Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Erde

Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Schillerdenkmal & das fünfhundertneunte Gedicht

    Schillerdenkmal München

    Endlich ein Gedicht mit prominentem Herz/Schmerz-Reim! Ich bremse für niemand.

    Der Einarmige

    Habe mich im Netz verfangen
    Und zu weit von dir entfernt
    Trübnis, die wir niederrangen
    War da wieder schnell erlernt

    Was an kleinen Toden das Leben bestichelt
    Entspringt oft der eigenen Hand
    Die, bis zur Schulter abgesichelt
    Ich nachts im Keller fand

    Wir geben oft mehr als wir müssten
    Ersparen uns auch keinen Schmerz
    Verschwenden die Zeit so, als wüssten
    Wir nicht um das eigene Herz


  • Wilder Kaiser & das fünfhundertsiebte Gedicht

    Wilder Kaiser

    Nach dem Vorsatz

    Nach einem Resthauch Eleganz
    Späht’s aus dem alten Leib
    Ich wed’le ihn zum Zeitvertreib
    Durchs erste Meer von Ranz

    Doch die Sonne in Wintern bleibt nie lang
    Da empfiehlt’s sich, man hängt sich an Treues
    Kein Januar schenkte uns je wirklich Neues
    Alles geht seinen stetig verlangsamten Gang


  • Silvesterjetlag & das fünfhundertste Gedicht

    Buckelwal vor Maui

    Ein Jahr (Slam-Danking)

    Was bleibt am Ende von ’nem Jahr
    Das anders als die andern war?

    Buckelwale und Lemuren
    Hinterließen ihre Spuren
    Aras, Fahrradfahrten, Strände
    War’n ein Paradiesgelände
    Metropolen, Lieblingsstädte
    Klar, ich wünschte mir, ich hätte
    Etwas mehr Zeit dort verbracht
    Als 1 Tag und eine Nacht
    So fiel jeder Abschied schwer
    Dafür, Slam, mein Dankesehr!


  • Tortuguero & das vierhundertneunundneunzigste Gedicht

    Tortuguero River

    Menschen am Fluss

    Und alle haben hier ein Boot
    Zumindest im Gedanken
    Poetisch preist der Entenkot
    Die Ahnen, die ertranken

    Und immer fährt wer weit hinaus
    Um irgend Glück zu finden
    Und lässt zurück ein leeres Haus
    Um das die Wellen winden

    Das Beobachten ist uns als Wesenszug eigen
    Wir verfolgen die Pegel bei Regenguss
    Halten Ausschau danach, welche Schiffe sich zeigen
    Nur so bleibt man einer der Menschen am Fluss


  • Nullbalkenparadies & das vierhundertsiebenundneunzigste Gedicht

    Rincon Playa

    Null Balken Ewigkeit

    Das meiste der Welt findet hier gar nicht statt
    Ich bekomm‘ hier noch nicht mal ’n Handysignal
    Und doch gibt’s hier Arten und Daseinsdruck satt
    Erscheint ob der Vielfalt so vieles egal

    Bald werd‘ ich mich wieder bei Facebook einloggen
    Mir für einen Link-Wink die Seele ausbloggen
    Als hätt‘ ich es nicht hier – fast schwelgend – genossen
    Den Wellen zu lauschen
    Dem schäumenden Rauschen
    Im Off von den Strömen der Daten umflossen


  • Sirena & das vierhunderteinundneunzigste Gedicht

    Tapirmutter mit Jungem im corcovado NP

    Wem man so am Strand begegnet.

    Im Tapirquartier

    … – da sahen wir ein Paar Tiere
    Zwar irg’ndwie erwartbar, schrie’s in mir: „Tapire!“
    Ich konnt‘ sie vor mir atmen seh’n!!!

    Und mehr ist dann auch nicht gescheh’n

    Doch der Umstand, wie nah mir der Tapir war
    Schien fast zu erfordern, dass sonst nichts geschah
    Uns hätt‘ ein Szenario, das besser bewacht
    Wohl niemals so nah zueinander gebracht

    So dass ich als das, was ich darf, akzeptiere
    Ein ganz knapp vorm Dasein im Schlaf der Tapire

    Manchmal ist ein großes Ziel
    Im Erreichtsein sehr subtil


  • Poor Man’s Paradise & das vierhundertneunundachtzigste Gedicht

    Rincon Playa

    Zurück am Entstehungsort meines Gedichts „Hinten im Korn“ – elf Jahre später.

    Die Saat

    Ich hab mich elf Jahre vom Kornfeld ernährt
    Nun kehr‘ ich zu den Ähren zurück
    Manch Saatgut hat sich ohne Frage bewährt
    Doch da scheint mir noch Spielraum zum Glück

    Das Kornfeld ward unlängst ein Teil vom Ressort
    Dass kein Schwede hier weilt, ist ein Fakt ohne Ziel
    Die Mähdrescherkunst brachte manches hervor
    Ich vermiss‘ nicht mal selbst mehr den fehlenden Stil

    Bevor wir uns willig im Reststroh verlieren
    Aus reiner Folklore die Blickwinkel wenden
    Ruft der Ort: „Alles fertig zum Umorientieren!“
    Um all das Gemähe nun auch zu beenden

    Ich hab mich elf Jahre vom Kornfeld ernährt
    Doch nun ist die Saat wirklich restlos verzehrt


  • Abwesenheitsnotiz & das vierhundertfünfundachtzigste Gedicht

    image

    Es gibt diese wunderbaren Orte ohne Netzzugang, an denen sich Gedichte verfassen, aber nicht online stellen lassen. Sie geben einem Zeit, durch die allmähliche Veröffentlichung des Zwischendurch-Verfassten die nächsten Tage zu füllen und zu überlegen, was mit diesem Blog eigentlich nach dem fünfhundertsten Gedicht geschehen soll.

    Unerreichbar

    Es gibt diese Zeilen, die der Leserschaft fehlen
    Den Dichtern ein Schlupfloch der Biographie
    Um unbewacht einmal davon sich zu stehlen
    Die Nachwelt schreibt wissend: „Nein, dort war er nie.“

    Es gibt dieses heimlich vom Hauptwerk Gelöste
    Nichts Wegweisendes, jedoch kleine Juwelen
    Und deren Schein trügt all das Facebook-Entblößte …

    Das steht in den Zeilen, die still vergnügt fehlen!


  • Calypso Christmas & das vierhundertachtzigste Gedicht

    Cahuita

    24. Dezember

    Der Reggae-Gitarrero versucht auf’s Beste
    Aufzuspiel’n zum Weihnachtsfeste
    Mit ’nem Jingle Bells, das seinen Rhythmus nicht hält
    Und immerfort in einen Off-Beat verfällt
    Feliz Navidad und Marihuana
    Tell the free men: Ick been Costa-Ricaner!
    Ich wippe mit, gefallensblind
    Bin mit Chuck Jesus Krippenkind
    Gebt mir noch etwas Alkohol
    Und stoßt mit an aufs Weihnachtswohl!
    Ganz in Marias Schoß versunken
    Stimm ich mit ein, schon großbetrunken:
    Three Little Birds und Gonna be alright
    Frohe, frohe Weihnachtszeit!


  • Punta Uva & das vierhundertsiebzigste Gedicht

    Punta Uva

    Fortsetzung folgt

    Das Ende der Welt ist von hier nicht zu sehen
    So bleibt dir nur, Leid um Leid weiterzugehen
    Die Last wie einst Lust durch die Zeiten zu tragen
    Und wenn’s soweit ist, wird’s dir irgendwer sagen


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