Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Alter, Tod & Abschied

Gedichte über das Älterwerden, den Lebensabend, Krankheiten. Und den Tod.


  • Auf Moorrunde & das zweitausendvierhunderteinundneunzigste Gedicht

    Umgebung Morwege rund ums Kloster Benediktbeuern

    Noch

    Ich sehe noch so viele Tiefen der Welt,
    Die wehren sich meiner Erkenntnis!
    Längst habe ich weniger Zeit noch als Geld –
    Egal, wie erfolglos die Band is‘.

    Wenn möglich, würd ich von Natur noch begreifen:
    Den Herzschlag, den Rhythmus, den Kreis.
    Doch kann alle Weisheit noch bestenfalls streifen –
    Ein Weder/Noch ist’s, was ich weiß!


  • Gleitfliegerschlaf & das zweitausendvierhunderteinundachtzigste Gedicht

    Fliegender Lemur (Galeopterus variegatus)

    Heimrück(en)kehrersorgen (Reprise zum Gedicht „Sarawak“)

    So war ich denn – nach dreißig Jahr’n –
    In Sabah und in Sarawak.
    Sollt‘ ich noch mal so fleißig spar’n,
    Kehr‘ ich zurück als Sabberwrack.
    Oder ist’s für mich als Menschgerät
    Nicht sehr viel früher schon zu spät?

    Ach, über den Plänen großer Reisen
    Wähn ich längst die Geier kreisen!
    Wie viele der säumig gebliebenen Fahrten
    Darf ich bei okayer Gesundheit erwarten?

    „Ausreichend genug“, möchte ich mir entgegnen,
    „Aber sei drauf gefasst, Kerl: Es könnte mal regnen …!
    Also, spar dir dein kack Hohes-Alter-Gelaber:
    Du warst jetzt in Sarawak, warst auch in Sabah
    Und die Hälfte der Welt würd ’nen Teil deiner Sorgen
    Sich gern mal drei Stunden als Zuversicht borgen!“


  • Sarawak Parlament & das zweitausendvierhundertfünfundsechzigste Gedicht

    Darul Hana Bridge and Sarawak parlament in Kuching

    Vor der Kehrtwende

    Es offenbart
    Die Fahrstuhlfahrt:
    So tief kannst du jetzt fallen!

    Schon will der Lift
    – wohl halb bekifft –
    ’ne Abschiedsrede lallen.

    Von unten rät ein Komödiant,
    Ich soll den Aufzug nehmen.

    Doch wenn schon Absturz, dann rasant –
    Kein Ausblenden in Schemen.


  • Gunung Kinabalu & das zweitausendvierhundertvierundvierzigste Gedicht

    Blick auf den Gunung Kinabalu vom Strand

    Wasserträge

    Bin vom Wassertragen ganz durstig geworden,
    Ich befürchte, ich mach‘s nicht mehr lang.
    Und drohte jetzt jemand, mich bald zu ermorden,
    Mir würde darob nicht mehr bang.

    Das Gewicht meiner Last hat sich stetig verdoppelt,
    Und mein Durst steigert sich mit der Hitze.
    Ihr zu viel ist mit meinem zu wenig gekoppelt –
    Das fühl ich, so wahr ich hier schwitze.

    Bin vom Wassertragen so durstig geworden,
    Ich befürchte, ich schaff‘s nicht mehr weit.
    Indes führt der Weg zwar allmählich nach Norden –
    Alleine, mir bleibt keine Zeit.


  • Ruhrpottglühen & das zweitausendvierhundertvierzigste Gedicht

    Blick von Überruhr auf Essen-City

    Marshallpläne

    Mit Aus-der-Zeit-Gefallenheit
    Respekte einzufordern,
    Aus überfühltem Krallenneid
    Gleich Bergketten zu ordern,
    Den Einbahnstraßenschildern
    Der Veränderung zu trotzen,
    Nach maßverirrtem Wildern
    Mit Trophäen rumzuprotzen
    Und der geschenkten Gäule Zahngold
    Unverzollt zu horten? –
    Hast, Witzbold, lang genug gehowlt
    Als Sprössling bess’rer Sorten!

    Planst, alle Möbel dieser Stadt
    Zurückzurecht zu rücken
    Und jedes aufgeschlag’ne Blatt
    Mit Post-Its zu bestücken?

