Kann den Winter ja immer noch lieben,
Obschon sein Beginn schmerzhaft schwermütig macht,
Und ganz gleich auch, wie schlimm er’s getrieben –
Der Rest der Tonsur schwindet uneitel sacht.
Doch droht mir ein Dasein, da ich wohl gewillt
Bin, immer zu schrei’n, dass der Winter mich killt!
Bisher ist sein Zorn mir erträglich geblieben
Und mir’s manchmal möglich, den Winter zu lieben.
Dritte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Steuererklärung, die Abstammung vom Affen, Wim Thoelke, das Grend Kulturzentrum, Rot-Weiss Essen, Bierbrauen, Steingärten, Mütter und Tanz/Gymnastik.
Heimspielstadion
Konzertsaalbühne, Seiteneingang –
Etliche Male schlich ich mich dort lang
Und verwurzelte hier all mein Bühnen-Bestehen,
Um stets nach bekannten Gesichtern zu sehen.
Ich hab imposantere Säle besehen,
Ließ mich in entferntesten Ländern verstehen,
Doch der Schritt in das Spotlight kennt das „Hier geht es lang!“
Vom Grendpfahl zu Steele, vom Seiteneingang.
Doch nach dem Wintereinbruch blieb den
Ersten Frühlingsgefühlen nicht viel Resonanz:
Den knospenwarm Wiederverliebten
Ward der Safe leergeräumt
Und „Na, fertig geträumt?“
Mit kühlem Strich über die Hauswand gesprayt,
Sehr rüde gecancelt dies frühreife Date
Zur Klärung des Wer-ist-hier-dran?s.
Immer fröhlicher grüßt dich die Einsamkeit
Und ein weitres Loch klafft in dein Denken,
Durchhallt vom ironischen „Allzeit bereit!“ –
Es ist eklatant leicht, dich zu kränken.
Zum Ende sind all deine Taten ergraut
Und die besten der Schiffe gesunken.
Aufs Glück wird ausschließlich zurück noch geschaut –
Und ich rat dir, Freund, tu es betrunken!
Er pladdert unablässig sein
„Die Welt wird nicht mehr besser!“ –
Der Regen trübt uns hässlich ein,
Selbst Hass wird nochmals hässer.
Wir hofften schon pompöser auf
Versöhnlicheres Wetter –
Reicht’s grad nicht für Erlöser, kauf
Gewöhnlichere Retter!
Ich gebäre in einem fort Nachlässigkeiten,
Die sitzen jetzt mit mir zu Tisch,
Nicht anmaßend hungrig, nur störrisch beizeiten,
Sobald ich nach Einlagen fisch.
Gern behaupte ich, mich nicht mehr selbst zu erkennen,
Als vermisst ich verlorenen Stil.
Wenn wir jetzt Relevantes vom Nötigen trennen,
Ist das, was uns bleibt, ohne Ziel.
Ich pfleg ein mir suspektes Ich:
Mal Citoyen, mal Alarich,
Mal brüstet, mal versteckt es sich,
Erst langweilt, dann erschreckt es mich,
Rast ungebremst, steht felsenfest,
Umfläzt vom Flair „Is nur ein Test“.
Werd ich mir je verbindlich sein?
Die Chance ist verschwindend klein.
Bislang hat dir alleine der Raum zugeschaut,
Man ist an dir vorüber gehypt
Und das Publikum hat eine Mauer gebaut,
Die unüberwindbar verbleibt.
Dessen Ignoranz feiert im Graben ein Fest,
Bei dem man beherzt für sich selbst applaudiert.
Man zeigt sich erkenntlich und denkt sich den Rest,
Sitzt da und toleriert.