Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Grünmeerkatze & das neunhundertzweiundfünfzigste Gedicht

    Grünmeerkatze an der Kazile Island Lodge

    Feind Affe

    Durch dein smartes Geschick komm’n wir uns ins Gehege
    Denn die Unartigkeit deiner Art sucht sich Wege
    Die in meiner Sanftmut-Ranch unakzeptabeln

    Solch pfiffiger Witz ist nur statthaft in Fabeln

    Ich schließe meine Tür gut ab
    Verschanze alles, was ich hab‘
    Kleb‘ noch die letzte Ritze zu
    Verplomb‘ das Zelt zum Schlitzohr-Buh!

    Fast dauert’s mich, dir wirklich gar nichts zu gönnen …
    Doch schmeicheln ja Aufwand und Müh‘ deinem Können!


  • Nimmersatt & das neunhundertachtundvierzigste Gedicht

    Afrikanischer Nimmersatt und Impala

    Die Langmut der Leidenden

    Unvermutet
    Überflutet

    Gott hat’s uns so zugemutet


  • Solitaire & das neunhundertneununddreißigste Gedicht

    Solitaire in der Namibwüste

    Der Dogmatick

    Um jede Unendlichkeit Zäune zu bauen
    Ist dein deine Bestimmung vertiefender Job

    Dass Andre solch Werk zu missachten sich trauen
    Will nicht in dein weihevoll Untier von Kopp


  • Streifengnu & das neunhundertzweiunddreißigste Gedicht

    Streifengnus im Etosha Nationalpark

    Solidarität

    „Und sahet ihr auch Gnus?“ „Fürwahr,
    Auf unsrer Fahrt durch Afrika
    Da sahen wir auch Gnus!
    Und das in wahrlich großer Zahl!
    Auch blieb es nicht bei einem Mal …“
    „So oft sahet ihr Gnus?!“
    „Naja, wir hatten kein Wahl!
    Den meisten sind ja Gnus egal –
    Drum wundert fast Ihr anormal-
    Es Fragen nach den Gnus?!“
    „Ja, wissen Sie – ich bin so einer
    Nach dem fragt für gewöhnlich keiner
    Drum solidarisier‘ ich mich
    Mit einem Tier, das so wie ich!
    Dann frag‘ ich das Unfragenswerte
    Grad so, als ob es mich was scherte.“


  • Neptunbrunnen München & das neunhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Neptunbrunnen im Alten Botanischen Garten

    Nachwuchsförderung

    Die Liebe, die Liebe, die körperliche Liebe
    Ist der baumelnde Hoden im Schritt der Religion
    Wie gerne verböt‘ man das In-sich-Geschiebe
    Und mit ihm der Sünde allmächtigen Thron!

    Da Gott ja auch weiß, wie es is‘
    Schloss er den stillen Kompromiss:

    Wenn’s euch so unabdingbar drängt
    Zu rammeln wie die Tierchen –
    Sei gleich, wer da wo seinen Pimmel versenkt –
    Nur füllt mir meine Kirchen!


  • Alter Botanischer Garten & das neunhundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Neptunbrunnen im Alten Botanischen Garten

    Wahre Werte

    Ein oft geteilter Tweet, mein Spatz
    Taugt leider nicht als Gliedersatz!
    Auch sechs Millionen YouTube-Klicks
    Entbehr’n der Echtheit eines Ficks!

    Der Mensch, er kann sich nicht entsinnen
    Du spürst es ganz tief in dir drinnen!


