Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Madagaskar

Vom 4. bis zum 21. September meine zweite große Fahrt über diese wunderbare Insel unternommen. Und dabei auch die Bühne betreten:
– 10.09.16 Antananarivo, Poetry Slam, Goethe Zentrum
– 15.09.16 Belo Tsiribihina, Lakana Be 3


  • Trottcomeback & das dreihundertsiebzigste Gedicht

    Ziegelbrennerei im Hochland Madagaskars

    Schon scheint es, man sei bereits Ewigkeiten wieder zurück – Zeit für ein Erinnerungsfoto von einer madagassischen Ziegelbäckerei.

    Zweiter Anlauf

    Und langsam glättet das Leben sich wieder
    So sehr auch die Hektik dagegen sich stemmt
    Es schlüpft unlasziv alle Last aus dem Mieder
    Und bleibt in der Nackigkeit seltsam gehemmt

    Spreiz dich aus, du alte Nervschildkröte!
    Ich hab meine Glanzlosigkeit überlebt
    Nun wird dir das Blech der fanfarischen Tröte
    Mit rächender Geste ins Bauchfell gewebt!

    Und dein ewig beutegeiles Hecheln
    Auf jeder Spur von meinem Schwächeln
    Bricht fortan aus dem Wanst als Stöhnen …

    Du kannst dich schon mal dran gewöhnen!


  • Hauch des Winters & das dreihundertsechsundsechzigste Gedicht

    Belo Tsiribihina

    Nun wäre das erstgesetzte Ziel geschafft: 366 Gedichte für die 366 Tage des (Schalt)Jahres. Da aber das Ziel auf 500 Gedichte aufgestockt wurde, kann nun nicht der Stift beiseite gelegt werden, sondern muss sich gesputet werden – 134 Gedichte in den restlichen zweieinhalb Monaten…! Und weil diese kalt zu werden drohen, hier ein Foto aus dem Westen Madagaskars – vor drei Wochen aufgenommen und schon sehr weit entfernt.

    Hauch des Winters

    Plötzlich beugt sich das Jahr
    Und will nicht mehr leben
    Und es hat sich beinah‘
    Jedes Blatt aufgegeben
    Es entglänzt sich das Grün
    Und zerzaust sich ins Gilben
    Den Dichtern entflieh’n
    Die romantischen Silben …

    Mählich türmt sich der Eindruck von Straße und Dreck
    Und in vier bis fünf Wochen ist alles hier weg
    Was der Frühling an zartigste Zweiglein getrieben
    Wird von Fußtritten klobigstem Schuhwerks zerrieben

    Für vier Monate wird dann der Film angehalten …
    Und die Leinwand im spärlichen Restlicht erkalten


  • Aye-Aye-Appetizer & das dreihunderteinundsechzigste Gedicht

    Aye-Aye auf Aye-Aye-Island

    Nun wartet nur noch das Aye-Aye auf ein zoologisches Lemurengedicht. Aber das benötigt noch etwas Zeit. Hier nur ein Appetizer.

    Aye to Ai

    „Hei, du Ei!“ sprach das Aye-Aye,
    „Bist du nicht der Ai Weiwei?“
    „Mei, und du bist ein Aye-Aye?!“
    Freute sich Herr Ai Weiwei
    Das sei fei – und beide geiern:
    „Lass uns unsre Ei-Heit feiern!“

    Hernach sagten sich Bye-Bye
    Ai Weiwei und das Aye-Aye


  • Rückreise & das dreihundertsechzigste Gedicht

    Madagaskar Stilleben

    Abschied von Madagaskar und den Seychellen. Über Abu Dhabi.

    Vom anderen Ufer

    „Weh mir, Emir,“
    Sprach ich panisch, „Piraten!

    Aus den arabischen Emiraten

    Alle Welt bangt vor ihr’n
    Rabiaten
    Taten und Matern an Patern!“

    Da war der Rat vom Emir:
    „Lieber Rabbi, eh dir

    Die Art der Piraten ’nen Alptraum bereite:
    Die Jungs sind seit Samstag auf unserer Seite!
    Selbst gläubigste Räuber treibt stets, so gelob‘ ick
    Gewinnmaximierend Gesinnungsaerobic!“


  • Wiesellemur & das dreihundertneunundfünfzigste Gedicht

    Wiesellemur

    Und in der letzten Madagaskar-Woche tauchte dann doch noch ein zusätzlicher, noch nicht von einem Gedicht bedachter Lemur vor meiner Kamera auf. Auf welche Weise, erklärt sein Ged/sicht.

    Der Wiesellemur (Englisch: sportive lemur)

    Nur der drolligen Pupillen wegen
    Sollt‘ man nicht den Willen hegen
    Den Schlafkloß aus dem Astlochschacht
    Hinauszustoßen – gleichwie sacht!

