Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Morondava & das dreihundertzweiundfünfzigste Gedicht

    Am Strand von Morandava.

    Am Strand von Morandava.

    Über den Gewässern (minimalblasphemisches Seefahrergedicht)

    Über den Gewässern
    Ist die Luft, die dem Land fehlt
    Alles würd‘ sich verbessern
    Wenn ihr Allah mal abwählt!

    (Allein deshalb wurd‘ hier der Freund Allah erwählt
    Weil ihn der A-L-Laut so aalig begelt
    Die übrigen Götter sind – in aller Kürze
    Nur minimal divergent riechende Fürze)


  • Great Tsingys & das dreihundertachtundvierzigste Gedicht

    Great Tsingys of Bemaraha

    Weltnaturerbe Tsingys. Gefährlicher Ort. „Vazaha!“ wird in den Dörfern jedem Weißen fröhlich hinterher gerufen und bedeutet so viel wie „Fremder!“.

    ResErwartet

    Was ich ihr in den Gin gieß
    Hoch oben in den Tsingys
    Weiß einzig jener Papagei
    Der warnend rief: „Geh heim, Miss!“

    Es war ja kein Geheimnis
    Dass jener Vazaha Gin eingieß
    Und manche von den Tsingys stieß

    Und heut war sie halt an der Reih‘!


  • Afrikanische Fähre & das dreihundertsechsundvierzigste Gedicht

    Fähre über den Tsiribihina

    Der Weg zum Weltnaturerbe Tsingys. Zwei Boote, Brett drüber, Autofähre fertig!

    Don’t pay the Ferry, man!

    Autofähre, Autofähre
    Wenn das mal so einfach wäre
    Doch nur durch Rüber-und-Zurück
    Verändert sich die Welt kein Stück

    Zweimal Rüberzufahren – als erste Lektion
    (Ohne Zwischenzurück!) überfordert dich schon
    Und gleich „Das geht nicht!“ rumzuschrei’n!
    Ich frag mich, wie dumm kann man sein?!
    „Bla, bla, erst rüber, dann zurück…!“
    Du bist ein derart blödes Stück …

    Als wenn das eine Lösung wäre
    Autofähre, Autofähre


  • Real bad road & das dreihundertvierundvierzigste Gedicht

    Straßenbaobabs auf dem Weg zum Weltnaturerbe Tsingys

    Der Weg zum Weltnaturerbe Tsingys. Auf die Frage, ob man diese Straße auch zur Regenzeit befahren kann, bricht der Fahrer in schallendes Gelächter aus.

    Moment der Besinnung vorm Betätigen der Fensteröffnerkurbel

    Was ist leichter zu ertragen:
    Hitze oder Staub im Wagen?


  • Touristendeck & das dreihunderteinundvierzigste Gedicht

    Mit der Lakana Be 3 auf dem Tsiribihina

    Für zweieinhalb Tage auf dem Tsiribihina. Eine Chaiselongue nebst Zelt als Sonnenschutz auf das Dach eines Bootes zu bauen, ist ein schöne Idee. Dort zu liegen, weckt seltsame Gedanken.

    King of Africa

    Ich bin der King of Afrikanu
    Und lächle meiner Zukunft zu
    Grins‘ schaisselonget vom Sonnendeck
    Und praktizier‘ den Wonnencheck

    Lass mir ein schmackhaft Hühnchen köpfen
    Ein Schalentier vom Flussbett schöpfen
    Derweil die Sonne maßvoll brennt
    Und mich als Herrscher anerkennt

    Ich nuschle straff mein „Salam‘!“ und „Veloma!“
    Ich, King of Durchfahrt – und jetzt herrsch‘ du ma!

    Das madagassische „o“ wie in dem dem deutschen „Tschüss!“ entsprechenden „Veloma!“ wird wie ein „u“ ausgesprochen.


  • Chilloutzone & das dreihundertsechsunddreißigste Gedicht

    Schwarz-Weißer Vari

    Aus der Reihe der Faulenzergedichte. Mit passender Vari-Übung m Frühstückstisch.

