Fotos aus München, seit 2014 Stammsitz der Reimerei Klötgen. Unzählige Auftritte während der Tour 2016. Und danach quasi alleinige Dienststelle in Sachen meiner Poesie.
Zum Start in die zweite Jahreshälfte ein Gedicht über München, wo ich zurzeit meine längste Auszeit vom Touren nehme, die sich in diesem Jahr ergibt. Zehn Tage. Erst Donnerstag geht’s los nach Görlitz … Übers Wochenende werden dann auch noch die Gedicht 248-250 hier veröffentlicht. Aber erst mal wirken lassen!
Die Münchner
Die beim Protzen etwas ungalanten
Braungebrannten Zwangsentspannten
Auf „Passt scho!“-Modus eingeeicht
Und gläubig, dass es immer reicht
Sonnenbrillen-Chill-affin
„Joa, is denn scho Italieien?“
Pomadige Hallodri-Posen
Und Habewas in Überdosen
Gekleidet nach dem eignen Schrei’n
Heißt’s bloß vermeiden, fad zu sein
Sie parken auf Pump in der Sorglosigkeit
Isar-Spaziergänge. Und ein Gedichte-Marathon. Zehn Gedichte in zwei Tagen – mit der 250 zur Halbjahreswende vor Augen. Rest folgt in Kürze.
Der Blick von Außen
Der Spiegel irrt sich – das kann ich nicht sein!
Ich fordere nun Materialproben ein
Mit der Bitte zu prüfen, wieso dieser Mann
Die Darstellungskraft meiner Spiegel gewann
Er breitet sich aus – infiziert alle Schichten
Die, ihn widerspiegelnd, mein Abbild vernichten
Es steht zu befürchten, ich gleich‘ mich ihm an
Sobald ich den Anblick gewohnt bin und dann
Ist er der Herr im Hause hier
Und gilt als Original von mir
Wie lang kann dann noch die Gewissheit besteh’n
Das Bestreben, mich selbst doch ganz anders zu seh’n?
Ich besprüh‘ jetzt die spiegelnden Flächen im Haus:
„Die Wirklichkeit sieht anders aus!“
Das vierte Gedicht aus der Reihe der Münchner Unzuchtverse.
Dallmeyer
Das, was ich hier im Schwall reiher‘
Ditt koofte ick bei Dallmeyer
Ja, der’n Zeig is‘ auch nach dem x-ten Zerkau’n
Noch stets appetitlich und schön anzuschau’n!
Zwischendurch auch mal wieder in München. Und der Blick aus dem Fenster.
In München
Gut, frag mich, was mir so gefällt, dort in München!
Nun, als Erstes wohl, dass ich hier bin
’s gibt Dinge im Leben
Die ändert man eben
Und treibt einmal da- oder anderswo hin
Doch zwischen dem Treiben
Glaubt man an das Bleiben
Und das gibt dem Heute ’ne Masse an Sinn
Vom Balkon der erhöhten Maxvorstadt ins Netz gesetzt.
Zeugen der Dichtung
Ich habe mein Heim nicht über den Dächern
Sondern siedle bescheiden im Dache
Wo Vogelvisiten betäuben und krächern
Beobachtungszögerlich, was ich da mache …
„Na, Gedichte, du Piepe! Und zwar über dich!“
Das Angesicht zu Angedicht
Behagt den frag’nden Vögeln nicht
Und solch Fokusse fürchtend, verpissen sie sich
Es war da so eine Ahnung, als wenn sich das gute Wetter immer verkrümelt, sobald ich wieder in München ankomme. Heute sieht das anders aus. Aber der Eindruck bleibt – in Form eines Gedichts:
Hoch & Wasser
Die Gewässer sind mit allen Wassern gewaschen
Und Nässe lässt sich von der Nasenspitz naschen
Die Spatzen sind’s satt, durch die Stadt zu spazier’n
Weil Platzregen ratzefatz das hinfort spülen
Was sich bereits regte an Sommergefühlen
Nun trommeln die Tropfen aufs hoffende Hirn
Nach dem Auftritt, spätabends schon wieder daheim. Der Mai verspricht ein sehr sesshafter Monat zu werden.
Die Zwischenzeiten
Ich muss mir aus den Zwischenzeiten
‚Ne Mindestportion einer Heimat bereiten
Mich vergewissern, wo ich wohn‘:
Hier Eingangstüre, da Balkon
Und all das Sich’re Zwischendrin
Aus der von kleinen Teilen der Bevölkerung durchaus geliebten Serie der Münchner Unzuchtverse.
Das Deutsche Museum (sehr interessant!)
Das Deutsche Museum ist sehr interessant.
Zwölf Penisattrappen häng’n dort an der Wand.
Mei‘ Frau hätt‘ den Hoeneß so fast net erkannt!
Ja, das Deutsche Museum ist sehr interessant.
Hast lange Jahre im Zug zugebracht
Doch viel, viel zu selten dein Liebes besucht
Derweil zwar die Flamme der Verve verflacht
Wirst du noch in Hoodie samt Basecap gebucht