Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Alter Botanischer Garten & das neunhundertfünfundzwanzigste Gedicht

    Neptunbrunnen im Alten Botanischen Garten

    Wahre Werte

    Ein oft geteilter Tweet, mein Spatz
    Taugt leider nicht als Gliedersatz!
    Auch sechs Millionen YouTube-Klicks
    Entbehr’n der Echtheit eines Ficks!

    Der Mensch, er kann sich nicht entsinnen
    Du spürst es ganz tief in dir drinnen!


  • Warschauer & das neunhundertdreiundzwanzigste Gedicht

    S-Bahnhof Warschauer Straße

    U-Bahnvibe und Unterleib

    An dem untersten Ende der Fahrgästerücksicht
    Steh’n die rollkofferzieh’nden Touristen
    Für die geht man sowas von nicht-aus-dem-Weg
    Denen funkelt es zu: „Bei der nächsten Begeg-
    Nung werd’n wir eure Bauchnäbel fisten!“

    Doch am untersten Ende der Fahrgästerücksicht
    Muss keiner sich langfristig quälen
    Und wird daheim vom roughen Charme
    In dem Berliner U-Bahndarm
    Fast süffisant erzählen


  • Berliner Sommer & das neunhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Berliner Sommer am S-Bahnhof Landsberger Allee

    Berlin kann kein Sommer

    Berlin ist im Sommer immer so hilflos
    Und sieht dabei oft scheiße aus
    Stolziert dann umher wie’n williger MILFschoß
    Und pfeift sich selbst nach: „Heiße Maus!“

    Hier dörrt jeder Grashalm ’n Spürchen zu schnell
    Und verkleidet sich manch Mensch zu mutig
    Hier staubt hohle Wärme ’n wenig zu grell
    Ist das Grillgut ein bisschen zu blutig

    Bei brüllendster Hitze wird romantisiert:
    Diese Stadt macht aus uns Sukkulenten!

    Berlin kann kein Sommer – dein Touristguide irrt
    Diesen Kram glaub’n hier nur die Studenten


  • Potsdamer Platz & das neunhunderteinundzwanzigste Gedicht

    Potsdamer Platz

    Potsdamer Platz (und ein, zwei Gedanken über eine Namensänderung)

    Potsdamer Platz, Potsdamer Platz
    Auf dich reimt sich eig’ntlich nur Kotzalarm, Schatz!

    Wie: „Ach, da schau ma‘ her, hey – das wusst‘ ich ja nich!“
    Mensch, Platz, dafür braucht’s auch ’nen Dichter wie mich
    Wie: „Toll, aber fällt dir nichts Schöneres ein?“
    Nun, Kotzalarm, Schatz! kann so schlecht ja nicht sein
    Impliziert doch der Reim: Da sind zwei, die noch fighten
    Für die Liebesbeziehung in schwierigen Zeiten

    „Mein Zielpublikum wird das wohl nicht so versteh’n …“
    Dann müssen wir beide am Endreim was dreh’n

    Hier kommt schon Teil Zwo: Gib Pföt’gen, Schatz!
    Und dich, dich nenn’n wa Klötgen-Platz!

