Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Bauerntheater & das zweitausendeinhundertsiebenundsiebzigste Gedicht

    Im Bauerntheater Schliersee

    Im Dialektischen

    Ein Dialekt versteckt sich nicht,
    Er spreizt vielmehr die Beine –
    Es tollt hinter der Hymenschicht,
    Doch Wegweiser gibt’s keine!

    Die Tourist-Info weiß sehr viel,
    Nur kann sie’s dir nicht sagen –
    Betrachte du ihr Zungenspiel
    Und stell dir selbst die Fragen!


  • Goldelse & das zweitausendeinhundertfünfundsiebzigste Gedicht

    Blick auf die Siegessäule bei der Solidaritätsdemonstration mit den Protesten im Iran

    Also, … (Drei Erklärungen meiner vermeintlichen Uneindeutigkeit auf Slam-Bühnen)

    – 1 –
    Oftmals werd’n große Themen und Fakten besprochen,
    Um sie dann bloß in Schemen ad acta zu lochen.

    – 2 –
    Klar, sind manche Essenzen unendlich verkeimt –
    Aber zu Selbstverständliches wird nicht bereimt.

    – 3 –
    Effektiv reift nur Beahnendes
    In tiefgreifend Gemahnendes.


  • Tölendenkmal & das zweitausendeinhundertzweiundsiebzigste Gedicht

    Zinneken Pis in Brüssel

    Schwabinger Schlachtruf

    Wir wollen die Enormen sein,
    Man zwängt uns nicht in Formen rein!

    Man kriegt uns nicht bedingungslos,
    Wir sind vor allen Dingen groß!
    Wir sind wie Frau von Reventlow:
    In München ein Event und Show!

    Wir wollen uns enorm erheben!
    Als hätt’s dies nie zuvor gegeben …


  • Cervantes & das zweitausendeinhundertsiebzigste Gedicht

    Don Quichotte und Sancho Pansa am Brüsseler Zentralbahnhof

    Wahl der Waffen

    Nimm gern nach abstrusestem Stänkern
    Im Schoß meiner Großmutlust Platz!
    Gern schütz ich dich dort vor den Henkern,
    Bin Schurz dir und Trutze der Hatz.

    Doch Großzügigkeit ist ein Geben,
    Das dringt auf des Nehmenden Wert!
    Zieh‘n sich nur aus Selbstsucht die Gräben,
    Hast du all dein Wüten entehrt.


  • Messe Brüssel & das zweitausendeinhundertneunundsechzigste Gedicht

    Messegebäude am Heysel Park

    Ein Bremshöckersingsang

    Bring mir aus tränenreichen Tagen
    Gern was zu heulen mit
    Und schlag’s mir kräftig auf den Magen –
    Den halten Beulen fit!

    Verdorben klingt das heile Weltchen
    Und liegt im Klee sich wund –
    Ich dusch im Sorgsog, feile Fältchen
    Und träum den Schnee mir bunt.


  • Festbeleuchtung & das zweitausendeinhundertachtundsechzigste Gedicht

    Das Atomium bei Nacht

    Ripostegedicht auf gleich drei vom Publikum gewünschte Ursprungstexte: „Oktoberfest 100 Jahre“ von Ludwig Thoma, „Was ich habe, will ich nicht verlieren“ von Thomas Brasch und das anonym verfasste „hic liber est mein“ aus dem 18. Jhd.

    Oktoberfest 187 years, aber

    It’s raining all day cats und Hunde, aber
    I don’t care und dreh a Runde, aber
    I neverever drank my Maß im Steh’n, aber
    So far i have no free’et Plätzchen geseh’n, aber
    The price for a beer is too high zum Verwässern, aber
    The weather refrains from mal endlich Verbessern, aber
    As soon as the people stand up on the Bierbank
    Entstehender Zwischenraum frohlockt auch dir, Frank! Aber
    The music is boring and absolute fad, aber
    To wish the song „Layla“ erscheint mir too hart (to be honest) aber
    After two year’s break this song’s the einzige Chance
    For an alle verpflichtenden Bierbänketanz, aber
    To sing this song eckt echt rebellious an –
    We’re fast like the awesome young girls im Iran, aber bei uns heißt’s
    Nach ProTEST ProSIT der Gemütlichkeit
    Coronavir’nempfangsbereit (feel free)
    Denn we all came here trotz cough and nies’n
    Auf a covidliche Wies’n!