    Wirst colt-bereit am Einfahrtsgleis
    Den Sheriffstern polieren –
    Und jeder „You’re too old!“-Beweis
    Wird dich nicht interessieren.


  • Küstenlinie & das zweitausendvierhundertachtunddreißigste Gedicht

    Varadero Beach

    Theoretisch abstürzen

    Wie viele juveniler Räusche
    Hab ich nach Dammbruch ausgekotzt?
    Achtzig (wenn ich mich nicht täusche) –
    Wild aus Aug und Maul gerotzt.

    Nicht brutal oft, auch nicht wenig,
    Und höchst selten gilt: Ich sehn mich
    Nach der Zeit zurück – der Non-Stops,
    Jägermeisterrunden, Headshots,
    Einspritzer im Trinkspielwahn,
    Konterbier im Mittagstran … –
    Da ich mich der Sechzig näh’re
    und mir gruselt jetzt, ich wäre
    Nochmals so vom Rausch gepfählt.

    Hab drum vieles abgewählt.

    Doch ich spür nun, auch ohne ins Tun zu versinken:
    Heute ist so ein Tag, hey, zum richtig Betrinken!

    Alle Rechte bei Ute Kratzer, die das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.


  • Sundowner & das zweitausendvierhundertneunzehnte Gedicht

    Sonnenuntergang Varadero

    Wie der Wind

    Wie der Wind plötzlich auffrischt, wenn die Sonne versinkt –
    So, als hätt‘ er sich erst nicht getraut.
    Nun erkühnend, zu instruier’n, was uns die Nacht bringt
    Wie ein altkluger Halbastronaut.

    Der Sonne Versinken besiegelt stets Abschied
    Und gewolltsam begrüßt man die Nacht.

    Doch wenn man die Stunden der Dunkelheit abzieht,
    Verbleibt uns ein Plus heller Macht.

    Alle Rechte bei Tom Droste, der das Gedicht im Rahmen der Kuba-Spendenaktion 2024 erstanden hat.


  • Blütenspätlese & das zweitausendvierhundertdreizehnte Gedicht

    Tulpen im Botanischen Garten München

    Neue Begleitmusik

    In einem Restaurant mit Punkmusik gediegen zu speisen –
    Ich will nie wieder sagen, nichts hätt‘ sich bewegt!
    Ja, mag sein: Auf uns nicht tief bewegende Weisen –
    Dennoch wird Nicht-Erwartbares längstens gepflegt.

    Und die Welt trägt Tattoos , färbt sich wild ihre Haare,
    Tippelt Schritte, die ich Tolldreister niemals gewagt!
    Ich seh‘s aus dem Sumpf altvergangener Jahre,
    Verstreue mein „Ich hab‘s ja immer gesagt!“.

    Aber nirgends heißt‘s: „Interessant, lass ma hören!“ –
    Unsre früheren Kämpfe, sie bleiben perdu.
    Wir wollten einst, können heute: nur stören.

    Habe fertig gegessen. War sehr gut. Und nü?


  • Innsbruck-Ansicht & das zweitausendvierhundertsechste Gedicht

    Blick auf Inn und Innsbruck

    Dürers Ansicht auf

    Die Ruinen ewiger Bauten, sie schwimmen
    Im Strom der Zeit dahin.
    Er stiehlt Silhouetten, lässt Highlights verdimmen,
    Nimmt dem Festungswall einstigen Sinn.

    Einst war hier eine Stadt mit gleichem Namen.
    Ich mag nicht nach Kirchtürmen fragen –
    Wann die alten verschwanden, wo die neuen herkamen
    Und was die Historiker sagen.

    Die Vergänglichkeit nagt an uns Kindern geschwinder
    Und wir suchen Erlösung in Mauern.
    Doch scheppert der Schlussgong nur etwas gelinder,
    Denn nichts wird uns lang überdauern.


  • Rietpark & das zweitausendvierhundertzweite Gedicht

    Villa im Rietpark

    Dem letzten Teil

    Dass ich dereinst mit dir hier war,
    Gilt auch nach diesem plötzlichen Tod.
    Es stimmt, dieses lebensglückraubende Jahr
    Wiegt nichts zurück ins Lot.

    Doch dass ich einst mit dir hier stand –
    Das wird Gewissheit bleiben.
    Bleib für mich mit im alten Land,
    Eh sie zu mir dich treiben!


Die 272 Städte/Länder der Fotos (2016-2026)


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