Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Etschufer & das eintausendneunhundertsechsundvierzigste Gedicht

    Blick von der Ponte Pietra über die Etsch

    Dem Abendroten II

    Und immer noch vor mir der See.
    Und immer noch ringsum die Güte,
    Das Lächeln, das ich nun versteh
    Und rundum tief in mir behüte.

    Doch die Macht,
    Mit der Sanftmut die Wellen bezwingt
    Und den See unabänderlich glättet,
    Stärkt die Nacht,
    Die in alle Erinnerung dringt.

    Was ich an Geschichten gerettet,
    Treibt weit in die Zweifel,
    Schon nicht mehr zu stimmen.

    Und ich bin dieses Jahr schon zu spät dran fürs Schwimmen.


  • Kunstlabor 2 & das eintausendneunhundertfünfunddreißigste Gedicht

    Erster Raum vom Kunstlabor 2

    Begrüßungsgedicht für eine Lesung im Humboldt-Lab im neuen Humboldt-Forum Berlin

    Oh Gott, wo bin ich denn hier nun gelandet?

    … wo bin ich, zur Hölle, denn hier nun gela-
    Lalalalabor, Laboah!, Lapoah?, Laoahhh …
    Entschlossen forschend kommt‘s mir vor
    Als fehlte jetzt nur noch ein My an Verständnis,
    Als kratzten die Fingerchen schon die Erkenntnis,
    Als hörten bereits wir den Widerhall
    Vom „Mr. God, tear down this wall!“
    Wir wollen das Dahinter seh‘n,
    Es einzuordnen ins Versteh‘n,
    Bejubeln unser Anschlusstor,
    Das endlich frei gespülte Rohr!
    Unser Weg aus dem Labyrinth führt durchs Labor …
    Verfolgt von einem Labrador!
    Der schnappt nach Erste-Welt-Komfort
    Und Nach der Natur
    Auch nach unsrer Statur – Humm!
    Drum: Machen wir uns ganz, ganz klein,
    Woll‘n statt Labor nur Lab noch sein!
    Lab, Lab, Lab, Lab, Lab – Humm!boldt
    Lab top! Top Lab und Top-Labor,
    La biere, la boom und Laber-Chor,
    Labiles Schlappohr und Labskaus,
    Schloss jetzt!
    Schluss jetzt!
    Ab und
    Aus!


  • Basilika & das eintausendneunhundertsiebzehnte Gedicht

    Basilika der Ausgrabungsstätte Volubilis

    Der verspätete Frühjahrsputz

    Es war so, dass
    Wir beim großen Frühjahrsputz nur

    Ein paar Spinnen die Netze zerstörten.
    Wir inhalierten Hausstaub pur,
    Wir kauten wohin wir gehörten
    Und war’n schweißnass.
    Es war ja so:

    Da eine nahe Bess’rung glomm
    Aus dem Fakt, dass wir uns so bemühten,
    Erglaubten wir uns stur wie fromm:
    „Noch nicht Sichtbares lässt sich erbrüten!“.
    Von irgendwo

    Rief plötzlich vermeintliche Reinlichkeit „Schnapp!“ –
    Wir jubelten einig und klatschten uns ab.


  • Essaouira Hafen & das eintausendachthundertachtundneunzigste Gedicht

    Am Fischereihafen von Essaouira

    Nippesplädoyer

    Recht nutzlos scheint manch Souvenir

    Handwerkliche Sensationen!
    Arbeitsstunden, die kaum lohnen …

    Und du denkst schon beim Kauf:
    „Hm, was soll ich damit?“
    Doch was zahlst du schon drauf?
    Also gehst du den Schritt …

    Und erst im heimischen Revier

    Streng gepflegte Traditionen,
    Denen Mythen innewohnen!

    Bringt die Haptik allein
    Jene Strände zurück,
    Schwebt der Nippes ins Sein
    Als ein wertvolles Stück.


  • Kamelrast & das eintausendachthundertsechsundachtzigste Gedicht

    Ausruhendes Kamel in der Sahara

    Wie’s so läuft, Folge 1: Das Kamel

    Es scheint so ein Kamelknie
    Seinen Aufgaben gar nicht gewachsen.
    So sind der Last Kontrast die
    Knickschrittbiegverwindenden Achsen.

    Und unerbittlich schwer bepackt
    Wird, kracks!, im Sande eingesackt –
    Mit sanft protestierendem Stöhnen.

    Auch scheint der Wüstenschiffe Knie
    Selbst in Rastposition schwer belastet.
    Per hartem Knickser sinkt das Vieh,
    Das gesprengte Gelenk eingerastet.

    Das wirkt alles so unbequem,
    Wie ausgemacht als Knieproblem –
    Für’s Kamel scheint es sehr schlecht zu laufen.