    Ach, achteten wir den nachtaktiven
    Tagesablauf des sportiven
    Wiewohl meist ruhenden Wiesellemuren
    Würden wir ihn kaum auf unseren Touren
    Egoman entzückungssüchtig
    Einmal kurz, beglückt und flüchtig
    Aus dem Schlaf ins Helle stupsen
    Dann in unsren Fokus schupsen

    Sein Blick irrt halbgar: „Was’n los?!“
    Mit Augen, die gar doppelt groß

    Da gluckst die Hingerissenheit
    Ob solch massiver Niedlichkeit

    Werter Wiesellemur, verzeih’n Sie die Störung
    Die Ihnen laut Murren nur wenig gefällt
    Doch dient dieses Opfer durch Optik-Betörung
    Versöhnlichst dem inneren Frieden der Welt!


  • Camp Amoureux & das dreihundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Fyling Sifaka

    Sifaka im Camp Amoureux. Ein Ripostegedicht zu Bert Brecht.s „Erinnerung an die Marie A.“.

    Marie A. frisst ihre Kinder

    Die eine Wolke weiß ich noch …
    Die als Schäfchen vom Land auf das Meer rausgetrieben
    Der Verkleinerung trotzend – um schließlich dann doch
    Ihrer Auflösung nachgab, bis nichts mehr verblieben
    Als weitere Wolken, die ich noch erinner‘
    Jenem Schicksale folgend, dass keine Gewinner
    Am Himmel von mir zu melden waren …
    Nur Berichte von Helden und Wolkengefahren

    Bis zum Abend vom Meer eine ungeheuer weiße Front
    Eroberte den Horizont …
    So viel wolkige Allmacht, vom Himmel besessen!

    Ach, könnt‘ ich doch all diese Wolken vergessen …


  • Morondava & das dreihundertzweiundfünfzigste Gedicht

    Am Strand von Morandava.

    Am Strand von Morandava.

    Über den Gewässern (minimalblasphemisches Seefahrergedicht)

    Über den Gewässern
    Ist die Luft, die dem Land fehlt
    Alles würd‘ sich verbessern
    Wenn ihr Allah mal abwählt!

    (Allein deshalb wurd‘ hier der Freund Allah erwählt
    Weil ihn der A-L-Laut so aalig begelt
    Die übrigen Götter sind – in aller Kürze
    Nur minimal divergent riechende Fürze)


  • Baobab & das dreihunderteinundfünfzigste Gedicht

    Avenue of the Baobabs, Morondava

    Die Baobab-Allee

    Palastsäulenartig erhebt sich der Stamm
    Aus dem Kern seiner Masse zur Krone empor
    Es ist Ehrfurcht, die ich in die Herzkammern ramm‘
    Und in ratloser Andacht steh‘ ich nun davor

    Jene Allee, die solch Solitäre formiert
    Zum Sinnbild von einem gebeutelten Land
    Und unbeirrt beugsam majestätisiert
    Als Letzte des Urwalds, der hier einmal stand

    Denn dies ist ein Friedhof, der sagt dir: Gedenke
    All jener gekappten Idyllengelenke
    Dem die mächtigen Bäume nur Kreuze sind
    Die allein über eintausend Jahre gerettet
    Dass durch sie die Reue der Gläubigen rinnt
    Dass Heiligkeit sie an Unfällbarkeit kettet

    Einsam thront der Baobab
    Die Asche um ihn schon verweht
    Er steht als Kreuz auf einem Grab
    In einem Reich, das untergeht


  • Campen & das dreihundertfünfzigste Gedicht

    Okay, dreihundertfünfzig ist eine Hausnummer. Aber in diesem Jahr nur eine Zwischenstation der Tour-Dichtung. Unser Camp am Fluss.

    Reisefieber

    Das singende Ritschen der Zeltreissverschlüsse
    Öffnet Momenten der Kindheit die Pforten
    Da ich campend an Ufern französischer Flüsse
    Nichts ahnend von späteren Heimsuchungsorten
    Den sorgenden Eltern am Rockzipfel hing
    Und die Aufbruchsbereitschaft als Hostie empfing
    Ließ den Staub und Gebrauch von gut vier Dutzend Ländern
    Meinen Glauben und some Chromosome verändern

    Doch führt uns im Fremden empfundenes Glück
    An früher genossene Orte zurück
    Und das singende Ritschen der Zeltreissverschlüsse
    Bleibt ewig den Ufern französischer Flüsse


  • Krokodil & das dreihundertneunundvierzigste Gedicht

    Krokodil Madagaskar auf dem Tsiribihina.

    Wir hatten die Garantie, dass diese Tiere unser Zelt am Flussufer nicht angreifen würden, weil sie viel zu viel Angst hätten. Wir haben das mal geglaubt. Es hätte eh nicht ins Zelt gepasst.

    Das Krokodil

    Das Krokodil liegt einfach da
    Die Schreckensschnauze auf halb acht
    So ruht mit ihm auch die Gefahr
    Die uns so sorgsam beigebracht

    Was grad aber nun unsere Neugierde weckt
    An dem Monstrum, das so sanft hier niedergestreckt
    Und blass einlädt zur näheren Inspektion
    Und zum Test, ob allmählich sich langsam nicht schon
    Erübrigt der vordem verbreitete Schrecken
    Doch abermals gibt’s für uns nur zu entdecken:
    Von Schnellkraft und Bisswut und Grauen ermächtigt
    War’n all jene Warnungen durchaus berechtigt!

    Das Krokodil liegt einfach da
    Und in ihm drin – ein weit’rer Narr


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