Bologna
Wo so viel Altes türmt und arkt,
Bleibt Gegenwart nur Gast,
Der sich flanierend unterhakt
Und nachgerad‘ verblasst
In nachtgeneigte Gassen rie-
Selt Ausgelassenheit.
Schon schluckt die schwere Nostalgie
Dies kleine Etwas Zeit.
Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos
Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 38 Länder auf 5 Kontinenten

Bologna
Wo so viel Altes türmt und arkt,
Bleibt Gegenwart nur Gast,
Der sich flanierend unterhakt
Und nachgerad‘ verblasst
In nachtgeneigte Gassen rie-
Selt Ausgelassenheit.
Schon schluckt die schwere Nostalgie
Dies kleine Etwas Zeit.

Oldschoolferien
Meine treu gehegte Neugier wühlt
Im schwer Bedeutungslosen.
Man klaubt, was sich nach nichts anfühlt,
Und schluckt’s in kleinen Dosen.
Was mir die Nachhut offeriert
Als Rausch an Angeboten,
Ist endlos lustlos limitiert –
Ein Jahresplan von Toten.

Der Kükenmuser
Wir wollen in Würde den Bruderhahn schreddern
Als Prälaten pragmatischer Liebe,
Uns nicht mehr in frommen Gedanken verheddern,
Als wenn uns ein Schuldasyl bliebe!
Wir haben der Duldsamkeit Segen erklärt –
Und stell’n ihn aus Coolness in Frage.
Wenn Unredlichkeit uns bald nicht mehr ernährt,
Verbessert das nicht unsre Lage!

Das schöne Geschlecht
Wenn die Moral-Ischen ihren Moralischen kriegen,
Geh in Deckung und sieh heut von solchiger ab!
Lass dort, wo es lässlich ist, andere siegen,
Lob die Welt, dass es nie eine feinere gab!
Und geht’s dir auch allzusehr gegen den Strich –
Nimm’s weniger schwer, Mann, und ändere dich!
Dröhnt in dir die Ahnung, das sei nicht gerecht –
Bleib Fan all der Blüten vom schönen Geschlecht!

Dorfstraßen
Und doch können solch Dorfstraßen todbringend sein,
Man möchte es gar nicht vermuten.
Kaum lullt dich der Leerstand der Läden hier ein,
Schon musst du in einer Tour bluten.
Wer wäre da nicht unentwegt schwer gefährdet?
Doch du willst Gelassenheit strahlen!
Vielleicht hat dich grad eine Ahnung geerdet.
Ein Irgendwer muss heute zahlen.

Und weil man langgediente Lesebühnengefährten nicht ohne gehen lässt, ein …
Abschiedsgedicht für Till Reiners
Till ist im Grunde kein richtiger Name –
Nur ’ne Silbe, die lieblos in Pässe geschissen.
Doch wenn im halb gefillten Darme
Dich drillt einer MILFs Fist,
Du stillschweigend Dill frisst,
’ne Pill‘ keine Hilf‘ ist,
Ein Will‘ Einweg-Mill ist –
Was gäb‘ man nicht her für ein Reiners Gewissen!?

Rastlos
Immer muss ich mein Heimatdorf hinter mir lassen.
Niemand stürmt auf das Gleis um zu winken.
Immer muss ich mich mit nächstem Nestbau befassen
Und mich einsam wie sinnlos betrinken.
Ich zähle tagtäglich die schwereren Fehler
(hab mich und mein Elend da niemals geschont),
Verkauf meinen Hausstand an erstbeste Hehler
Und jeder Ort sagt: Du hast nirgends gewohnt!

Überbewältigung
Nun, das hat die Zeit einfach verschwinden lassen
Unter den Mantel des Schweigens.
Den Eindruck könn’n Nachrücker nur noch verpassen
Im Kanon des neuen Vergeigens.
Doch wie vielem gebührt es, Vermisstes zu sein
Und was kürt man als Beifang nur mit?
Das Unwerte deiner Vergangenheit ist ein
Dich mit Gegenwart prügelnder Tritt.

Letzte Nachricht aus der Verbannung
Keine Nachrichten mehr aus der Verbannung
Und das Grübeln im Felde stirbt aus.
Für den Lohn einer falschen Entspannung
Loopt ums Weltbild ein scharfer Applaus.
Das entwaffnende Bild einer Klarheit
Übertönt, was per se überhört.
Darin tollt ein Versprechen von Wahrheit
Und tilgt aus, was man hierfür zerstört.

Wer?
Wann strandete ich vor solch steilen Klippen
Mit meinem als Schoner bezeichneten Boot,
Um jäh von der Kante zur Seite zu kippen?
Wann wand sich der Ausgleich vom pendelnden Lot?
Wann hat man klammheimlich die Lager geräumt,
Sich erlaubt zu vertau’n meine missliche Lage?
Wann hat man das Salz aus den Trümmern geschäumt?
Ist überhaupt „Wann?“ die mich kümmernde Frage?
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