Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Städte

Gedichte über Städte und Städtenamen.


  • Kämmnix & das hundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Chemnitz

    Dass Glatzköpfigkeit nie ohne Faschokonnotation auskommt – dabei würde ich das gerade in diesem Text ausblenden wollen. Denn Chemnitz ist vor allem Pinguinstadt.

    In Chemnitz

    In Chemnitz gibt es nichts zu kämmen
    Wer würde dort auch viel erwarten?
    Denn gut rasierte Schädel-Bemmen
    Die halten nix von Kammsportarten


  • Kufstein & das hundertneunundzwanzigste Gedicht

    Festung Kufstein

    Zum Abschluss der Non-Stop-Reiserutsche in Kufstein gelandet.

    Absage an Neapel

    Es wird wohl in Kufstein
    Niemals der Vesuv spei’n
    Würd’s auch für den Ruf ein
    Unglaublicher Move sein

    Nach reiflicher Prüfung hat man sich hienieden
    Dann doch für ’nen andren Derberge entschieden


  • Falkensee & das hundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Silhouette am Bahnhof Falkensee

    Nach dem Abflug um 6:30 Uhr von Helsinki Zwischenstopp und Auftritt in Falkensee. Weiter ging es dann nach Essen. Zum Auftritt. Und um zwei Uhr auf den Zug gen München, wo ich um 8 Uhr eintraf. Einer 24Stunden-Reportage würdig.

    In Falkensee

    Ob ich nun nackt im Balkan steh‘
    Ein Schaf anpack‘ in Falkensee
    Bei ’ner Attacke Hulk anfleh‘
    ‚Ne Kalkwand wacker schwarz bestreiche –
    Es ist am Ende eh das Gleiche!

    Da hör‘ ich euch den Einwand schrei’n:
    „Das kann doch nicht das Gleiche sein!?“

    Nun, wenn ich da noch etwas einschränken darf:
    Nichts war so weich wie das Fell von dem Schaf


  • Sanssouci & das siebenundneunzigste Gedicht

    Potsdam Schloss Sanssouci

    Am Folgetag durch Potsdams Park …

    Sanssouci (Stadtführungsalternative 2)

    Potsdams Park Sanssouci wurde kurz nach der Wende
    In nur 68 Jahren erbaut, liebe Jäste
    Und nebst all den Jebäud’n hier oof’m Jelände
    Zum Jedenken an die Studentenproteste
    Nach Benno Ohnesorg benannt
    Ditt is‘ den meesten nich‘ bekannt!


  • Potsdam & das fünfundneunzigste Gedicht

    Kolonie Alexandrowka

    Potsdam. Flaneurpromenade meiner Berliner Zeit. Aber zu viel Idylle reizt auch. Selbst in der Kolonie Alexandrowka.

    Nichts Schlechtes über Potsdam

    Du nennst dich selbst nur Nachgeburt
    Gesäßabszess und Randgewächs im hehren Glanz Berlins
    Du, liebes Potsdam, richtest dich
    Fatal brutaler, radikaler als du, Potsdam, es verdiens‘
    Schimpfst dich verzog’ner Kinder Stube
    Und Möchtegerners Jauchegrube
    Sag, glaubst du, Potsdam, selbst den Mist
    Dass du statt Stadt nur Kotzkram bist?

    Da schaut die Stadt mich an und klagt:
    „Das hab ich alles nie gesagt!“

    Wie bitte? Stimmt. Das war ja ich
    Na, wie gesagt, es stimmt ja nich‘!


  • Erfurt/Jena & das einundachtzigste Gedicht

    Zitadelle Petersberg

    Jena war mal ICE-Paradies. Doch die Stadt wurde abgekoppelt zugunsten der stets gerne in allem bevorzugten Landeshauptstadt Erfurt. Nun ist es still geworden am Haltepunkt Jena-Paradies. Schlecht, wenn man dort hin will. Ein Umstieg mehr, der zudem via Verspätung auf eine Stunde Wartezeit gestreckt wurde. Zeit genug, um auf Erfurts Festungsanlage zu klettern und dieses Gedicht zu schreiben:

    Vom Paradies zum Jenseits

    Ja, nach Erfurt fuhr ich und erfuhr
    Dass seit der letzten Fahrplan-Kur
    Jeder Zug via Erfurt das Land durchquert
    Und keena mehr nach Jena fährt

    Is man eh’r in Erfurt, naja, nur mir bangt:
    Ob nu‘ jemals noch jemand nach Jena gelangt?


  • Darmstadt & das achtzigste Gedicht

    Darmstadt City

    Darmstadt scheint keine Stadt mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein zu sein. Die Dame vom Hotel erklärt den Gästen, dass es hier wegen des Krieges so wenig zu sehen gebe. Ich finde das Wetter zu schlecht, um mich auf die Suche nach einem gegenteiligen Eindruck zu machen, habe aber von früheren Besuchen die Mathildenhöhe in guter Erinnerung, die marginal in diesem Gedicht Berücksichtigung findet.

    Kein Wort über Darmstadt

    Nun bitte kein Wort über Darmstadt, Mathilde!
    Da die Welt wie erfüllt scheint von Heiratsanträgen
    Romantik und Anmut. Ich bitt‘ dich deswegen
    Mir nichts zu erklären, ich bin ja im Bilde

    Bitte sprich nicht über Darmstadt, nie!
    Gäb’s noch Dinge zu sagen, so flüstere sie
    Durch die Streben von Gefängnistüren
    Doch lass ihren Laut unser Glück nie berühren!

    Mag sein, in der Stadt werden Dinge passieren
    Die das Wort Überholspur bald neu definieren
    Noch bleibt uns, von derlei nichts wissen zu müssen

    Kein Wort über Darmstadt, ja? Gut. Dann komm küssen!


  • Augsburg & das fünfundsechzigste Gedicht

    Augsburg Rathausplatz

    Puh. Augsburg war großartig. Aber heute geht es nach 12 Stunden daheim auch schon weiter, brechtwärts nach Berlin. Und so langsam schleicht sich Müdigkeit ein… Da muss man jetzt die Fäden in der Hand behalten. Wie Augsburg, wo ich gestern ein Mörike-Cover zu hören bekam, das ein wenig im Spontangedicht mitflattert:

    Augsburg lässt sein Außenband wieder …

    Fuggerfädenstrippenziehkind
    Puppenkistenpappenheim
    Nabelschnurstracks brechtberechtigt
    Pendlerstromverbindungskeim

    Wie es augst und burgt und lecht
    Augsburgs Außenbandgeflecht


  • Parisparis & das achtundfünfzigste Gedicht

    Rue Jean-Pierre Timbaud

    Nasser Empfang zum Doppelgig. Eine Straße, zwei Läden – der Transit durch Plädderregen.

    Die Verlierer sind ausgemacht

    Paris im Regen ist noch immer Paris
    Keine Stadt kann als Stadt jeden Tropfen verneinen
    Gerade deswegen gilt unerregt dies:
    Sehr wenig wird ähnlich auf Ewig erscheinen


  • Ankunft in Paris & das siebenundfünfzigste Gedicht

    Paris Hotel Marignan

    Pardon, Stuttgart. Da warst du gestern Abend einfach nur Zwischenstation auf dem Weg Zürich-Paris. Aber im Sommer gibt es auch für dich ein Gedicht. Und gegen Paris darf man schon mal verlieren. Oder?

    Solo in Paris

    Statt der Liebe Paris
    Riet die Szeine doch immer
    Statt als Paar is
    Man hier nun aleen aufm Zimmer.


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