Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Zehnzeiler


  • Iffeldorf & das zweihundertdreiundvierzigste Gedicht

    Iffeldorf

    Zehn Tage am Stück daheim in München. Das gibt es dieses Jahr exakt einmal. Fast zu schön, um wahr zu sein … Daher an dieser Stelle ein idyllebrechendes Garstiggedicht. Vor der Kulisse Iffeldorfs (bei München, keine Angst!).

    Die Reinigung der Schuhe

    Ja, die Reinigung der Schuhe
    Nach dem Zertreten einer Katze
    Sie erfordert Zeit und Ruhe
    Mit dem Rosenzweiglein kratze
    Ich allen Grind aus dem Stiefelprofil
    Und füttere damit mein Zwergkrokodil
    Lasse, wenn ich Gassi geh‘
    All das Blut im Frühlingsklee
    Schaut, schon sind sie blitzeblank!
    Und ich lob‘ mich: Spitze, Frank!


  • Nordkette & das zweihundertfünfunddreißigste Gedicht

    Nordkette Innsbruck

    Der Blick auf Innsbruck von der Nordkette.

    Gebieter der Stille

    … und unten lärmt man vor sich hin:
    Getösestolz aus Mittendrin

    Der dringt nur als verdecktes Wummern
    Zur Soundcloud von Insekten-Summern
    Denen einzig Vogel-Tirillenz
    Grätscht in die Laute-Prominenz

    Verhalten hallt mal kurz ein „Muh!“
    Von irgendeiner Alm dazu
    Ansonsten ist’s hier völlig still

    Dann schrei ich: „Nur, wenn ich es will!“


  • Nordsee & das zweihundertvierunddreißigste Gedicht

    Kiel

    Bevor es in die österreichischen Berge geht, noch etwas Wind von der Nordsee:

    Die Nassforschen

    Wir heuern an beim Schwesterschiff
    Erneuern noch mit letztem Schliff
    Die Liftings unsrer Entourage
    Das Plan-Getäu, die Takelage
    Und stechen als Schon-mal-Gesunk’ne in See
    Losch Pech auch die Lunte der alten Idee
    Die Neue scheint vermeintlich groß
    Drum Segel setzen, Leinen los!
    Die noch triefende Kleidung beföhnt uns der Fahrtwind

    Es wird erst gestöhnt, wenn wir weniger hart sind


  • Thüringen & das zweihunderterste Gedicht

    Saale-Schleife

    Weil ich Thüringen immer schon das landschaftlich schönste Bundesland nenne, Rainald Grebe (in Vertretung vieler) nicht mag und sich dies schicksalhaft in dessen Lied „Thüringen“ zu einem Gesamtmurren’n’Schnurren sammelt, hier eine Zusammenfassung als Gedicht.

    Die Rache der Prärie

    Für Thüringen
    Umbringen
    Könnte man,
    Einverstan-
    -den, den überheb-, gräss- und gewöhnlichen Grebe
    Weil dummbeifallsüchtiges Flachwitzesingen
    Grund genug nimmt, dass er weiters wohlgemut lebe …

    Nun

    Durch die Saale-Schleifen läuft kein RTL II
    Und die einfachsten Scherzchen geh’n meist schnell vorbei


  • Pfingstwetter & das hundertneunundachtzigste Gedicht

    Bad Tölz

    Wettertragödien, vermieste Feste. Aber das kann auch vielleicht das Beste sein, was passieren konnte.

    Feste, die ins Wasser fallen

    All den Festen, die ins Wasser fallen
    Bleibt die nicht widerlegte Verheißung erhalten
    Sie wären die besten Feste von allen
    Gewesen, sofern sie von weniger kalten
    Regenfällen gesegnet gewesen …
    Dies sind – wie gesagt – auch berechtigte Thesen
    Denn schließlich war, wie jammerschade
    Klar das Wetter ohne Gnade

    So scheint manches Mal das gescholtene Wetter
    Missratenen Festen willkommen als Retter


  • Kurort & das hundertneunundsiebzigste Gedicht

    Kurpromenade Baden-Baden

    Abschied von Baden-Baden. Erholt, natürlich.

