Verse für die Phlegmatiker, denen man Wasser, Winter, Nacht, Baby- und Greisenalter zuordnet.
Die beschreibenden und erzählenden Gedichte.
Von der Naturlyrik bis zu allen Längenvarianten der Ballade.
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Riposte-Crossovergedicht zu Heinz Erhardts „Ein Naßhorn“ und „In der Traumstadt (Lächeln)“ von Peter Paul Althaus
Horn und Sporn
In der Traumstadt ist ein Nashorn stehengeblieben
Niemand weiß, wem es gehört
Und beim Versuch es fortzuschieben
Hat ein Polizist sich die Schulter gezerrt
Und das Nashorn weiß gar nicht, wie viel es gewogen
Bevor es nach Schwabing gekommen
Doch es hat hier, nachdem’s durch die Kneipen gezogen
Wohl deutlich noch zugenommen
Langsam stapft es nun von hinnen
Trotz der Masse: leicht verstört
Will als „Ansporn“ neu beginnen
Weil’s sich quasi gleich anhört
Das Siegreiche darf sich schon wieder verpissen
Zur Notiz noch die Anzahl der Leichen
Im Gilb ihrer Kopfhäute glitzern die Nissen
Bevor sie dann gleichsam erbleichen
Von einem Twen wird der bereits welke Triumph
Zu den alten Geschichten geschrieben
Der Jugend ist hierfür kein Griffel zu stumpf
Und sie drängt uns, sie dafür zu lieben
Alles war Räder und Tonnen an Eingriff
Im Walzen und Dampfen giganter
Ein gliedmaßenschluckend maschinender Siff
Ein ölverschmiert glänzender Panther
Verrußter Kessel Getösestaub
Bespuckte jede Ritze der Stadt
Den Schall durchröhrte Ressourcenraub
Doch der heutige Grundbesitz zuckt nur noch matt
Selbst die Ziegelsteinbrüstung aus wulstigem Dick
Wurde substituiert von ’nem zittrigen Klick
Nun, der Angriff erfolgte
Und Ergriffenheit wolkte
Über jene Zielobjekte
Denen jetzt der Projektile
Inhalt tief im Kopfe steckte
Als Frucht der Hülsen, derer viele
Kullerten vom Trottoir
Das Unverzeihliche bleibt in der Welt
Wie ein passloses Alpenmassiv
Für mögliche Freisprüche zu sehr entstellt
Zu maßlos, zu schmerzhaft, zu tief
Doch möchte die Welt nicht nur fassungslos flennen
Lässt allerlei Münder Begründungen nennen
Nach denen man scheinheilig dann nur bemisst
Dass etwas unverzeihlich ist
Die Häuser verlassen nun ihre Gemäuer
Und der Korridor schlüpft durch die Keller
Das Wachstum der Steine ist ewig Gesetz
Was sie stoppte, macht heut alles schneller
Die alte Bescheidenheit wendet sich heuer
Gegen jegliche Form von Respekt
Die Räumlichkeit schluckt nun ein tieferes Netz
Das im Jenseits der Sinne versteckt
Derweil meiner Fresse die Zähne zerfielen
Und ein Pilz aus dem Lippenriss spross
Schälten sich von meiner Zunge die Schwielen
So kam’s, dass ich schweigend genoss
Und nach und nach Loch um Loch wiederbefüllte
Und Essensrestnester mit Wundfleisch umhüllte
Weil aber den Zerfall eine Zähheit befraß
Die jeden Sporn Hoffnung vermüllte
Kam’s, dass ich um Hilfe zu schreien vergaß