Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Erster Schneetag & das eintausendsechshundertsiebzehnte Gedicht

    Am Monopteros im winterlichen Englischen Garten

    Catwalkdog

    Das Los des ew’gen Nicht-Genugs
    Wurde dir in die Stirne massiert.
    Da sich die Welt in Re-Tweets misst,
    Bist du hier nie passiert!
    Die Welt ist ein Laufsteg –
    Nur du nennst sie Bühne,
    Betrachtest dein Abseits
    Als Teil einer Sühne

    Und betrittst jeden Pups-Club mit Unsicherheit.

    So lehrt die Kunst des Selbstbetrugs:
    Der Schwulst der Profiteure,
    Dass alles Arbeit war und ist.
    In Wahrheit gilt, ich schwöre:
    Die Welt ist ein Laufsteg –
    Man schminkt sie zur Bühne,
    Das mindert den Anreiz
    Für weniger Kühne.

    Und der DJ füllt unhinterfragbar die Zeit.


  • Licht I Wald & das eintausendfünfhundertvierundneunzigste Gedicht

    Lichtwald bei der Lichtaktion "Kunst verbindet" im Kunstareal München

    Wann Lasche abnippeln

    Und mit einem Mal weiß ich:
    Oh, 2030
    Ist doch sehr sehr fern
    Und würd ich auch gern
    Es lebenden Auges besehen,
    Muss sicherlich vorher ich gehen.

    Denn vor Geburtstag 62
    Rechne ich damit, es rächt sich
    Des Lebensrauschs Fülle
    An sterblicher Hülle.
    Dann wird’s nix mit mir und Jahr 2030 –
    Da kann ich mich auch nicht beschwer’n, Herr, das weiß ich.

    Andrerseits gibt’s Register,
    Die blieb’n ungezogen:
    Hatt‘ lebenslang Schiss vor zu heftigen Drogen –
    Und ein Achteljahrhundert nur Verse Verfassen
    Schafft auch wenig Zunder für’n ungesund krassen
    Lebenswandel.

    Hält dann vielleicht mein Daseinsbandel
    Doch noch in die Dreißiger?
    Fraglos freudlos, scheißiger.

    Und plötzlich Zweifel: Wird’s nich‘
    Doch eh’r 2040?


  • Blätterwald & das eintausendfünfhundertsiebzigste Gedicht

    Herbst im Olympiapark München

    Am Altpapiercontainer

    Am Container für Papier
    Wird’s Gemüt so trübe dir,
    Weil das, was in den Schacht du schiebst
    Und dem Vergessen übergibst,
    War von Gewicht zu deiner Zeit –
    Nun geht’s den Weg zur Nichtigkeit.

    All die sorgsam aufbewahrten
    News, Ideen und Heldentaten,
    „Boah!“s, die zum Bericht verdichtet,
    Journalistisch nachgerichtet,
    Menschen, die die Welt bewegten
    Und dein eignes Werden prägten –

    Was kurz als geltend galt, wird hier
    Zur Restressource Altpapier.

    Sehr wenige der mal gelesenen Zeilen
    Werd’n ewignah in der Erinn’rung verweilen –
    Es geht dein Gedächtnis so bald schon in Rente
    Und schluckt dann eiskalt selbst die schönsten Momente.
    Drum wird’s Gemüt so trübe dir
    Dort am Container für Papier.


  • Rosengartenzentaur & das eintausendfünfhundertsechsundsechzigste Gedicht

    Zentaur-Statue im Rosengarten der Borstei München

    Prekärer Rat

    Und wieder wird ein neuer Tag
    Nichts Lohnenswertes bringen,
    Nur sein Portiönchen Zahnbelag
    Aus alten Lappen wringen.
    Du putzt und putzt und putzt und putzt,
    Doch nichts wirkt echt gesäubert.
    Da jeder Tag nur schlecht genutzt-
    E Lebenszeit dir räubert.

    Ob dich das in den Selbstmord treibt?
    Ich wüsst‘ nicht, was dir sonst noch bleibt –
    Bedenklich wie bedenkenswert,
    Vielleicht wird’s ja gelingen?!

    Bevor sich unnütz Zweifel mehrt:
    Mehr wird der Tag nicht bringen!


  • Wauwaubau & das eintausendfünfhundertneunundfünfzigste Gedicht

    Bunte Hundekottüten gesehen in Essen-Überruhr

    Die Steiger und das Steigern

    Ich weigere mich couragiert!
    Wenn jeder Bürger Steiger wird
    Rückt bald der Ruf, den dies einst hatte
    Auf Stufe »Mir doch superlatte!«
    Scheint auch ein Steig zuweilen klein
    Du steigerst dich da in was rein!
    Denn hat es je wen int’ressiert
    Ob der Herr Ober Oberst wird?
    Der Maier wär’ maist lieber Mai
    Der Bayer beißt sich mit good bye
    Die Praia preist den Hermann Prey
    Der Geier Geist bleibt gerne gay
    Oh nein, das Heil vom Trottoir
    Liegt sicher nicht im Kompara-
    Tiv, da liegste schief, mein Jung’!
    Das kommt von der Versteigerung
    Und zeigt, wie weit man abgeirrt
    Wenn jeder Bürger Steiger wird!


