Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Wem man so alles im Garten begegnet. Das tatsächlich lauteste Tier der Welt. Versammelt sich jeden Morgen um halb Acht neben meiner Hütte und grölt.
Brüllaffe (Punks not dead)
Du musst nicht gut sein, aber laut
Wer hätte dir das zugetraut
Dass all die streng gesetzten Hürden
Dich gar nicht int’ressieren würden?
(Derweil sie denken, du kannst nicht versteh’n
Hangelst du dich von der Acht auf die Zehn)
Und mosert wer: „Ganz schön bequem!“ – sagst du: „Nein
Die Lautstärke Halten kann anstrengend sein!“
Wo And’re von And’ren Gelehrtes verwalten
Musst du stetig Nichts zu was Großem gestalten
Und immer gibt’s wieder ein Nie-mehr-Zurück
Kein Arzt wird uns je eine Rückkehr verschreiben
Quer über die Welt verstreut liegt altes Glück
Und unwiederholt wird es dort fortan bleiben
Ich mach nicht drei Kreuze, ich mach nicht mal eins
Ich bin hier beim Abendmahl wegen des Weins
Doch kann ich mir auch nach drei Bier nich erklär’n
Wieso, irgendwie, wenn die Kirchen nich wär’n
Den Städtebesuchen ein Ankerpunkt fehlte
Den vorher vermutlich dies Bauwerk beseelte
Das all dem Gequake befehligt zu schweigen
Denn es spiel’n nicht die Menschen, es spielen die Geigen
Wir schlendern umher wie durch sichere Zeiten
Als würd die Verlässlichkeit niemals gestutzt
Wir geben uns achtlos, wir schreiten und gleiten
Und selbst die Galoschen sind immer geputzt
Polizei und auch Policen
Blieben immer ungenutzt
Wir, die wir uns sorglos hießen
Haben jeder Angst getrutzt
Was für uns gegolten
Gilt schon längst nicht mehr
Unreinheit und Wolken
Reimen immer näh’r
Narrenhände
Schreiben schon
Unser Ende
In ihr Droh’n
Keiner
Sah
Die Ge-
Fahr
Wir schlendern umher wie durch sichere Zeiten
Als würd die Verlässlichkeit niemals gestutzt
Wir geben uns achtlos, wir schreiten und gleiten
Und selbst die Galoschen sind immer geputzt
Ständig ruft die Stadt mir zu:
„Oller Stubenhocker, du!
Wir schwurbeln rum im Trubelzwang
Und du, du streunst nur stumm hier lang!“
Gelingt’s mir noch, mich auf die Gassen
Gar auf die Gässchen einzulassen?
Die Auslagen sind …interessant
Zum Einstieg viel zu unbekannt
Und letztlich schafft die fremde Sprache
Fast mätzchenhaft ’ne Zugangsbrache
Und doch – das wird sich integrieren
Einfach immer reinspazieren…!
Heißt der alte Fluss dich noch immer willkommen?
Strahlt die Sonne nach hierhin doch stärker vertraut?
Wieviel deines Muts hat die Zeit dir genommen?
Was ist als Erinnerung sicher verstaut?
Welcher Urinstinkt hat sich im Fels eingenistet
Und verharrt widersagend dem Erdkugeldreh’n?
Welche Comeback-Optionen sind zeitlich befristet?
Welche Änderung meuchelt das Wiederversteh’n?
Du stellst zweihundert Fragen – und der Fluss hört nicht zu
Denn wie tief du hier eintauchst, weißt ausschließlich du
Die wenigsten Autos fahr’n abends umher
Und die wissen auch nicht, warum
Ein Mindestmaß an Stadtverkehr –
Das muss wohl sein – Brummbrumm!
Die wenigsten Menschen sind jetzt noch zu seh’n
Und die wissen auch nicht, wohin
Und wenn niemand hinsieht, dann bleiben sie steh’n
Und wispern: „Macht eh keinen Sinn …!“
Fast jede Uhr lügt, es sei grad erst halb sieben
Ich fühl mich wie von einem Jetlag zerrieben
Will wenigstens noch’n Gedicht drüber schreiben
Doch dann sag ich sachte mir: Komm, lass es bleiben!