Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Angelsaisonstart & das eintausendsechshundertsechsundachtzigste Gedicht

    Anglerboot auf dem Walchensee

    Fünfte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Corona-Plauze, Olivenschiffchen, Quetzal, Granteln, Gendersternchen, Wetten Dass und Reizarmut.

    Olivenschiffchen

    Wie viel Stück Olivenschiffchen
    Benötigt der Haushalt vom Menschenverstand?

    Eins, um stilecht aufzutischen,
    Ein weitres zur Pflege vom Faible für Tand,
    Zwei, um für beide Ersatz zu besitzen,
    Drei mit zur Fruchtgröße passenden Schlitzen –
    Von jenen empfiehlt’s sich, die gängigsten Farben
    (im besten Fall sechsfach) auf Vorrat zu haben!
    Und hat man mal keine Oliven im Haus,
    So zieht man sein schlitzloses Schiffchen heraus.

    Wenn nun jemand fragt: „So viel Schiffchen – weswegen?
    Ich esse Oliven vom Glas aus der Hand!“

    Es gilt, kleine Dinge als Schätze zu pflegen
    Als zwingende Vorschrift vom Menschenverstand.


  • Präsenteheimat & das eintausendsechshundertneunundsiebzigste Gedicht

    Geschäftsfassade in Bayrischzell

    Zum reifen Geburtstag

    Du hast ja schon recht oft Geburtstag gefeiert –
    Ich frag mich: Wann hast Du’s verlernt?
    Dass dich Dein „Ach, keine Geschenke!“-Geleier
    Von just jenen Zeiten entfernt,
    Da Dir sehr bewusst war: „Geburtstag?! Mensch, Klasse!
    Der Cäsar in der Resttagmasse!“

    Heut bettet ein Samtflor Dich fürsorglich,
    Flötet morgens die Amsel das erste „Für Dich!“ –

    Da solltest Du dich nicht lang schämen,
    Mit vollsten Händen anzunehmen!

    Bescheidenheit als Zier? Das rächt sich!
    Denn an dreihundertvierundsechzig
    Tagen ist Deine Geburt schnurzegal,
    Dann feiern fairerweise mal
    Die zahllosen anderen Leute.

    Aber du zählst (und zahlst) für uns ganz allein – heute!


  • Osterseepanorama & das eintausendsechshundertdreiundsiebzigste Gedicht

    Blick über den Großen Ostersee

    Vierte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Angst vor dem weißen Blatt, Discounter, Kratzbäume, Joggende, Porzellanservices und atomare Endlagerung.

    Joggende

    Man glaubt’s kaum, doch ich trau’s dir zu,
    Du fandst noch grad vorm Spiegel „Whooo!
    Ich schnittigflotter Sausewind
    Feg gleich durch alle Gassen!“
    Laut schreit dein Outfit „Gott ist blind“,
    Vom Mindestmaß verlassen.

    Jede Zeit hat ihr Debakel
    Von ästhetischer Natur –
    Bald huschst du als Gehweg-Makel
    Zum „Das geht echt gar nicht!“ pur.

    Magst du dich nicht hinbegeben,
    Wo man unverdächtig schwitzt?
    Eh durch das gepflegte Leben
    Ständig dein „Ich trau mich!“ blitzt?!
    Bürgersteige sind dem Sporte
    Selten zugeneigte Orte.


  • Höhepunkte & das eintausendsechshundertdreiundsechzigste Gedicht

    Am Starnberger See bei Schloss Possenhofen

    Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.

    Schulsport, Schwerpunktwahl: Gymnastik/Tanz

    Hab die Anmut mehrfach gebeten zum Tanz –
    Dass sie nicht lauthals lachte, war pure Kulanz.