    Kurpromenade

    Alle wollen sich hier erholen
    Hier erholen wollen sich alle
    Alte toll’n herum wie Fohlen
    Promenier’n mit frohem Schalle
    Dass sich dran die Jungen laben
    Solche Restzeit noch zu haben

    Selig streckt sich der Spazierweg
    Uns wohlgefällig das Altern zu mildern …
    Spröde Pragmatik nennt das vielleicht Irrweg

    Doch krönt den Genuss ja sein Wird-nichts-Verhindern


  • Nach-Halle & das hunderteinundsechzigste Gedicht

    Statue der Lesenden, Haal a.d. Saale

    Noch ein Nachschlag vom Saale-Spaziergang. Mit sonnigem Gruß von der Statue der Lesenden.

    Dessert not Desert

    Betrachte mit Nachsicht die Nachtisch-Verächter
    Die „Hauptsache Hauptgang“-Gang isst so viel schlechter!

    Denn das bessere Essen beseelt das Dessert
    Ist dem kundigen Munde ein Mindestverzehr
    Gibt nach Fastfutterfadheit Dir Süße zurück
    Ist genüsslich den Müßiggang küssendes Glück

    Wer mag sich in Patisseriekunst versenken

    Wer ruft nur heroisch „Ach nein, ich entsage
    Will mich auf Asketen-Diäten beschränken!“?

    Ja gut, war jetzt mehr ’ne rhetorische Frage


  • Sassari & das hundertachtunddreißigste Gedicht

    Sassari Rathausplatz

    Angekommen. Und jetzt: Vier Auftritte auf Sardinien.

    Statt Stadt

    Die haben hier Kakteen und Palmen
    Wir kauern auf bekackten Halmen …
    Ob ich eher auf Mäher oder mehr so auf Meer steh‘?
    Ob ich scharf werde, wenn ich ’ne Schafherde anseh‘?

    Mann, bis spät in die Nacht lacht hier Sonnenlichtzauber
    Da mach‘ ich mich sonst für die Frühschicht schon sauber!

    Ach, wär’s so, dass ich Firma nenn‘
    Der Insel Sternenfirmament

    Oliven statt „oh, leave it, man!“
    Lavendel statt ein laffes End‘ …


  • Piroggen & das hundertundneunzehnte Gedicht

    Kaivopuisto

    Die Karelische Pirogge (Pirakka) ist hier eine wichtige Grundlage meiner tagtäglichen Mästung. Gerne in ihrer schmucklosen Urform. Warum eigentlich?

    Pirakka

    Die Pirakka schmeckt wie ein junges Versprechen

    Die Geschmacksknospen maulen: „Öhm, kommt da noch was?!“
    Wenn roggenmehlsämig Erwartungen brechen
    Döst nur noch die Haptik zu geltendem Maß

    So würzt Zurückgenommenheit
    Dies kleine Stück Vollkommenheit
    Zu ’nem Etwas, das wie nichts fast schmeckt
    Macht die mulmige Speise
    Zum Start einer Reise
    Auf der man nicht einfach von selbst was entdeckt


  • Ritter Butzke & das hundertundsechzehnte Gedicht

    Alexanderplatz

    Mal wieder in Berlin. Und endlich mal wieder in der Ritter Butzke. Nach dreimal Schwänzen.

    Ritter sein

    Ich würd‘ ja gern ein Ritter sein
    Dann tränke ich zwei Liter Wein
    Bloß um im nächsten Schritt zu schrei’n:
    „Da passt auch noch ein dritter rein!“
    Dann tät‘ – um wieder fit zu sein
    Ich in den Pool von Britta spei’n

    Die schaute wohl verbittert drein
    Doch ich, ich würde Ritter sein
    Wenn wer vor Wut entrüstet‘ sich
    Stünd‘ immer gut gerüstet ich


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