Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Über den Gewässern (minimalblasphemisches Seefahrergedicht)
Über den Gewässern
Ist die Luft, die dem Land fehlt
Alles würd‘ sich verbessern
Wenn ihr Allah mal abwählt!
(Allein deshalb wurd‘ hier der Freund Allah erwählt
Weil ihn der A-L-Laut so aalig begelt
Die übrigen Götter sind – in aller Kürze
Nur minimal divergent riechende Fürze)
Der Weg zum Weltnaturerbe Tsingys. Zwei Boote, Brett drüber, Autofähre fertig!
Don’t pay the Ferry, man!
Autofähre, Autofähre
Wenn das mal so einfach wäre
Doch nur durch Rüber-und-Zurück
Verändert sich die Welt kein Stück
Zweimal Rüberzufahren – als erste Lektion
(Ohne Zwischenzurück!) überfordert dich schon
Und gleich „Das geht nicht!“ rumzuschrei’n!
Ich frag mich, wie dumm kann man sein?!
„Bla, bla, erst rüber, dann zurück…!“
Du bist ein derart blödes Stück …
Als wenn das eine Lösung wäre
Autofähre, Autofähre
Der Weg zum Weltnaturerbe Tsingys. Auf die Frage, ob man diese Straße auch zur Regenzeit befahren kann, bricht der Fahrer in schallendes Gelächter aus.
Moment der Besinnung vorm Betätigen der Fensteröffnerkurbel
Was ist leichter zu ertragen:
Hitze oder Staub im Wagen?
Für zweieinhalb Tage auf dem Tsiribihina. Eine Chaiselongue nebst Zelt als Sonnenschutz auf das Dach eines Bootes zu bauen, ist ein schöne Idee. Dort zu liegen, weckt seltsame Gedanken.
King of Africa
Ich bin der King of Afrikanu
Und lächle meiner Zukunft zu
Grins‘ schaisselonget vom Sonnendeck
Und praktizier‘ den Wonnencheck
Lass mir ein schmackhaft Hühnchen köpfen
Ein Schalentier vom Flussbett schöpfen
Derweil die Sonne maßvoll brennt
Und mich als Herrscher anerkennt
Ich nuschle straff mein „Salam‘!“ und „Veloma!“
Ich, King of Durchfahrt – und jetzt herrsch‘ du ma!
Das madagassische „o“ wie in dem dem deutschen „Tschüss!“ entsprechenden „Veloma!“ wird wie ein „u“ ausgesprochen.
Aus der Reihe der Faulenzergedichte. Mit passender Vari-Übung m Frühstückstisch.
Hängematte
Die Hängematte sagt mir barsch
Dein Körperschwerpunkt ist dein Arsch
Hier sammelt sich das, was von dir von Gewicht
So zeigt dir the Hammock dein wahres Gesicht
Dein hehrer Kopf stakt leichtgewichtig
Von Hüftenschwerkraft aufgerichtet
Und nistet hart im Knotenstrang
Weil er nicht wahrhaft von Belang
Dein Zentrum ist am Ende doch
Nur triebfäkales Ausflussloch
Es scheidet zumindest den Menschen vom Tier
Das sichre Gebrauchen von Lokuspapier
Auch eine notorische Situation: Leise durch den Regenwald stapfen, mit großem Interesse an demgegenüber höchst undankbarer Fauna.
Spotting the Paradise Flycatcher
„Did you see it?“ „No.“ „There!“ „Where?!“
„Jetzt seh ich ihn auch nicht mehr!“
„Doch, er sitzt doch noch hier vorn!“
„Hab ihn irgendwie verlorn …“
„Jetzt kann man ihn ganz toll seh’n!
Kannst du mal zu Seite geh’n?!“
„Wo denn? Ich würd auch mal gern …!“
„Ja, wie soll man das erklär’n …?
Siehst du diesen dunklen Ast?
Etwas weiter links davon …hast
Geseh’n? Jetzt ist er weggeflogen!“
Und zärtlich kläfft der Muezzin:
„So, allet jetzt zur Kirche hin!
Ach, wat sach ich – zur Moschee!
Aber, Jesses, wie ich seh
Will ma wieder keener beten!
Zu erschöpft vom Hoden Kneten?
Vom Befummeln eurer Biester?
Wartet nur, ihr Schweinepriester!
Ich setz nie mehr Ablassfristen –
Klär mich auf zum Atheisten
Steig schnell ab vom Minarett
Und leg mich zu euch ins Bett!“
Ich werde dir ins Gesicht kacken
Denn mir fehlt grad die Zeit für mehr Feinsinnigkeit
Ich will dir ein teigiges Stinkbrikett backen
Bin’s Argumentieren erniedrigend leid
Mich drängt nichts danach, deinen Weg zu versteh’n
Ich mag dich schlicht nicht länger unbekackt seh’n
Ich warn‘ mich schon selbst: „Halt jetzt bloß deinen Mund
… und öffne deinen Hosenbund!“