    Mit Keulen, Ball, erst recht mit Band
    War ich so minderelegant!
    Und was ich überwand, war bloß
    Mein Stolz – „Was soll’s?!“ – und hemmungslos
    Gymnastikte ich jede Kür.
    Mein Selbstbild seufzte: „Kerl, wofür?!“

    Nur weil die Grazie grad nicht will,
    Halt ich nicht einfach artig still!
    Eh wir vom Schulstress uns entfernen,
    Lass uns noch etwas Coolness lernen:
    Man kann sich im Dreikampf mit Anstand platzieren
    Oder beim Freitanz mit Abstand verlieren.
    Mein ungelenker Loser-Ritt
    Wär heut geschenkter YouTube-Hit!

    Die Anmut und ich hab’n nach schmerzhaften Stunden
    Uns dann über anderen Wege gefunden.


  • Dreischlösserweg & das eintausendsechshunderteinundsechzigste Gedicht

    Auf dem Dreischlösserweg im Schwangau

    Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.

    Mein Garten

    Ich schotter meinen Garten zu,
    Leg all des Rottkrauts Saat zu Ruh,
    Und reines Steinsein überdeckt,
    Was unbefugt gen Wuchs sich reckt.

    Organisches gebärt Verderben –
    Auch wir, die wir fortwährend sterben,
    Haben diesen Ort nur von den Kieseln gelieh’n,
    Vom Sand und vom Staub, die ihn bald überzieh’n.

    Für all den Kreuch- und Fleuchbelag
    Läuft nur ein Zwischenmietvertrag –
    Zur Übergabe, besenrein,
    Muss alles ohne Wesen sein.

    Der Bub und Gattin Gabi wohnen,
    Schon hübsch umhüllt von Gabionen,
    In Steinegemeinschaft, von Streben umgittert.

    Es braucht ja Äonen, bis sowas verwittert.


  • Kalvarienberg & das eintausendsechshundertneunundfünfzigste Gedicht

    Der Gipfel vom Füssener Kalvarienberg

    Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.

    Rot-Weiss Essen

    Sie kämpfen nicht um Meisterschalen –
    Die kann ja eh kein Mensch mehr zahlen! –
    Und viele Vereine sah man schon versumpfen
    Im Loop von den dauernden Titeltriumphen!

    Man ist gewöhnt, aus leeren Händen
    Mit Dönekes und auch Legenden
    Den Fanschal zu verzieren –

    Und dann kann’s mal passieren,
    Dass sich der Fußballgott besinnt,
    Ein weitres Anekdötchen spinnt,
    Und Jubelschreiweihe das Fanherz durchbebt
    Zum hollywoodreifen Beweise Es lebt!

    Den Ungeübten reicht ja schon
    Ein Schnüffeln an der Sensation –
    Und das verfüllt per „Weisste noch?!“
    Den Schlund vom nächsten Leistungsloch.


  • Schwanseeschwan & das eintausendsechshundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Startende Schwäne am winterlichen Schwansee im Schwangau

    Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.

    Der große Preis

    Wenn Thoelke raunte „Risiko!“,
    Erlosch das Licht und es war so,
    Als wenn das Wort gewitterte.
    Das Quiz als Leistungsdisziplin –
    Da mich ob Wum und Wendelin
    Schon Vorfreude durchzitterte.

    Es keimte eine Hoffnung zart:
    Da werd ich auch mal Kandidat!
    Nur was wär mein Spezialgebiet?
    „Zum dritten Mal heut mit dabei: …“
    „Ich nehme Umschlag Nummer Zwei!“
    “ … sein Thema: Miezekatzelied.“

    (Was ist wohl mit Eberhard Gläser gescheh’n?
    Hat irgendwer Eberhard Gläser geseh’n?)

    Walter Spahrbiers Uniformen
    Trotzten Unterhaltungsnormen
    Wie echter Klotz aus Eichenschrank.
    Der Taxifahrer Fritze Flink
    War – unverstanden – mehr mein Ding
    Dank Spaßkanonenüberschwang.

    Schier pausenlos verlas man dann:
    „Einhunderttausend Mark geh’n an: …“ –
    Als würd die ganze Welt beglückt
    Mit mir und Wim in ihrer Mitte –
    „A bis Z einhundert, bitte!“ –
    Da die Entscheidung nahgerückt.

