Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Tiere

Gedichte, in denen Tiere die Hauptpersonen sind.


  • Winterheimkehrer & das zweitausendvierhundertsiebte Gedicht

    Im Botanischen Garten München

    Finkenattacke, nach Erweichen der Firnis

    Der Vögelchen sprühender Lebenselan
    Tut manchem Wurm nicht gut.
    Er nährt den Gesang früher Finken und Star‘n
    Nebst deren neue Brut.


  • Mon(o/u)ment & das zweitausenddreihunderteinundneunzigste Gedicht

    Münchner Rathaus im Abendhimmel

    Ahoi!

    Ahoi, ihr Büchsenspanner, ortet ihr mir meinen Wal!
    Mir war ja dieser Ozean bislang nur sehr egal.

    Doch jed‘ Horizont ist für euch voll Moby Dick –
    Harpunenkommunenbewährt ist der Trick,
    Verschwor’n zum „Ja, da bläst er!“-Chor!
    Schon geht an Bord: der nächste Tor.

    Mir war ja dieser Ozean bislang nur sehr egal,
    Doch Büchsenspanner orten mir auch ungefragt den Wal!


  • Ringlokschuppen & das zweitausenddreihundertachtundachtzigste Gedicht

    Der Ringlokschuppen in Mülheim an der Ruhr

    Knorke Knorpelfisch – super Suppe!

    Nachdem sie seit Wochen im Sand sich verkrochen,
    Fand unser Koch Jochen jetzt doch noch’en Rochen!


  • Treibholz & das zweitausenddreihundertfünfundachtzigste Gedicht

    Stillleben in den Isarauen

    Ripostegedicht zum „Tango Korrupti“ von Rainhard Fendrich .

    Das ständig tänzelnde Tangoru

    Fragt man dich: Na, wo willst du mal hin?
    Sagst du: Australien.
    Doch weil du Bayer bist,
    Siehst du snur eine Meute Stiere
    Statt Beuteltiere –
    Was echt zum Reihern ist!

    Du schwärmst, die Faunawelt Down Unders
    Säh so sehr anders
    Und nach Vollendung aus.
    Doch kennst der Tiere Eigenheiten
    Aus alten Zeiten
    Der Sendung mit der Maus.

    Ja, auf den Weiden und der Alm hat’s
    Halt keine Wombats
    Und auch kein Känguru
    Man hört der Landwirte Gebäuer
    Und Wiederkäuer
    Und alle machen Muh!

    Aber in der Stadt im Zoo
    Gibt’s zumindest irgendwo
    Ein Gehege, das der Pflege einer Käng’ruherde dient

    Refr.: Und wenn ein Känguru bespuckt di,
    Entflieh solch Gängelei und duck‘ di
    Glaub nicht, der frechen Tiere Speichelei
    Sei Schmeichelei – Kerl, guck die Viecher an:
    Die stamm’n, so wie sie sich gewanden,
    Statt von Down Under aus den Anden!
    Trotz der Exotik ihres Karmas – san das ganz normale Lamas!

    Du schwärmst beständig von Australien
    Doch du weißt, dahin
    Ist es ein weiter Weg.
    Und du beteuerst die Koalas,
    Die ham total was
    Sind flauschig, süß und träg.

    Auch deren Nahrung Eukalyptus
    Hat soviel Rhythmus,
    Der in der Sehnsucht weckt.
    Jedoch statt Ozeaniens Zonen,
    Wo diese wohnen,
    Hast du den Zoo entdeckt.

    Denn die hab’n ein Känguru,
    Dessen Anblick reicht, dass du
    Die Ausstrahlung von Australien mit einem Mal verspürst.

    Refr.: Und wenn ein Känguru bespuckt di,
    Entflieh solch Gängelei und duck‘ di
    Glaub nicht, der frechen Tiere Speichelei
    Sei Schmeichelei – Kerl, guck die Viecher an:
    Die stamm’n, so wie sie sich gewanden,
    Statt von Down Under aus den Anden!
    Trotz der Exotik ihres Karmas – san das ganz normale Lamas!


  • Kanalwächter & das zweitausenddreihunderteinundsiebzigste Gedicht

    Blick aus dem Ca' d'Oro auf den Canale Grande

    Ripostegedicht zu Heinz Erhardts „Die Made“.

    Der Marder

    Unter eines Ladas Haube
    Nagt der Klan der Marder Taube

    Vaters Bauch wär nicht so’n leerer,
    Wär’er nicht Alleinernährer.

    Doch

    Marder-Mama war einmal –
    Hängt schon längst am Marderpfahl.