    Hängematte

    Die Hängematte sagt mir barsch
    Dein Körperschwerpunkt ist dein Arsch
    Hier sammelt sich das, was von dir von Gewicht
    So zeigt dir the Hammock dein wahres Gesicht
    Dein hehrer Kopf stakt leichtgewichtig
    Von Hüftenschwerkraft aufgerichtet
    Und nistet hart im Knotenstrang
    Weil er nicht wahrhaft von Belang
    Dein Zentrum ist am Ende doch
    Nur triebfäkales Ausflussloch
    Es scheidet zumindest den Menschen vom Tier
    Das sichre Gebrauchen von Lokuspapier


  • Anjozorobe & das dreihundertdreißigste Gedicht

    Saha Forest Camp

    Auch eine notorische Situation: Leise durch den Regenwald stapfen, mit großem Interesse an demgegenüber höchst undankbarer Fauna.

    Spotting the Paradise Flycatcher

    „Did you see it?“ „No.“ „There!“ „Where?!“
    „Jetzt seh ich ihn auch nicht mehr!“
    „Doch, er sitzt doch noch hier vorn!“
    „Hab ihn irgendwie verlorn …“
    „Jetzt kann man ihn ganz toll seh’n!
    Kannst du mal zu Seite geh’n?!“
    „Wo denn? Ich würd auch mal gern …!“
    „Ja, wie soll man das erklär’n …?
    Siehst du diesen dunklen Ast?
    Etwas weiter links davon …hast
    Geseh’n? Jetzt ist er weggeflogen!“

    Vielleicht wurd’st du auch angelogen.


  • Abu Dhabi VI & das dreihundertsechsundzwanzigste Gedicht

    Cornichon-Beach

    Abend an Corniche-Beach.

    Zur Profanierung des Glaubens

    Und zärtlich kläfft der Muezzin:
    „So, allet jetzt zur Kirche hin!
    Ach, wat sach ich – zur Moschee!
    Aber, Jesses, wie ich seh
    Will ma wieder keener beten!
    Zu erschöpft vom Hoden Kneten?
    Vom Befummeln eurer Biester?
    Wartet nur, ihr Schweinepriester!
    Ich setz nie mehr Ablassfristen –
    Klär mich auf zum Atheisten
    Steig schnell ab vom Minarett
    Und leg mich zu euch ins Bett!“


  • Helgolandfähre & das dreihundertdreizehnte Gedicht

    Hafenausfahrt Hamburg

    In Spuckweite der Versöhnung …

    Das Streitgespräch

    Ich werde dir ins Gesicht kacken
    Denn mir fehlt grad die Zeit für mehr Feinsinnigkeit
    Ich will dir ein teigiges Stinkbrikett backen
    Bin’s Argumentieren erniedrigend leid
    Mich drängt nichts danach, deinen Weg zu versteh’n
    Ich mag dich schlicht nicht länger unbekackt seh’n
    Ich warn‘ mich schon selbst: „Halt jetzt bloß deinen Mund
    … und öffne deinen Hosenbund!“


  • Tegernsee revisited & das dreihundertundachte Gedicht

    Tegernsee

    Ripostegedicht zu „Überlass es der Zeit“ von Theodor Fontane.

    Übernimm es mal selbst

    Ja, doch die Zeit ist auch irgendwann rum!
    Dann stehste da, Theo, und denkst dir: „Tja, dumm …

    Hätt‘ ich beizeiten mal etwas gedrängt
    Mich durch all die andern nach vorne gezwängt

    So wäre auch ich mal zum Zuge gekommen!“
    So haben sich alles die andern genommen

    Denn leider hat all deine Zeit-vergeht!-Thesen
    Von denen, scheint’s, irgendwie keiner gelesen

    Und kommt dir das Glück all der andern zu Ohren
    Erscheint dir Entgang’nes gleich doppelt verloren


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