Plötzlich schweift um dich Gold der besonderen Welten
Als Essenz von dem Wunsch, dieses Sein zu erhalten
Doch die Delle des Eindrucks verdümpelt im Selten
Und über die Jahre wird alles zum Alten
Obgleich immer öfter die Züge entgleisen
Und täglich es schwant: Du wirst nie wieder reisen
Sind auch die Tresore schon restlos geleert –
Das Wissen vom Gold verliert niemals an Wert
Dürrbeinigkeit stiefelt über das Pflaster
Im Warteraum lächelt ein Magergesicht
Nur mich übermannen die üblichen Laster
Ich könnte es schaffen, ich will es nur nicht
Da seufzt der verlorene Anfang des Tages
Ich schüttle ihn durch, brüll: „Was willst du Kerl, sag es!“
Doch bis zum Abend bleibt er still
Und stellt infrage, was ich will
Und was ich überhaupt noch kann
Ganz unberührt von „Wie?“ und „Wann?“
Schon hampelt die Hagerkeit hinter der Tür
Ich werde so traurig und weiß nicht wofür
Wenn Herbstlaub mir aufs Haupthaar fällt
Und gnädig bedeckt all die lichteren Stellen
Die manch Gedicht schon hergestellt
So drängt es die Erben, die Stämme zu fällen
Wie mutig die sich an den Sägen verheben
Und an den verlockenden Knebelverträgen
Die man noch lockig abgesegnet
Und die bald schon die Stille der Flocken beregnet
Indes kämme ich mein Haupthaar
Lass das Laub hinunterschweben
Wenn ihr Bäume es erlaubt, ja
Mag ich noch ein Jährchen leben –
Nicht den Blick nach oben richten:
Übers Schweben möcht‘ ich dichten
Ach, hol dich doch der Hölderlin!
Du Hasenheld auf Heroin
Willst prompt ’ne grade Linie zieh’n?
Bist grad vier Wochen trübnisclean!
Denk dir, ich habe kein Christkind geseh’n!
Und wenig Verbindliches ist im Entsteh’n …
Warst du nicht viel zu häufig hier
Als nicht gebuchtes Musketier?
Unsre Niederschlagsmenge schluckt kein Kokain!
Herbstverleugnende Blumenpracht an der Eberhardsbrücke
Lars
Es trifft die stets zuerst
Die am stärksten sich wehren
Die sich emsig beherzt
An dem Willen verzehren
Aus der Teilnahmetaubheit sich sichtwärts zu strecken
Und die Außenwelt drängen, mal sie zu entdecken …
Doch es bleibt dann dabei, dass sie niemand hier kennt –
Eine Chancenverwertung von hundert Prozent:
Sie war’n ja niemals vorgeseh’n
Sind so geseh’n auch nie gescheh’n
Es gerät ihr Abschied doppelt dumpf
Kein Gnadenbrot und kein Triumph
Was ich je erlangte – es gehörte auch ihnen
Obschon sie ja niemals in Greifnähe schienen
So soll denn mein Stolz denen ohne Gedenken
Mal ab und an ein Lächeln schenken
Die Sonne geht unter, der Tag darf beginnen. Soll niemand sagen, sie hätte nicht alles gegeben.
Der neunzehnte Stock
Ja, von hier kann ich das Meer seh’n
Gleich neben mir den Rooftop-Pool
Seh Taxifahrer Runden dreh’n
Die Luft ist immer noch nicht cool
Es geht schon auf Eins zu
Doch der Tag scheint noch jung
Er fädelt sich ein – du
Verlorst deinen Schwung
Weil du viel zu früh hungrig ins Leere greifst
Die wahre Bestimmung vertändelnd nur streifst
Du weißt genau: Die Ungeduld
Ist niemals jemand anders schuld
Winkst der Stadt zu: „Naja, eig’ntlich hätt‘ ich noch Bock!“
Und du schaust sie dir an, dort vom neunzehnten Stock
Diese Zeile hat noch gar keinen Dunst, wo sie endet
Und auch dieser hier werde ich das nicht verraten
Diese glaubt, dass sich durch ihr Dazutun was wendet
Und nun steh’n sie zu viert hier geschrieben – und warten
Sich im Ist einzurichten, klingt manchmal gescheiter
Denn oft geht’s im Leben ja gar nicht groß weiter
Was hab’n wir nicht alles schon tot hier begraben?
Und nichts hallt noch nach, bist du, Freund, nicht Museum
Doch du bist nicht Museum – Museum? Du nicht
Wir zwäng’n uns in engste Erinnerungswaben
Und all unsre Bilder und Schilder, die Wildheit
Fall’n eine Welt später nicht mehr ins Gewicht