Schon kommt die Sonne nur noch auf Besuch,
Bleibt die Gästecouch über Nacht leer –
Das Jahr verschlägt einfach die Seiten im Buch
Und man findet den Einstieg nicht mehr.
Die Schatten lang,
Dein Schritt wird schwerer
Und alle Wege sind schon leerer.
Am U-Bahnhof Westfriedhof stehe ich
Ein Stockwerk unter den Toten.
Als Philosoph verschmäht man sich –
Ich verpass mir die schlechtesten Noten!
Hier loggt sich die Endstation doppelt ein,
Uns buntbeglast zu erhellen,
Stoppt dich in der Verlockung, dein
Wirken über die Toten zu stellen.
Aus eingeschnappten Schnauzen schnellen
Tsunamis von Empörungswellen
Zunehmend scheugeklapptem Wütens
Und neubewusstem Trutztrotz-Brütens.
Mit Charme sich dem entgegenstellen?
Eh wir, verarmt in Ausdruckszellen,
Uns anstandswauwauend bescheiden
Und Freiheitsbeschneidung erleiden?
Unbedingt.
Bloß sollten wir niemals partizipieren am Müll
Mit Patriarchats-Partisanen-Gebrüll,
Uns auch am falschen Weg verschulden –
Die wahre Tugend heißt Erdulden!
Klopstockkostproben
Und Ostblockkompost,
Toastbrotmikroben
Und Bootsglockenrost,
Postpunkrocktoben
Und Trockenobstmost,
Vom Boss dort droben:
Der Post „All is lost!“
Am Container für Papier
Wird’s Gemüt so trübe dir,
Weil das, was in den Schacht du schiebst
Und dem Vergessen übergibst,
War von Gewicht zu deiner Zeit –
Nun geht’s den Weg zur Nichtigkeit.
All die sorgsam aufbewahrten
News, Ideen und Heldentaten,
„Boah!“s, die zum Bericht verdichtet,
Journalistisch nachgerichtet,
Menschen, die die Welt bewegten
Und dein eignes Werden prägten –
Was kurz als geltend galt, wird hier
Zur Restressource Altpapier.
Sehr wenige der mal gelesenen Zeilen
Werd’n ewignah in der Erinn’rung verweilen –
Es geht dein Gedächtnis so bald schon in Rente
Und schluckt dann eiskalt selbst die schönsten Momente.
Drum wird’s Gemüt so trübe dir
Dort am Container für Papier.