Warum soll ich, wirst du mich fragen,
Den Sprung ins krumme Nass dann wagen?
Nun. Das ist eigentlich fast zu einfach.
Weil im Mainstream nie ‚was Brillantes entsteht,
Wenn das Wasser dir nicht bis zur Riskante steht.

Der alte Fluss
Nun, mir scheint, du bist noch einmal träger geworden
Und ich denke, ich kann das versteh’n.
Nach oben ist Süden und unten ist Norden,
So lang sie die Karte nicht dreh’n.
Aber neuerdings schreit es, man müsse entscheiden,
Ob dein Süden sich richtig verhält.
Für irgendwen nimmst du klammheimlich Partei, wenn
Du sagst, das sei nicht deine Welt.
Du kannst nicht einfach durch zwischen Osten und Westen,
Weil du meinst, das seist du so gewohnt.
Die halten sich nicht nur zum Spaß für die Besten.
Man hat dich sehr lang schon geschont.
Und nun hast du den Drive für die Ufer verloren
Und du hoffst, man wird dich überseh’n,
Wenn Irrtumsimmune nach neuem Plan bohren.
Ich denke, ich kann das versteh’n.

Wegen, wegen, Wegen! (Die Goethe-Ruh am Rochusberg)
Nur wegen Goethe flöte ich,
Der Klötgen Frank (auch: Klöterich),
Auf dem allerletzten Loch –
Und doch die Roch-
Uskapelle hat der Mühen gelohnt
(ich bin nur solch Fußwege nicht mehr gewohnt)!
Mit dem Kirchlein an sich hat es gar nichts zu tun (ich
Find’s weder verwegen, noch richtig ruinig),
Denn es hat ja seit meiner schöngeistigen Häutung
Das Geistliche (meist) für mich keine Bedeutung.
Doch durch des Kreuzwegs Schatten schleich ich
Mich lichtungswärts ins wahre Reich, ich
Hocke müd mich hin im Schauen
Auf die Rüdesheimer Auen.
Und in des Rheins und Weines Weiten …
Da stapeln sich Erhabenheiten.
In solcher Natur wähne ich meinen Segen.
Und bleib‘ auf der Spur von mir ähnlichen Wegen.

Im Binger Loch
Heut dring’mer noch
Ins Binger Loch
Erst Nahe und dann Rhein!
Der Mäuseturm,
Den Boys ihr Wurm
Sind Mitglied im Verein!
Kaum will sich wer beschwer’n, gefällt’s
Sogar der Festung Ehrenfels!
Gen Bingen bringt der Flüsse Schwung
Ergüsse und Vereinigung!
Auch als der Rhein noch stinkig roch,
Kroch er hinein ins Binger Loch!

Abstieg ins Nichts
Ein wenig Gipfel nur
Als reichweit zu spüren –
Das hätte als Spur
Mir bei Weitem gereicht.
Doch auf Wegen, die stur
Ins Tal hinab führen,
Verschluckt mich die Flur
Schon, erbarmungslos seicht.

Mein Hier (Auf der hohen Promenade zu Davos)
Die hohe Promenade ist mein
Saft’ges Winterwonderland –
Hier atme ich des Winters Kraft ein
Und trag Schühchen an der Händ.
Unterm watt’gen Schneestapf schlummert
All die Hast und Last auf Erden,
Und mein schwaches Herzchen wummert
So, als wollt’s noch achtzig werden!
Von den Tannenspitzen rieseln
Eichenkätzchen, hochpossierlich!
Sänftwärts schwebt hinweg mein Kriseln –
Gänzlich tänzelnd latscht’s mich hierlich!

Drang & Sturm
Ja, das ist die Höhe!
Die wollt’st du besingen!
Dann kam eine Böe
Und kurz darauf hingen
Vier blutende Glieder
An Felsenvorsprüngen
Ich sag’s immer wieder:
Man darf’s nicht erzwingen!

Im Whiteout
Nachdem der Himmel beschloss, sich einzuweißen
Schien der Erdgeschosshorizont in ihn zu gleißen
Und die Unendlichkeit rückte näher
Im Unerreichtsein schlief die Welt wie verwunden
Nur Gesichtsloses ward miteinander verbunden
Und die Unendlichkeit drückte zäher
Bis zu dem Punkt, wo alles Weiß / nicht Zustand, sondern Schicksal ist
Und jedes Ziel zum Gegenschlag / mit ungestümen Willen frisst
Kein Weg, der sich zur Richtung zieht
Beregelt dieses Nicht-Gebiet
Ein eisiger Wind kristallt: „Lebensgefahr!“
Es entschwebt alle Regung
So haltlos
So bar
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