Das Verschlafen der besten Stunden
Novemberblues kommt heut nicht vor, denn
Die Sonne krault das Blätterkleid.
Ich grüße kurz den schönen Morgen –
Nur bin halt echt noch nicht so weit.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten
Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.

Das Verschlafen der besten Stunden
Novemberblues kommt heut nicht vor, denn
Die Sonne krault das Blätterkleid.
Ich grüße kurz den schönen Morgen –
Nur bin halt echt noch nicht so weit.

Ripostegedicht auf Hermann Hesses „Im Nebel“.
Mer Han Nässe: Im Regen
Balsam, im Regen zu wandern!
Gemeinsam vom Schirme behütet,
Wird durch die Hauchnäh‘ des jeweilig andern,
Das furchtbare Wetter vergütet.
Wenn’s turtelt unterm Prasseldach,
So legt auch dies Gedicht nah,
Legt jeder noch in Nähe nach
Und scheint zu mehr verpflichtbar …
Wahrlich, im Regen zu gehen,
Macht nur den Verwegenen Spaß,
Die überall Sinnenglück sehen;
Normale Leut‘ werden nur nass.
Balsam, im Regen zu wandern!
’s würd feucht, tät man sich jetzt entzwei’n.
Man rückt lieber ran an den andern,
Mit Schirm entsteht Charme von allein.

Supervision
Wie, wenn, wo ich geurteilt hab,
Nur Mitteilung geschah?
Wenn ich aus Gängen, die ich grab,
Die Richtung anders sah?
Wie, wenn ich meine Dekadenz
Nicht recht im Zaume hielt?
Wenn ich im Kreis der Inner Friends
Nur kollegial gedealt?
Wie, wenn ich jede Kleinigkeit
Bloß groß beschreiben kann?
Wie, wenn ich’s so zu seh’n bereit?
Wie wär das? Und was dann?

Ripostegedicht zu „Das Boot ist voll“ von Faber. Die Zuschauer haben es gewählt, ich habe mich gefügt. Interessanterweise hat der Sänger bereits selbst eine zweite Fassung des Songs angefertigt, um sie zu entschärfen. Leider hat sie sich anschließend ebenso schlecht gereimt wie zuvor. Klar, rein zu reimen bedeutet Arbeit. Ich habe mich auf eine Stunde in der DB-Lounge in Hannover eingelassen, sieben Zeilen des Originals belassen, alle Schlagworte übernommen und bei der Gelegenheit den Text wieder etwas verschärft.
Das Boot ist voll, der Reim ist rein – gönn dir doch dieses Stündelein!
Früher sind wir doch so schlecht nicht gefahr’n
In Führers Schein auf Autobahn
Wo wär’n wir denn, baute uns Volks keine Wagen?
Was denkt ihr, wenn unsre Genies heut verzagen,
Da alles man gleich mit dem Dritten verzahnt
Und an die Judenbuche hängt,
Zum ewigen Kotau gedrängt,
Weil stetig der Wink der Geschichtsbücher mahnt?
Du lässt dich nicht für dumm verkaufen,
Du weißt, wie hier die Dinge laufen.
„Das Boot ist voll!“, schreien sie auf dem Meer.
„Unsres auch!“, setzt du dich schreiend zur Wehr.
Wer schneller glaubt, wird schwerer klug.
Dir wär‘ schon „null“ mehr als genug.
Weil lügengepresst dieses Land sich verliert,
Nur noch brav vorm As „Asyl“ pariert.
Es brennt schon lang in manchem Haus –
Wie findet man am schnellsten raus?
Du kennst eine Abkürzung durch altes Denken,
Willst selbstbestimmt die Flamme lenken.
Besorgter Bürger, ja, ich besorg’s dir auch gleich,
Wenn Dein’m Gewürge ich mal übern satten Bauch streich‘,
Hey, kennst du die Zahl, an der ich deine Ansicht messe?
Jedem 33 69 in die Fresse!
„Jedem das Seine“, fühlst du, seien weise Worte.
Und wer nicht gerne backt, flüchtet nun per Boot zur Torte.
Die saufen schamlos Schampus, während du im Off verdorrst –
Du hoffst es seh’n bald alle wie den Seehofers ihr Horst.
Schiebt ab! – Denn du fühlst dich nicht mehr wohl in deiner Haut,
Bist fremd im eignen Land, das man dir ohne Not versaut.
Schieb du ab! – Denn vergleich‘ ich meine weiße Haut mit deiner
Schrei ich: Die Blässe lügt! So fremd wie du war mir noch keiner!
Besorgter Bürger, ja, ich besorg’s dir auch gleich,
Wenn Dein’m Gewürge ich mal überm satten Bauch streich‘,
Hey, kennst du die Zahl, an der ich deine Ansicht messe?
Jedem 33 69 in die Fresse!