    (Nur findet die Kürung des Siegers nicht statt,
    Wenn Eberhard Gläser noch Einwände hat.)

    Die Kandidaten war’n bereit
    Zu Runde Drei (fast Schlafenszeit).
    Die Ratekapseln schlossen sich
    Um Wissen, dass dann Fachexperten
    Recht stumpf mit „Alles richtig!“ ehrten –
    Und den Triumph genoss auch ich!

    Ein Aktenkoffer, prall gefüllt
    Mit Kram, der Wissensdürste stillt
    Fürs „Weiterhin viel Freude mit …“ –
    So zog’n die Themenrecken los.
    Das war ihr Preis. Und der war groß.
    So wie mein Fernsehappetit.


  • 2in1 & das eintausendsechshundertfünfundfünfzigste Gedicht

    Waschmittel/Drogen-Geschäftsfassade in der Füssener Altstadt

    Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.

    Steuererklärung 2020

    Meine Herren und Damen vom Münchner Finanzamt,
    Ich wünsch Ihn’n von Herzen ein Dasein in Glanzsamt.

    Nun, da Christi Geburt ist verzweitausendzwanzigt
    (ein Jahr, durchweg mistig und fast ohne Glanzlicht),
    Schreib ich Ihn’n dieses Tagebuch,
    Das sich beinahe liest wie ein Gnadengesuch.

    Es ist einnahmemäßig, wie leicht zu ersehen,
    Seit März(Strich)April herzlich wenig geschehen.
    Hierzu, chronologisch, diverse Belege,
    Dass ich mich im chronischen Minus bewege.

    Nach recht harten Monaten fieser Verschattung
    Erwart ich dies Jahr eine Riesenerstattung –
    Mein Soll freut sich heute schon auf diese Taler!

    Hochachtungsvoll,
    Ihr Steuerzahler


  • Lechtal & das eintausendsechshundertvierundfünfzigste Gedicht

    Blick ins Lechtal vom Füssener Kalvarienberg

    Das erste Frühlingsgezwitscher

    Im Durchschnitt verliert man bei Vogelgesang
    Pro Stunde drei Kilo Gewicht.
    Für dich, kleines Tönnchen, ist kurz über lang
    Der Gang raus ans Tageslicht Pflicht!
    Denn die Tönchen der Vögel sind so unbeschwert,
    Da wird manches Röllchen gleich mit aufgezehrt.
    Und Frühling lädt ein in die frühere Zeit,
    Da warst selbst noch du nicht so ausladend breit!

    Derweil sich die Baumkrone eintiriliert,
    Scheint Leichtigkeit allseits entlockt.
    Von Düften beschwingter Gesang jubiliert
    Im Park, der von Lastern durchjoggt.
    Aus tänzelndem Hüftgoldglanz murmelt’s verschwommen:
    „Frühling, du bist’s – ach, ich hab zugenommen!
    Mach du nun uns Winterbeladene schlank!
    Ja, Frühling wird es, Gott sei dank!“


  • Brotbrunnen & das eintausendsechshundertdreiundfünfzigste Gedicht

    Brotbrunnen in der Füssener Altstadt

    Corona-Umschulung

    Ich würde mich gern durch Prozessakten quälen,
    Doch ich, ich muss Kartoffeln schälen.
    Ich könnte von Stadtteilentwicklung erzählen,
    Doch ich, ich muss Kartoffeln schälen.
    Ich soll eine Lockdown-Lektüre empfehlen?
    Na ja, es lässt sich nicht verhehlen:
    In der letzten Zeit hab ich nicht sehr viel gelesen,
    Bin vorrangig küchenbeschäftigt gewesen.
    Den Termin für die Knie-OP hab’n Sie notiert?
    Ab September hätt‘ ich an der Burg inszeniert
    Und die Models vorm Gang auf den Laufsteg frisiert,
    Mit der UNO an Brennpunkten interveniert
    Und brilliert vor schier berstenden Opernhaussälen.
    Mit was? Vielleicht Kartoffelschälen.


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


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