Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Nach einem Resthauch Eleganz
Späht’s aus dem alten Leib
Ich wed’le ihn zum Zeitvertreib
Durchs erste Meer von Ranz
Doch die Sonne in Wintern bleibt nie lang
Da empfiehlt’s sich, man hängt sich an Treues
Kein Januar schenkte uns je wirklich Neues
Alles geht seinen stetig verlangsamten Gang
Was bleibt am Ende von ’nem Jahr
Das anders als die andern war?
Buckelwale und Lemuren
Hinterließen ihre Spuren
Aras, Fahrradfahrten, Strände
War’n ein Paradiesgelände
Metropolen, Lieblingsstädte
Klar, ich wünschte mir, ich hätte
Etwas mehr Zeit dort verbracht
Als 1 Tag und eine Nacht
So fiel jeder Abschied schwer
Dafür, Slam, mein Dankesehr!
Und alle haben hier ein Boot
Zumindest im Gedanken
Poetisch preist der Entenkot
Die Ahnen, die ertranken
Und immer fährt wer weit hinaus
Um irgend Glück zu finden
Und lässt zurück ein leeres Haus
Um das die Wellen winden
Das Beobachten ist uns als Wesenszug eigen
Wir verfolgen die Pegel bei Regenguss
Halten Ausschau danach, welche Schiffe sich zeigen
Nur so bleibt man einer der Menschen am Fluss
Das meiste der Welt findet hier gar nicht statt
Ich bekomm‘ hier noch nicht mal ’n Handysignal
Und doch gibt’s hier Arten und Daseinsdruck satt
Erscheint ob der Vielfalt so vieles egal
Bald werd‘ ich mich wieder bei Facebook einloggen
Mir für einen Link-Wink die Seele ausbloggen
Als hätt‘ ich es nicht hier – fast schwelgend – genossen
Den Wellen zu lauschen
Dem schäumenden Rauschen
Im Off von den Strömen der Daten umflossen
… – da sahen wir ein Paar Tiere
Zwar irg’ndwie erwartbar, schrie’s in mir: „Tapire!“
Ich konnt‘ sie vor mir atmen seh’n!!!
Und mehr ist dann auch nicht gescheh’n
Doch der Umstand, wie nah mir der Tapir war
Schien fast zu erfordern, dass sonst nichts geschah
Uns hätt‘ ein Szenario, das besser bewacht
Wohl niemals so nah zueinander gebracht
So dass ich als das, was ich darf, akzeptiere
Ein ganz knapp vorm Dasein im Schlaf der Tapire
Manchmal ist ein großes Ziel
Im Erreichtsein sehr subtil
Zurück am Entstehungsort meines Gedichts „Hinten im Korn“ – elf Jahre später.
Die Saat
Ich hab mich elf Jahre vom Kornfeld ernährt
Nun kehr‘ ich zu den Ähren zurück
Manch Saatgut hat sich ohne Frage bewährt
Doch da scheint mir noch Spielraum zum Glück
Das Kornfeld ward unlängst ein Teil vom Ressort
Dass kein Schwede hier weilt, ist ein Fakt ohne Ziel
Die Mähdrescherkunst brachte manches hervor
Ich vermiss‘ nicht mal selbst mehr den fehlenden Stil
Bevor wir uns willig im Reststroh verlieren
Aus reiner Folklore die Blickwinkel wenden
Ruft der Ort: „Alles fertig zum Umorientieren!“
Um all das Gemähe nun auch zu beenden
Ich hab mich elf Jahre vom Kornfeld ernährt
Doch nun ist die Saat wirklich restlos verzehrt
Es gibt diese wunderbaren Orte ohne Netzzugang, an denen sich Gedichte verfassen, aber nicht online stellen lassen. Sie geben einem Zeit, durch die allmähliche Veröffentlichung des Zwischendurch-Verfassten die nächsten Tage zu füllen und zu überlegen, was mit diesem Blog eigentlich nach dem fünfhundertsten Gedicht geschehen soll.
Unerreichbar
Es gibt diese Zeilen, die der Leserschaft fehlen
Den Dichtern ein Schlupfloch der Biographie
Um unbewacht einmal davon sich zu stehlen
Die Nachwelt schreibt wissend: „Nein, dort war er nie.“
Es gibt dieses heimlich vom Hauptwerk Gelöste
Nichts Wegweisendes, jedoch kleine Juwelen
Und deren Schein trügt all das Facebook-Entblößte …
Das steht in den Zeilen, die still vergnügt fehlen!
Der Reggae-Gitarrero versucht auf’s Beste
Aufzuspiel’n zum Weihnachtsfeste
Mit ’nem Jingle Bells, das seinen Rhythmus nicht hält
Und immerfort in einen Off-Beat verfällt
Feliz Navidad und Marihuana
Tell the free men: Ick been Costa-Ricaner!
Ich wippe mit, gefallensblind
Bin mit Chuck Jesus Krippenkind
Gebt mir noch etwas Alkohol
Und stoßt mit an aufs Weihnachtswohl!
Ganz in Marias Schoß versunken
Stimm ich mit ein, schon großbetrunken: Three Little Birds und Gonna be alright
Frohe, frohe Weihnachtszeit!
Das Ende der Welt ist von hier nicht zu sehen
So bleibt dir nur, Leid um Leid weiterzugehen
Die Last wie einst Lust durch die Zeiten zu tragen
Und wenn’s soweit ist, wird’s dir irgendwer sagen