Das große Ade
Das große Ade stimmt die Querflöte an
Und die Schwermut zwingt alle zu singen,
Dass Linie fortan nicht mehr Linie sein kann,
Bis auch uns / graue Wolken verschlingen.

Das große Hallo
Das große Hallo spielt den öffnenden Tusch
Und die Vorfreude drängt uns zu tanzen.
Sie zischt in die letzten Verstecke: „Husch, husch!“
Und ich mag / mich in Skepsis verschanzen.

Was Wagner wagen (nicht erfragen!)
Wäre ich ein Karrenbauer,
Wählt‘ ich Sparren, die auf Dauer
Des Pfarrers Pfunde trügen.
Ob denn für ’ne Rundfahrt reichen
Die im Rund gefassten Speichen?
Nun, da müsst‘ ich lügen …

Britta frei’n & Ritter sein (Reprise auf „Ritter sein“, Gedicht Nr. 116)
Ach, litte ich am schweren Sein,
So tränke ich zwei Liter Wein
Bloß um im nächsten Schritt zu schrei’n:
„Hier passt auch noch ein dritter rein!“
Würd dann – um wieder fit zu sein –
Kurz in den Pool von Britta spei’n.
Auf meine Bitt‘ dies zu verzeih’n,
Guckt‘ Britta leicht verbittert drein.
„Mir muss da was entglitten sein!
So’n Shit ist nicht der Sitte mein!
Hab schließlich stets getwittert, ein
Ganz großer Fan von Britt‘ zu sein!“
So leicht lässt sich ein It-Girl frei’n:
Geschmeichelt lud mich Brittalein
Zum Ritt in ihre Mitte ein –
Da darf man auch mal Durchschnitt sein!
Heut‘ braucht es für des Ritters Weih’n:
Den Mut zur dritten Pulle Wein,
’nen Tweet im Zwitscherei-Verein
Und einen Pool um reinzuspei’n.
Nun ruft ein Witzbold mittendrein:
„Ich fänd’s für meinen Eintritt fein –
Und denk, im Vers mit Brittalein
Passt gut ein Reim mit Titten rein!“
Das möcht‘ ich mir verbitten, nein.

Der Überstimmte
Von früh’ren Kollegen befasste Beschlüsse
Foltern dich wie Pferdeküsse.
Wie hieß noch das garstige Wort? Ach, da fällt’et!
Du bist fortan: abgemeldet.

Zu spät, aber nicht zuu spät
Fürs Wannenbad war’s schon zu spät –
So würzt denn dann mein Tête-à-Tête
Bei jenem Date mit Annegret
Ein aus dem Achselnass geweht-
Er, angeregter Moschusduft
(mein ungepflegter Modus Schuft),
Der untentwegt die Luft durchfegt,
Was Annegret dazu bewegt,
Dass sie mich zu ’nem Bad einlädt,
Sich zu mir in die Wanne legt
Und dann im Ineinander rät:
„Vereinigung und Reinigung
Vereint man gern in einem Schwung!“
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