    Einverstanden? „Ja, ok!“
    Ich glaub’s, wenn ich die Schilder seh’…


  • Salzach & das neunhundertneunzehnte Gedicht

    Salzach bei Burghausen

    Ripostegedicht auf das Liebe-Brauen-Blumen-Ghasel von Hafis

    Ohne Titel

    Mir wird so blumig
    Wenn beharrlich
    Deine Wimpern klimpern
    In einem Bett aus Blütenblättern
    Wär’s jetzt schön zu p….
    Nein, also bitte, das sag ich jetzt nicht!
    Wozu willst du mich denn da zwingen, Gedicht!?
    Ich wollte mit Versen auf Daunenpantoffeln
    Bloß morgentauzärtlich betropfen
    Was von Blütenstaubstempeln zu Früchten gereift
    Im Wunsch, meine Liebste zu st…
    Ach, Mensch, dieses Reimen bringt mich noch in Verruf!
    Aber das bin nicht ich, der solch Anstöße schuf!
    Ich wollt‘ nur leis preisen
    Die Brauen der Braut
    Gleich dem Flockengewölk unterm stahlblauen Himmel
    Und mit meines Schöpfers unendlicher Gnad
    Frohlockt nun mein vorfreudigst bebender …
    Ach, vollkommene Ruh – da ich neben dir döse
    Benebelt vom rosigen Duft deiner …
    Ich will Schwüre in Rinden
    Von dir schwärmend ritzen
    Und unentwegt mit Sper… spr… …

    Warum nur trifft heut meine Reime
    Die volle Wucht der Unzuchtkeime?!
    Ich hatte ja wirklich nur Reinstes im Sinn!
    Alleine der Reim trieb mich immer wo hin!

    Nun füg dich meiner Absicht, du schlimmes Gedicht
    Benimm dich gefälligst – sonst schreib ich dich nicht!


  • Wöhrsee & das neunhundertfünfzehnte Gedicht

    Wöhrseebad Burghausen

    Gen Ezareth

    Klar, kann ich auch übers Wasser geh’n
    Und jedweden Fluss wie ein Laufband besteh’n!

    Doch besser
    Gefällt mir in puncto Gewässer
    Die Option, darin nackig zu schwimmen

    Biste eher so einer, der von oben erlöst?
    Oder mehr wer, der sich zum Vergnügen entblößt?

    Das mag jeder selber bestimmen


  • Hans Sachs-Brunnen & das neunhundertachte Gedicht

    Nürnbergs Hans Sachs-Brunnen/Ehekarussell (auch Ehebrunnen genannt)

    Nich‘ gern geseh’n (Du und Deine Danebenbenehmenpläne!)

    Zügel‘ Dich, Du Wüterich!
    Zürne nich‘ und richte Dich
    Nach hier eingelebten Regeln,
    Die die Akzeptanz von Flegeln
    Ganz gewisslich
    Niemals, nie, nich‘
    Wohlgefällig inkludieren –
    Kannst es ruhig ausprobieren!
    Aber dann beschwer‘ Dich nich‘ …
    Besser noch: Entferne Dich!


  • Französischer Garten & das neunhundertsechste Gedicht

    Celle, Französischer Garten

    Der Übrigen Weg

    Und fragt dich – vor einen Spiegel gestellt
    Wolltest du nicht etwas mehr von der Welt?

    Naja, egal – es hat das Leben
    Schon frühzeitig dich aufgegeben
    Der übrigen Bewerber wegen
    (hat nicht nur an dir gelegen!)

    Doch eh du uns vor Neid erblasst
    Genieß, dass du schon Freizeit hast!


  • Passform & das neunhundertzweite Gedicht

    Bild 23

    Neu? Steht dir!

    Die Deckenbeleuchtung der Shoppingauslagen
    Wrang possierlich ein Lächeln aus deinem Gesicht

    Wie lang schikanierte dich Outfit-Verzagen?
    Nun erlöst dich die Zärtlichkeit textiler Schicht

    Und rundum erneuert begrüßt dich dein Leben
    Mit Engelsfanfarentriumphmärschebeben

    Die Passform schmiegt siegreich sich um deine Lenden

    Oh, alles – ja, alles – wird sich nun wenden!


  • Ernte & das neunhundertste Gedicht

    Frühlingsgemüse

    Was ist Liebe?

    Was ist Liebe?
    Das ist ein dreiviertel Body
    Der sich autonom nennen muss

    Was ist Liebe?
    Das ist so ’ne zweidrittel Party
    Ist „Geht ja auch ohne dich, irgendwie“-Stuss

    Was ist Liebe?
    Das ist etwas, das sich mächtigstens wehrt
    Wenn wer’s mit Gedichten so schmächtig entehrt

    Was ist Liebe?
    Ein Austausch von traulichen Blicken
    Ein Bau aus verstetigtem „Komm, lass ma ficken!“


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


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