    Nach dem Mahl mahnt Vater Marder:
    „Warte grad ma hier am Lada!
    Küken-Kuchen als Dessert
    Bring ich zum Verzehr noch her!
    Bleib du, Madel, brav im Lande –
    Ma‘ ma Papa keine Schande!“

    So sprach Vater und entwich
    Marders Mädel aber schlich
    Zu dem Lada-Ladekabel
    Kappt’s mit seinem Marder-Schnabel.
    Nach hartem Schlag der Varta-
    Batterie briet da am Lada
    Ein bald gut gegarter Marder!
    Klar, dank derart Bratgrad-Hader
    Barst die zarte Halsschlagader –
    Wie erwartbar naht da’n Marder
    Gradewegs dem Pfad ins Nada. Schada.

    Vater Marder sah die Kleine
    Denkt: „Nu gilt’s, den Küken-Kuchen
    Augenblicklich umzubuchen!
    Den ess ich jetzt alleine!“


  • Itaipu & das zweitausenddreihundertzweiundvierzigste Gedicht

    Der Itaipu-Staudamm bei Foz de Iguazú

    Lämmer & Dämme

    Wenn alle Dämme brechen,
    Weil Lämmer sich erfrechen,
    Sie tief und massiv abzugrasen –
    Dabei auch Lehm und Stein frasen
    (und schließlich gar noch das Eszett),
    Macht solch vermess’nes Essen fett.

    Sie – ich dachte, das erwähn‘ ich –
    Sind darin dem Menschen ähnlich.


  • Capybara & das zweitausenddreihundertneununddreißigste Gedicht

    Wasserschweine am Itaipu-Staudamm

    Schokoladentieretiere

    Schokoladentieretiere
    Sind Hasen und Insekten –
    Nicht Kühe oder Schweine,
    Die uns fleischlich immer schmeckten.

    Macht uns die Milch voll Kakao
    Denn treulos blind beim Essen,
    Dass wir so vollends zuckerschwirr
    Die Zuckenden vergessen?

    Nun gießt die Sauen, gießt den Ochs
    In Form’n der Schokolade –
    Für Käfer, Bienen, Kerbgetier
    Ist die Substanz zu schade!


  • Ausgeflogen & das zweitausenddreihundertunddreizehnte Gedicht

    Unsere an die Gentrifizierung verlorene Wohnung in der Tengstraße 4.

    Schönen Gruß an den Nachmieter

    Normalerweis‘ bin ich zu Amei-
    Sen doch eher gräuslich –
    Heut scheiß ich drauf, weil raus. Ja, mei,
    Dann macht’s euch hier fei häuslich
    Und seid dem neuen Herrn am Herd
    Sehr gerne eine Plage!

    Lang fand ich euch bekämpfenswert –
    Nun wünsch ich schöne Tage!


  • Schlossmühle & das zweitausendzweihundertachtundneunzigste Gedicht

    Im ersten Stock der denkmalgeschützten Schlossmühle von Lauchhamer, ehemals Mückenberg

    Rüden haben kurze Beine

    Zwischen Dobermännerbeinen,
    Die ganz oben sich vereinen
    In giganter Körpermasse,
    Magst du zwar sehr klein erscheinen –
    Wie von weit entfernter Rasse.
    Doch du weißt ob deiner Klasse,
    Fleckst umher mit Niedlichkeiten,
    Die putzmunter unterschreiten
    Limits, die ein Reißzahn setzt.
    Grobe Dobermännlichkeiten
    (Bild des Hundseins bis zuletzt) –
    Nun ist’s Putzigkeit, die fetzt!

    Alle Rechte bei Susanne Digel, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 gekauft hat.


  • Kubareiher & das zweitausendzweihundertsechsundsiebzigste Gedicht

    Fischreiher am Strand von Cayo Santa Maria

    Crossover-Ripostegedicht zu R. Gernhardts „Vom Fuchs und der Gans“ und „Sie war ein Blümlein“ von W. Busch.

    Vom Fuchs und der Gans und dem Blümlein und Esel (Die Heuschrecken)

    Gewöhnlich nennt man Fuchs und Esel
    Je störrisch und gewitzt.
    Was die zu zweit sich einverleiben,
    Gilt vorab als geritzt.
    Denn
    Beharrlichkeit und Raffinesse
    Verehrt man als Erfolgsfaktoren.
    Was deren Beißerchen zerreiben,
    Das ist als Entität verloren
    Und wird vom Subjekt zum Projekt,
    Das all den Investoren schmeckt.

    Nach satter Übernahmewut,
    Ner reichlich ungestüm’chen,
    Werd’n Gans und Blume neues Gut,
    Beworb’n als Gänseblümchen.

    Ein verheißungsvolles Top-Produkt:
    Die Softness der Daunen, von Blüten der Duft …
    Doch
    Was vom großen Maul geschluckt,
    Gedeiht in dessen Magengruft,
    Zum Einheitsbrei – und is
    Am Ende bloß Beschiss.


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


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