  • Bergrücken & das eintausendfünfhunderteinunddreißigste Gedicht

    Wendelstein mit Wendelsteinkircherl

    Die Schulter-Nacken-Partie der Marilyn M.

    Die Schulter-Nacken-Partie von Marilyn Monroe
    Ist wie frühmorgendlich unbetretener Schnee …
    Welch Huldigung wagt sich an solch Perfektionsshow,
    Da allüberall singt der Sinne Juchhe!?

    Darf dein dürftiges Dasein solch Glorie erwarten,
    Die von Kameras für deinen Bildschirm geraubt?
    Wird dank jener Ansicht vom unbegrenzt Zarten
    Nicht erst an die Mächte der Götter geglaubt?

    Diese Rückenpartie der verzückten Beglückung
    Ist ein fast überfordernder Buttercremeschmelz!
    Drum braucht ihr Genuss eine Schling-Unterdrückung,
    Ein erdendes Mal des Nicht-von-dieser-Welts!

    Sonst wär‘ ich, meinem Blicke gleich,
    In Haut schon längst versunken
    Und all der süßen Pracht zu reich
    In Liebreizflut ertrunken.


  • Wusterhausen & das eintausendfünfhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Bahnhof von Wusterhausen (Dosse)

    Abendspaziergang durch Wusterhausen

    Der Dorfplatz erwartet sehr stumm noch Idylle,
    Da des Springbrunnens Vorfreude hüpft, unbeirrt.
    Ich schlend’re fast lautstark durch Frühabendstille,
    Süß umsummt von Gewissheit, dass nichts mehr passiert,
    Was klug ausgemessene Schönheit berühre,
    Die sich aus der kommoden Verlassenheit speist
    Und manche auf Immer geschlossene Türe
    Ob der Melancholie ihres Ausharrens preist.

    Wie lang kann das abweisend Raue verstecken,
    Eh ein zweiter Fontane den Zugang verrät?
    Wie nötig ist seinem Bestand ein Entdecken,
    Wie gewollt solcher Abstand zur Normalität?

    Der Dorfplatz verschluckt mich all diesen Gassen,
    Nur des Springbrunnens Unruhe löscht das Klischee.
    Die Straße der Schifffahrt scheint doppelt verlassen –
    Teil des Kleinods, umschlossen von Dosse und See.


  • Märchenwald & das eintausendfünfhundertzweiundzwanzigste Gedicht

    Märchenwald am Kyritzer See

    Als die Mutter

    Als die Mutter uns bat,
    Jetzt nach Hause zu kommen,
    Wär’n wir besser im Wald noch geblieben.
    Wir hab’n in der Tat
    Uns viel schlechter benommen
    In der Welt, die Vernünftige lieben.

    Wir waren so vertieft im Spiel,
    Dass wir keine Sekunde bereuten.
    Heut bist du ein Junkie, ich bibliophil –
    Mitten Dingen, die kurz nur bedeuten.

    Als die Mutter uns rief,
    Weil das Abendbrot warte,
    Wär’n wir besser am Waldrand verschollen.
    Weil, so wie es lief,
    Uns doch nur offenbarte:
    Wir sind zu verführbar im Wollen.


  • Zürichseemitte & das eintausendfünfhundertsiebzehnte Gedicht

    Wasserqualität Zürcher See

    An stets ereignislosen Tagen

    An stets ereignislosen Tagen
    Bin ich einfach Leim,
    Stell die abgenutzten Fragen,
    Such mir einen Reim.

    An ereignislosen Tagen
    Lob ich mir die Lieb
    Und verschöner‘ mein Versagen
    Wie ein falscher Dieb.

    An ereignislosen Tagen
    Denk ich nicht sehr weit –
    Muss den Dom nicht überragen
    (Hätt ich auch die Zeit)!

    Zu den hier beschrieb’nen Tagen
    Schleicht sich ein Gewöhnen,
    Um Gedanken und den Magen
    Würzfrei zu befönen.

    An stets ereignislosen Tagen
    Kraul ich Bruder Leim,
    Spür sein schnurriges Behagen
    Wie ein zweites Heim.


  • Love/Hate & das eintausendvierhundertzweiundsiebzigste Gedicht

    Love/Hate-Skulptur am Landesmuseum

    Säumiges

    Ach, ich gewahrte viel zu spät:
    War heut glatt ohne Schreibgerät
    Zum Dichten aufgebrochen!

    Schon kam da angekrochen:
    Ein lang vermisster Geistesblitz –

    Den in Ermanglung an Notiz
    Ich bis zu meiner Rückkehrstund
    (als bloß vom Glück bescherten Fund)
    Ins Hirn mir tätowierte,

    Derweil ich stur flanierte –

    Im Kopf nur diese eine Zeile
    Nebst meinem Willen, diese heile
    Noch zu Papier zu bringen.

    Es sollte mir gelingen.

    Doch der Vers, den ich brav hab behalten für Stunden,
    Wurd‘ dann schon recht bald für nicht tauglich befunden.

    Sein wahrer Wert war offenbar,
    Dass er so sehr gefährdet war.


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


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