  • Essaouira Rooftop & das eintausendachthundertsiebenundsechzigste Gedicht

    Essaouira Sunset

    Essaouira

    Du windumbrauste, gischtumsäumte, möwenreichste weiße Stadt,
    Die du gassenvendigst
    Und fastschillernd predigst,
    Sobald mal dein Untergrund Steinboden hat.

    Dein Jimi-Hendrix-Erbe setzt als Möglichkeit zum Solo an.
    Jim Joplin, Janis Morrison
    Machten ebenfalls Station –
    Ihr Restrausch verweht jetzt als Kitesurferfun.

    Schauergemäuriger Meeresbelag raunt durch der Festung Wall
    Den alten Namen Mogador
    Zu den Rooftopbars empor –
    Ein Neuanstrich riecht oft nach schnellem Verfall.

    Hippies, Touris und Souk-Tradition schlucken die Zinnen des Orts.
    Dann ergießt sich ins Blau der
    Artistische Zauber
    Des alle Vokale enthaltenen Worts.


  • Anima Park & das eintausendachthundertfünfundsechzigste Gedicht

    Im Anima-Park von André Heller bei Marrakech, Blick auf den Hohen Atlas

    Auf Blauschau

    Bin hängegemattet und schau
    Ins wolkenumrahmte Blau,
    Geschaukelt von Winden.
    Muss blinzeln, schmunzeln,
    Stirne runzeln –
    Alles ruht
    In mir
    Hier –
    Da ihr
    Mir nichts tut,
    Nichts bedeutet,
    Eifer vergeudet.
    So nah am Verschwinden,
    Dass mich nichts mehr beschattet,
    Auf Blauschau, hängegemattet.


  • Seeon Ort & das eintausendachthundertfünfundvierzigste Gedicht

    Blick auf Seeon von der Klosterinsel

    Halsbandpekaris am Mittelpunkt der Welt

    Aschenputtel, Trottellummen,
    Kriminelles Himmelzelt,
    Wo die Ghettogangsterwummen
    Spielen Mittelpunkt der Welt.
    Und urplötzlich mischen sich Halsbandpekaris
    Aus nicht hinterlegten Befugnissen ein.
    Ich sehe – just zweifelnd, ob’s Trug oder wahr is -:
    Ein Halsbandpekari. Dann wird’s wohl so sein.
    Es folgt eine Rotte der Nochmaligkeit
    Und spottet zuvorigen Themen,
    Will all der bislang hier durchwanderten Zeit
    Die Unhinterfragbarkeit nehmen.
    Schon scheint der Mittelpunkt durchwellt
    Von Büttenreden, Bisonbrummen,
    Von Götterdotter eingepellt:
    Aschenputtel, Trottellummen.


  • Isarhochwasser & das eintausendachthundertfünfunddreißigste Gedicht

    Isarhochwasser

    Badenbaden!

    Die Fingerkuppen durchfurchende, dellige Rillen
    Mahnten an, weiter in Wellen zu chillen,
    Sei langsam nicht mehr angesagt.

    Mal langsam!, hab ich mir gedacht.

    Gebührt es der in Akademikerkrei-
    Sen durchweg verfemten Handwahrleserei
    Mein Baden als bad zu beschimpfen,
    Verunfairzuglimpfen?
    Die Finger zu rümpfen
    Ob planschender Nymphen?

    Ich verbat meinem Aber, derart gläubisch zu sein,
    Und bestimmte im Brustton des Brustschwimmers: Nein,
    Mich kümmert nicht der Spitzen Rat!

    Und fortgesetzt hab ich mein Bad.


  • St. Georg & das eintausendachthundertvierzehnte Gedicht

    Vor der Kirche St. Georg in Freising

    Sechste Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Schnitzelbrötchenverleih, Riesenrad, Scheißwetter, Geheimratsecken, Megastau und Ghosting.

    Schnitzelbrötchenverleih

    Der Bote vom Ortsschnitzelbrötchenverleih
    Grüßgottelt: „Ich hätt‘ was für Klötgen dabei!“
    „Prächtig – ich öffne, die sechste Etage!“,
    Lächelt’s von mir durch die Türsprechanlage.
    Doch die Anlieferung ist nicht möglich für ihn
    Vorm unlängst verbindlichen Abholtermin. –
    Sechs Etagen ohne Fahrstuhl sind für alle Pagen uncool.

    Doch der kurze Besitz
    Von Brötchen samt Schnitz-
    El krönt dieses Tags, meines Lebens Begehren –
    Alles war auf dem Weg,
    Fehlt auch jeder Beleg. –
    Ohnehin ging’s mir nie um das Wirklichverzehren.

    Nur die Illusion, dass ich befugt dazu sei,
    Verleiht mir der Brötchen-um-Schnitzel-Verleih:
    Bezahlbar sich etwas nicht-einzuverleiben –
    Und dabei nicht mal Vegetarier zu bleiben.


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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