In der Stammkneipe werde ich plötzlich gesiezt
Und die Gläser werd’n auch immer kleiner.
Ich hab längst vergessen, wozu du mir rietst,
Bin nun überall nur irgendeiner.
Hätte ich mich dereinst etwas stärker gereckt,
Wäre mehr zu erreichen gewesen?
Im Glauben, mich hätte ein Kellner entdeckt,
Trink ich mich in weitere Thesen …
Doch zum ersten Mal seh ich, wie hässlich ich bin,
Vom Zersetzungsprozess überrannt.
Vorm Kloeingang twittert die Inhaberin,
Sie sei mit dem Wirt jetzt verwandt.
Nie war mir so fern, dass wir tranken,
Und ich denke, wir hab’n es getan.
Ich verstau meine letzten Gedanken
Und zahl dann mit Großvaters Zahn.
Ich erinnere, wir sannen Großes
Bei dem ersten Gefühl in der Stadt.
Jede Aussicht versprach Grandioses –
Wir wurden nicht müde, nicht satt.
Allein, wir haben nichts getan –
Und das merke ich heut in den Straßen.
Längst sind die Züge abgefahr’n
Mit dem Zeugs, das zu tun wir vergaßen.
Ich erinnere, wir sannen Großes –
Doch dann warteten wir viel zu lang.
„Stand mal alles bereit!“, weißt du. Bloss es
Geschah niemals was ohne Zwang.
Und jetzt? Zieht’s uns nach nirgends hin –
Wir sind sehr informiert, aber gähnen.
Kein Einsatz macht noch irgend Sinn –
Und das kostet uns nicht einmal Tränen.
In meinem Schuh wächst graues Moos,
Sein Kniegelenk bebt stumm.
Wo bleibt die Zielgerade bloß?
Was treibt mich wieder um?
Ich wink‘ die Welt an mir vorbei –
Auf mich soll niemand warten,
Und klaube aus dem Zehenbrei
Verfaulte Handgranaten.
Wenn ich heut nicht nach Hause find‘,
Werden andere Ziele besehen.
Ich bleib‘, bis ich mich überwind‘,
Wie angewurzelt stehen.
Das große Ade stimmt die Querflöte an
Und die Schwermut zwingt alle zu singen,
Dass Linie fortan nicht mehr Linie sein kann,
Bis auch uns / graue Wolken verschlingen.
Ich benötige rasch etwas Körper in mir,
Meine Haut ist vom Leiden so leer.
Und nun drängle ich quengelnd durchs Gästequartier,
Als gäb‘ es die Hausbank nicht mehr.
Hier gehören doch andere Lösungen hin,
Wenn der Alltag sich so übernimmt,
Dass sein ganzes Gehöft sich entledigt vom Sinn
Und nichts mehr im Blutkreislauf stimmt!
Bin wohl längst nicht mehr bei mir, finde auch nicht zum Du –
Gewiss ist alleine die Störung.
In die Ferne rückt frühere Sehnsucht nach Ruh –
Alles zerdrückt von Empörung.