Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

München

Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.


  • Großhesseloher Brücke & das hunderteinundfünfzigste Gedicht

    Isar von der Großhesseloher Brücke

    Und plötzlich: Sommer an der Isar.

    Siehste wohl

    Wir wussten, was wir an uns hatten
    Von Schlagern unsrer Schellackplatten
    Doch wir folgten dem Rauschen der Highspeedkalender

    Nun steh ich Depp hier am Geländer
    Und wedle in Wehmut mit diesem Gedicht

    Doch von dort unten siehst du‘ s nicht


  • Frühlingsfreizeit & das hundertneunundvierzigste Gedicht

    Königsplatz München

    Vier Tage München. Heimurlaub (mit zwei Auftritten). Königsplatz.

    Oh Menschen, die ihr redlich seid – wisst um des Rauchens Schädlichkeit!

    Ein Jüngling stand an einer Klippe
    Im Lippenloch ’ne glüh’nde Kippe

    Er sog so stark am Filter rum
    Dass vor ihm arges Vakuum

    Entstand. Sodann zog’s ihn hinein
    So kippte er vom Klippenstein

    Ja, der eigene Sog in den Abgrund ihn blies!
    (Wer denkt da, dass ihn jemand stieß?)


  • Mün2 & das hundertvierunddreißigste Gedicht

    Maibaum Viktualienmarkt

    Am gleichen Tag, nach der Fahrt on -ster nach -chen

    Auf Drei alle

    Sind die anderen Leute so bedeutsam wie ich?
    Ich halt’s ja für Unsinn – berichtige mich!
    Oder richte mich gleich
    Im Kleinstädterreich
    Mit irgendwas mit Medien hin

    Man erkennt ja beim Gähnen
    Sein Volk an den Zähnen
    Jed Eigenschaft am immerhin

    Auf Drei ruft alles: „Neubeginn!“


  • Unzucht München & das hundertunddreizehnte Gedicht

    Isarauen

    Zur Reise-Auszeit ein Heimatgedicht mit Isar-Plätschern. Aus meiner Reihe der Münchner Unzuchtverse.

    Viktualienmarkt

    Jed‘ Alien, der auf Erden parkt,
    Geht auf den Viktualienmarkt
    Was ihn dort enttäuscht, ist: Er hielt ja naiv
    Das Wort Vik, tu Alien! für’n Imperativ


  • Marionettentheater & das hundertundzehnte Gedicht

    Marionetten aus dem Marionettentheater München

    Aus dem Marionettentheater München. Sind wir nicht alle ein bisschen …?

    Der Gehängte

    Auch tot hänge ich noch am seidenen Faden
    Und daran hinab seil’n sich seibernde Maden
    Drängen und zwängen sich in meinen Nacken
    Um dem baumelnden Körper Gewicht zu entschlacken
    Der sackig, fahl und eingefallen
    Strebt Schwerkraft suchend mit den prallen
    Leichensaft gefüllten Zehen
    Weiters Richtung Niedergehen

    So häng‘ ich nun vielleicht seit Wochen

    Und hab noch nie so streng gerochen

    ‚S ist gut verpackt, was ich einst hatte
    
In jene Schlinge der letzten Krawatte

    Und raffte auch hin ich am ästhetischen Leide
    
Sie zumindest ist aus Seide


  • Fraunhofer & das vierundneunzigste Gedicht

    Die Stützen der Geselllschaft

    Eine Stütze im vollends verslammten Terminkalender: Die Stützen der Geselllschaft.

    Das Schützen der Gazellen

    Die Stützen der Gesellschaft
    Sie schelten den Geparden
    Er nutze seine Schnellkraft
    Zu der Gazellschafts Schaden


  • Substanz & das neunzigste Gedicht

    Substanz Poetry Slam

    Zurück in München. Zurück im Substanz. Mein zwanzigster Auftritt dort. Damit mein am zweithäufigsten besuchter Slam. Und ein Auftritt steht dieses Jahr gar noch an.

    Slam und Substanz

    Schau, die Macher schöner Worte
    Locken wieder an zum Orte,
    Wo in langen Warteschlangen
    Hintenan harrt hart am bangen:
    Wer da zum Durchquer’n der Pforte
    Eine Bahn zu spät gewählt –
    Wird wohl nicht nicht mehr ‚reingelangen,
    Weil beim Slam das Timing zählt.

    Dort drinnen durchdringt das Gedränge im Raum
    Ein Ohrenmuschelkuschelflaum,
    Dass bald im Strahl der Wortkaskaden
    Nackige Gedanken baden.
    Schön berauscht von Show und Schaum
    Krönt man einen Slam-Nomaden.

    Mal gewinnt was haltlos Grelles,
    Manchmal auch was Substanz-ielles –
    Slam-Ruhm ehrt den Star nie lange
    Und verweht auch allzu schnell. Es

    … ist um eins nur keinem bange:
    Ewig währt die Warteschlange.


  • Tourblues & das vierundachtzigste Gedicht

    Isarauen

    Und schon wieder auf Achse. Beim Aufbruch schon Heimweh. Na, Gottseidank geht’s in die immer vergnüglich stimmende Schweiz – das mag uns Gedichte folgender Strickart ersparen (die nach der Strickart Zwei zufällig ausgewählte Anfangszeilen weiterschreiben im Dienstagsslammer Workshop aus mir purzelten):

    Die Dahlien 2.0

    Immer, wenn die Dahlien blüh’n
    So spät im Jahr noch frisches Grün
    Blick‘ ich verdutzt
    Aufs schlecht genutz-
    te, nun schon fast vergang’ne Jahr
    Und frag‘ mich, ob es nicht vielleicht
    Nicht jetzt erst, da die Zeit mir weicht

    Von Anbeginn verloren war


  • Easy Isar & das zweiundachtzigste Gedicht

    München Isarauen

    Die zweite zweitägige Tourpause, die zweite Erkältung. Warum muss man sich gerade dann, wenn man sich erholen sollte, am dreckigsten fühlen? Zumindest das Isarufer hat sich von einer freundlichen Seite gezeigt, den folgenden Text aber nicht verhindern können.

    WeltLebenArschloch

    Hallo, altes Arschloch Leben!
    Magst du mir wieder Saures geben?
    Das schier mich in die Knie zwingt
    Und scheue Euphorie durchdringt
    Bis von dem Takt der Niederschläge
    Ich zermartert, lull und träge
    Kraftlos und berapplungsmüde
    Letztlich optimismusprüde
    Niederstrecke meine Waffen?!

    Denkst du echt, das könnt’st du schaffen?

    Anstatt mich hier ständig zu terrorisieren
    Solltest du endlich die Welt korrigieren!
    Die auch vom Trog des Daseins frisst
    Und so wie du ein Arschloch ist


  • Stippvisite in München & das dreiundvierzigste Gedicht

    Münchner Rathaus

    Keine 24 Stunden Zwischenstopp in München, um das Gepäck zu wechseln. Skischuhe sind auch dabei. Es geht in die Schweiz. Aber eine Frage stellt sich auf der Türschwelle: Kann das nicht auch langsamer gehen?

    Wiedersehen und wieder gehen

    Ah jöö, Adieu – muss wieder geh’n
    Und irgendwo am Mikro steh’n!

    Nun, derart kurze Stippvisiten
    Sollten sich von selbst verbieten

    Reduzieren sie doch ein geliebtes Zuhause
    Zur Backstage einer Auftrittspause


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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