  • Design Museum & das zweitausendeinhundertsechsundsechzigste Gedicht

    Sammlung von Plastik Verzierungen im Brüssler Designmuseum

    Pommespsalm

    So gab uns Gott in seiner Güte
    Jesus und die Pommestüte.

    Doch Jesus lebt ja nun nicht mehr
    Und deshalb gab uns Gott, der Herr,
    Auch jene Frau, die unbeirrt
    Am Pommesstand für uns frittiert.

    Sind wir auch tieftaligst umtost,
    So spendet Mayonnaise Trost,
    Wenn reich sie über Fritten läuft,
    Alsbald das Fett im Fett ersäuft,

    Auf dass dies unsern Hunger stille,
    Denn alles das ist Gottes Wille!


  • Brüssler Fassaden & das zweitausendeinhundertfünfundsechzigste Gedicht

    Eine von unzähligen Comic-Fassaden in Brüssel

    Allein vorm Bistro

    Die Muße zum Mut zu Gemütlichkeiten
    Muss ohne dein Zutun ich müd unterschreiten,
    Denn ohne dein Zutun komm ich nicht dazu:
    Der Gütigkeit Gründe bist immerzu du!


  • Granitbewuchs & das zweitausendeinhundertzweiundsechzigste Gedicht

    Bewuchs der Granitfelsen bei Vardo

    Eine lyrische Transformation als kuba-schwabinger Übersetzung der Texte der Dichterin Luz de Cuba

    Alle Lieben in einem Leib (Todo en un solo cuerpo)

    Denk ich an Liebe in der Nacht,
    Fragt mich meine Muse, ob ich je bedacht,
    Welche der Lieben – soweit mir bekannt,
    Sei die bekrönenswert schönste im Land.

    Nun, alle sind die Schönsten hier. Und überall!
    Bei mancher sind männliche Mienen der Fall,
    Der sie antreibt zum Himmelsritt über die Sterne,
    And’re seh’n den Poem einer Weiblichkeit gerne,
    Mal ist’s Heftigkeit, wonach die Hüften begehren,
    Mal sind’s Scham, Brüste, Straffheit, die alles verzehren.
    Und doch ist es nicht mehr als ’ne Wahl, die man traf,
    Einer Vorliebe, die keiner Wertung bedarf.

    Um im gleichen Recht auf Liebe zu koexistieren,
    Lasst uns nun gemeinsam zum Kreuzzug marschieren,
    Die patriarchalen Strukturen planieren,
    Die Mauern der sturen Zensur ruinieren!

    Wir sind Feministen, Dissidenten, ein Heer –
    Und die Zügel der Zeit sollen brennen!
    Lesben, schwarz, Prostituierte und mehr –
    In aller Verschiedenheit nicht mehr zu trennen:

    Ein Leib einer Zukunft auf wertem Niveau!
    Go women, go! Go women, go!


  • Malecón & das zweitausendeinhunderteinundsechzigste Gedicht

    Am Malecón in Havanna

    Eine lyrische Transformation als kuba-schwabinger Übersetzung der Texte der Dichterin Luz de Cuba

    Prächtige Lady (Suntuosa Dama)

    Du sperrst dich immer noch unverschämt gegen die Zeit,
    Doch bist stets für Besucher zu lächeln bereit
    Und küsst sie mit wispernden Winden vom Meer,

    Unter Gittern von Balkonen, vor barocker Fassade 
    Und im tiefsten Innern pocht dein Herz vor Begehr-
    En derer, die innig dich lieben, nur schade:

    Sie werden dich verlassen, Havanna,
    Oh du prächtige Dame, Havanna!

    Ich liebe dich mit aller Verbundenheit,
    Von Geburt an Kokon, Brut von Freude und Leid.
    Durch Buntglasfenster geschienene Blüten,

    Zum Seufzen der Menschen, der Pflastersteinmythen
    Einer Palme, die unter den Sturmböen ächzt.
    Das kristallklare Meer, das türkisfarben lechzt,

    Flüstert Sprichwörter reizvollster Intensität,
    Wenn verführerisch lächelnd dein Mondschein verweht
    Alle Nebel, was mich zum Bolero einlädt 

    Im Regen von Sternen, Gestirnen, gedreht
    Fallen Drosseln, Kolibris, Hügelketten,
    Verführerisch lächelnd, mich in Dir zu betten,

    Du Schöpferin von solchen tropischen Reizen,
    Ohne dabei mit Gefühlen zu geizen,
    Havanna, oh meine prächtige Lady,

    Havanna, Havanna, Havanna!


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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