Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Sechszeiler


  • Resteis & das hundertundachtzehnte Gedicht

    Helsinki

    Trotz frühlings- bis sommerhaften Wetters sind die Parks noch voller Schneereste. Und die Eisflächen um die Schären sind gerade mal brüchig geworden.

    Die Tage vor dem Tauen

    Nun ist das Eis zwischen uns endlich geschmolzen
    Jetzt gilt es, den Inselwald niederzuholzen
    Um taugliche Kanus für Fahrten zu bauen
    Die wir in Tagen vor dem Tauen
    Problemlos bewältigt mit kindlichen Schlitten

    Mag sein, es war Kälte, auf der wir da glitten


  • Amsterdam & das hundertundfünfte Gedicht

    Amsterdam

    Blütenglück

    Was kümmert die Blüte die fehl’nde Idylle?
    Zur Not ist sie durchaus sich selbst schon genug
    Auf kleinstem Terrain die größtmögliche Fülle
    Schmückt sie sich ihr Stück zum geglückten Versuch

    Übers Andere sollen die Andren entscheiden
    Das wird sie nicht sehen, das muss sie nicht leiden


  • Sanssouci & das siebenundneunzigste Gedicht

    Potsdam Schloss Sanssouci

    Am Folgetag durch Potsdams Park …

    Sanssouci (Stadtführungsalternative 2)

    Potsdams Park Sanssouci wurde kurz nach der Wende
    In nur 68 Jahren erbaut, liebe Jäste
    Und nebst all den Jebäud’n hier oof’m Jelände
    Zum Jedenken an die Studentenproteste
    Nach Benno Ohnesorg benannt
    Ditt is‘ den meesten nich‘ bekannt!


  • Nauener Tor & das sechsundneunzigste Gedicht

    Nauener Tor Potsdam

    Am Vorabend durch Potsdams Mitte …

    Nauener Tor (Stadtführungsalternative 1)

    Schau’n ‚Se hier: Ditt Nau’ner Tor!
    Staun’n ‚Se, wat? Ick les‘ ma‘ vor:
    Achtzehnirjendwattneunzisch von Walt Ditzney erbaut
    Dem dann vom Alten Fritz auf’m Drehset jeklaut
    Und so steht ditt Nau’ner Tor ebnt hier
    Seh’n ‚Se ja selbs, wa? Trau’n ‚Se mir …!


  • Bodenseequere & das fünfundachtzigste Gedicht

    Bodenseefähre

    Nicht wirklich notwendig, den Bodensee zu überqueren, um nach Olten zu gelangen. Aber wirklich schön.

    Was zu tun ist

    Wenn der Horizont leer ist
    Nur Himmel und Meer ist
    So lang mög’n die Möwen den Ausguck besetzen
    Sobald Silhouetten
    Den Ausblick einfetten
    Werd‘ ich jene Vögel – sacht – tödlich verletzen


  • Schwabach & das dreiundachtzigste Gedicht

    - 10.03.16 Schwabach, Poetry Slam, Jungegger’s

    Bislang definitiv meine Lieblings-Überschrift der Tour. In der Slam-Ankündigung hieß es: Chicago – Paris – Schwabach. So sieht es aus. Das steckt drin:

    A.B.A.C.

    Im City-Center Schwabachs steht
    Ein „All Bastards Are Cops“

    Vom „Schw…“ verbrämt zwar wirkt der Trick
    Der schnöden Polizeikritik
    So wie der Standard – nur verdreht

    Nun doch ein tarnentlutschter Drops


  • Erfurt/Jena & das einundachtzigste Gedicht

    Zitadelle Petersberg

    Jena war mal ICE-Paradies. Doch die Stadt wurde abgekoppelt zugunsten der stets gerne in allem bevorzugten Landeshauptstadt Erfurt. Nun ist es still geworden am Haltepunkt Jena-Paradies. Schlecht, wenn man dort hin will. Ein Umstieg mehr, der zudem via Verspätung auf eine Stunde Wartezeit gestreckt wurde. Zeit genug, um auf Erfurts Festungsanlage zu klettern und dieses Gedicht zu schreiben:

    Vom Paradies zum Jenseits

    Ja, nach Erfurt fuhr ich und erfuhr
    Dass seit der letzten Fahrplan-Kur
    Jeder Zug via Erfurt das Land durchquert
    Und keena mehr nach Jena fährt

    Is man eh’r in Erfurt, naja, nur mir bangt:
    Ob nu‘ jemals noch jemand nach Jena gelangt?


  • Metro & das zweiundsechzigste Gedicht

    Metrostation Paris

    Wenn man es eilig hat, stellt sich bald die leicht dahingefluchte Frage: Wer hat sich diesen Wegewirrwarr beim Umstieg zwischen den Metrolinien eigentlich ausgedacht – und ist das wirklich der kürzeste Weg? Oder so:

    Gängelei

    Ich hab mich im Innern der Metro verlaufen
    Ein Gängegemenge wie im Ameisenhaufen
    Doch nachdem ich gut zweieinhalb Städte durchquert
    Bemerk ich: Ach, guck mal – bist gar nicht verkehrt
    Da steht schon am Gleis meine Bahn, welch ein Glück!
    Die fährt mich vermutlich ein Stückchen zurück …


  • Eiffelturm & das neunundfünfzigste Gedicht

    Marsfeld und Eiffelturm

    Der freie Tag in Paris. Und endlich Sonne. Sightseeinggemäß.

    Zurredestellung

    Was willst du denn noch hier von unserer Stadt,
    Du aufgeregter Turm?!
    Du Stahlgelüste Rüst- und Wüstling
    Höchst emporgeleckter Wurm
    Sag an – aber so, dass wir’s unten versteh’n!

    „Mann, ich mach keinen Ärger – ich will hier bloß steh’n.“


  • Mannheim, Heidelberg & das fünfundfünfzigste Gedicht

    Heidelberg Neckar

    Und dann trotz Kratzen im Hals losgedonnert. Elf Auftritte in der Reihe. Aber was unter bösen Voraussetzungen startet, entwickelt sich mittlerweile bestens. Auch meteorologisch. Wie in Heidelberg zu sehen, in Mannheim (15 Minuten S-Bahnfahrt) nur zu ahnen war. Doch:

    Ja, auch Mannheim! Auch Mannheim.

    Die Romantik Mannheims ist
    Ganz anders als die Heidelbergs
    Derart subtil, dass du Purist
    Sie quasi nicht einmal bemerks‘

    Aus Mannheims Gassen grölt es: „Tja,
    Romantik is umfassenda!“


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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