Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Wenn die Kraniche bald schon in Afrika landen,
Im warmen Matsch dortiger Flußbänke stranden
Und sonnenbefönt vom Erlebten erzählen
(auch interessant: Welche Sprache sie wählen?!),
Wie stieg wohl das Fieber der heimischen Fauna,
Die just überlebte ’ne Bruthöllensauna?
Wir zieh’n durch die Welt, glauben Krisen zu kennen –
Aber uns winkt die Wahl, uns von diesen zu trennen.
Durch die von der Nacht zurück-
Gelassene Wolkenschicht
Bergt mählich sich
Etwas Konturnahes vor.
Es rätselt sich Stück um Stück
Zur auflösungsdürstenden Sicht,
Versöhnigt dich
Mit dem schönen Glück
Vom jetzt tief in die Welt spur’nden Blaukorridor.
Hochselig sprüht Genügsamkeit,
Wo Münchner heut flanieren,
Sprotzt vor gesotten satter Zeit,
Hilft feist beim Herbst-Negieren.
Und jeden freut’s in Warteschlangen
Brav sich einzureihen.
Klar, teuer wird’s, doch s’wird auch langen!
Keinesfalls zu zeihen
Wär, dieses werte Wetterglück
Nicht vollends auszunutzen
Und dann der Wolkenfront verzük-
Kungssturköpfig zu trutzen!
Durch München schwelgt der schöne Schwur:
Es kann uns nichts passieren!
Jed Dämpfer lädt zur Wellnesskur,
Zum ungestüm Flanieren.
Brüssel scheint artig pompös, fast phlegmatisch,
Etwas Paris, nur sozialdemokratisch –
Ein Amsterdam, dem man die Schärfe entzogen.
Die Heimeligkeit heischt nicht gar so verlogen
Wie die Willenskulissen beliebterer Städte –
Hier gilt als Idyllenprämisse das Nette
Und streckt oder reckt sich ins Unterpompöse,
Wird ständig beklampft von dem Dampf der Fritteuse,
Im „Lass ‚ma gut sein!“ eingeparkt.
Zunächst dröhnt uns der Schwall einer Rettungssirene
In meinen empfindsamen Handyempfang –
Da ich doch allein deine Stimme ersehne
In alle Gerätschaft verleugnendem Klang!
Später donnert es in einer Bahnunterführung
Im Takt vom geschürten Verkehrsflussgebell.
Das desavouiert jeden Ton meiner Rührung –
Und alles, was ist, ist es nicht mehr reell.
Atmen – Atem – atmen – Atem,
Füllen – Leere – füllen – Leere,
Etwas Angst vor Ungegartem,
Vor dem Schnitt der Wohlstandsschere,
Sog, Druck und Erleichterung,
Fern vom einst erreichten Schwung,
Doch im Schoß entfleischter Süße
Übt das Ebenmaß Tumult
Und bestellt der Schongeduld
Schöngefärbte Grüße.
Ein schwärmendes Aroma-„Ah!“,
In dem sich die Urform der Gleichung beweist,
Um die der Planet unsres Menschentums kreist,
Versinkend im Genuss.
Das Kann schwillt an zum Muss
Für eine Geltung immerdar,
Wo jede Papille ihr Fabelreich schmeckt,
Sich fern jeden Abers gen Wohlgefühl streckt,
Zum schwärmenden Aroma-„Ah!“ …
Es wuchsen mit den Tagen im Wald
Die Binnenradien der Nasenhaare,
Die Insignien des Rückzugs erhärteten bald
Beweise für konsumatorische Ware.
Und alle Manie wurd urplötzlich geerdet –
Wir fielen im Taumel vielglücklich zurück –
Da ein Moosmoses deutete: „Geht hin und werdet“!
Und wir gingen, beherzt. Nicht weit. Nur ein Stück.