  • Warschauer & das neunhundertdreiundzwanzigste Gedicht

    S-Bahnhof Warschauer Straße

    U-Bahnvibe und Unterleib

    An dem untersten Ende der Fahrgästerücksicht
    Steh’n die rollkofferzieh’nden Touristen
    Für die geht man sowas von nicht-aus-dem-Weg
    Denen funkelt es zu: „Bei der nächsten Begeg-
    Nung werd’n wir eure Bauchnäbel fisten!“

    Doch am untersten Ende der Fahrgästerücksicht
    Muss keiner sich langfristig quälen
    Und wird daheim vom roughen Charme
    In dem Berliner U-Bahndarm
    Fast süffisant erzählen


  • Berliner Sommer & das neunhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Berliner Sommer am S-Bahnhof Landsberger Allee

    Berlin kann kein Sommer

    Berlin ist im Sommer immer so hilflos
    Und sieht dabei oft scheiße aus
    Stolziert dann umher wie’n williger MILFschoß
    Und pfeift sich selbst nach: „Heiße Maus!“

    Hier dörrt jeder Grashalm ’n Spürchen zu schnell
    Und verkleidet sich manch Mensch zu mutig
    Hier staubt hohle Wärme ’n wenig zu grell
    Ist das Grillgut ein bisschen zu blutig

    Bei brüllendster Hitze wird romantisiert:
    Diese Stadt macht aus uns Sukkulenten!

    Berlin kann kein Sommer – dein Touristguide irrt
    Diesen Kram glaub’n hier nur die Studenten


  • Potsdamer Platz & das neunhunderteinundzwanzigste Gedicht

    Potsdamer Platz

    Potsdamer Platz (und ein, zwei Gedanken über eine Namensänderung)

    Potsdamer Platz, Potsdamer Platz
    Auf dich reimt sich eig’ntlich nur Kotzalarm, Schatz!

    Wie: „Ach, da schau ma‘ her, hey – das wusst‘ ich ja nich!“
    Mensch, Platz, dafür braucht’s auch ’nen Dichter wie mich
    Wie: „Toll, aber fällt dir nichts Schöneres ein?“
    Nun, Kotzalarm, Schatz! kann so schlecht ja nicht sein
    Impliziert doch der Reim: Da sind zwei, die noch fighten
    Für die Liebesbeziehung in schwierigen Zeiten

    „Mein Zielpublikum wird das wohl nicht so versteh’n …“
    Dann müssen wir beide am Endreim was dreh’n

    Hier kommt schon Teil Zwo: Gib Pföt’gen, Schatz!
    Und dich, dich nenn’n wa Klötgen-Platz!

    Einverstanden? „Ja, ok!“
    Ich glaub’s, wenn ich die Schilder seh’…


  • Salzach & das neunhundertneunzehnte Gedicht

    Salzach bei Burghausen

    Ripostegedicht auf das Liebe-Brauen-Blumen-Ghasel von Hafis

    Ohne Titel

    Mir wird so blumig
    Wenn beharrlich
    Deine Wimpern klimpern
    In einem Bett aus Blütenblättern
    Wär’s jetzt schön zu p….
    Nein, also bitte, das sag ich jetzt nicht!
    Wozu willst du mich denn da zwingen, Gedicht!?
    Ich wollte mit Versen auf Daunenpantoffeln
    Bloß morgentauzärtlich betropfen
    Was von Blütenstaubstempeln zu Früchten gereift
    Im Wunsch, meine Liebste zu st…
    Ach, Mensch, dieses Reimen bringt mich noch in Verruf!
    Aber das bin nicht ich, der solch Anstöße schuf!
    Ich wollt‘ nur leis preisen
    Die Brauen der Braut
    Gleich dem Flockengewölk unterm stahlblauen Himmel
    Und mit meines Schöpfers unendlicher Gnad
    Frohlockt nun mein vorfreudigst bebender …
    Ach, vollkommene Ruh – da ich neben dir döse
    Benebelt vom rosigen Duft deiner …
    Ich will Schwüre in Rinden
    Von dir schwärmend ritzen
    Und unentwegt mit Sper… spr… …

    Warum nur trifft heut meine Reime
    Die volle Wucht der Unzuchtkeime?!
    Ich hatte ja wirklich nur Reinstes im Sinn!
    Alleine der Reim trieb mich immer wo hin!

    Nun füg dich meiner Absicht, du schlimmes Gedicht
    Benimm dich gefälligst – sonst schreib ich dich nicht!


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