Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Sie setzten sich so, dass ich gar nichts mehr seh –
Sie halten sich wohl für ’ne Aussicht!?
Und mich für Ihr Instagram-Fangirl in spe?
So hör’n Sie: Das bin ich durchaus nicht!
Sie sind zwar von reiner Durchschaubarkeit beim
Notorischen Selfie-Posieren –
Doch fehlt meinem Blick nun ein brauchbares Heim
Im schambloßen Schlachtfeld der Ihren!
Ich möcht‘ nicht, dass du dich mit mir hier vergleichst,
Da mich solche Nähe bedreckt!
Ich gönn‘ dir, dass du deine Ziele erreichst,
Eh weiterer Anspruch verreckt,
Doch gibt’s ’nen Klassenunterschied,
Durch den man keine Trasse zieht:
Meine Geltung – das ist doch der Abstand zu dir!
Gleich dem Grenzziehungszwang zwischen Menschen und Tier!
Hey, ich überroll‘ dich bei allen Vergleichen!
Wer wickelt denn, bitte, sein Baby in Windeln?!
Legt’s dann in ’ne Krippe – den Tieren zum Fraß!?
Läuft das unter gängigem Fanmob-Beschwindeln,
Als Aufsteigermythos des späteren Stars?!
Du schmiegst dich hinweg mit ’ner Beiläufigkeit,
Als ging es dir hier um die Geste allein.
Und seicht weht der Hauch einer Zugeneigtheit,
Die niemals im Dienenden mündet, oh nein –
Dies Bündnis beruht auf dem Öffnen von Dosen,
Auf wunschpunktgenau einstudiertem Liebkosen,
Wo ein Geschnurr mir nur quittiert:
Da fühlt sich jemand wohldosiert.
Aus eingeschnappten Schnauzen schnellen
Tsunamis von Empörungswellen
Zunehmend scheugeklapptem Wütens
Und neubewusstem Trutztrotz-Brütens.
Mit Charme sich dem entgegenstellen?
Eh wir, verarmt in Ausdruckszellen,
Uns anstandswauwauend bescheiden
Und Freiheitsbeschneidung erleiden?
Unbedingt.
Bloß sollten wir niemals partizipieren am Müll
Mit Patriarchats-Partisanen-Gebrüll,
Uns auch am falschen Weg verschulden –
Die wahre Tugend heißt Erdulden!