Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Feuer

Verse für die Choleriker, denen man Feuer, Sommer, Mittag und die Adoleszenz zuordnet.
Die appellativen und derben Gedichte.
Vom Schmägedicht bis zur Gossenlyrik. Auch mit einem Gedicht von Julia Engelmann, von mir selbst geschrieben.

Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Wasser entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!


  • Zum Isarkanal & das eintausendvierhundertvierundsiebzigste Gedicht

    Brücke über den Isarkanal bei Unterföhring

    Korridore

    Steh’n wir wirklich schon wieder vorm selben Problem,
    Vorm erneuten Versuch einer Klage
    Mit den Klonzellenspielchen vom x-ten Poem –
    Und stell’n nicht den Sermon infrage?!

    Wir – die kein Zeichen der Lösung erlöst –
    Schimpfen unverwandt stur auf die Täter
    Mit dem Vorwurf, in dem die Genügsamkeit döst,
    Dass sich alles bestätigt im Später.

    Und dann steh’n wir noch immer vorm selben Problem –
    Alle Wahrheit scheint chronisch erlahmt.
    Wir umschwärmen von hinten das gleiche Extrem,
    Fern vom Spektrum, das restlos verarmt.


  • Zweite Stammstrecke & das eintausendvierhunderteinundsiebzigste Gedicht

    Bauarbeiten an der zweiten Stammstrecke in München City

    Slaughterhouse

    Ich steck dir noch ’nen Zweig ins Maul,
    Dann bist du für mich Fleisch.

    Zum Gruseln bin ich längst zu faul –
    Erspar mir dein Gekreisch!

    Der Schrecken der Maschine hat
    Auch eine reine Seite,
    Zerstäubt das Du, bakterienglatt,

    Bis ich’s mir zubereite.


  • Valepptal & das eintausendvierhundertdreiundsechzigste Gedicht

    Wanderung zur Rotwand

    Raus! Raus! Raus!

    Raus an die frische Luft
    Und an die luft’ge Frische –
    Der Trübnis Gram verpufft
    Am üppig grünen Tische!

    Ins Freie spült’s den Wandersmann
    Und alles fühlt sich anders an.


  • Rotwandseitenflügel & das eintausendvierhundertzweiundsechzigste Gedicht

    Felsen neben der Rotwand

    Der erhobene Finger

    Ach, nun schnattern sie wieder ihr „Das geht zu weit!“
    In knüppelharter Einigkeit,
    Brüll’n „Henker her!“ und „Zapperlot!“
    Und tapern Richtung Denkverbot,
    Pollier’n Heiligenscheine, als hätten hienieden
    Sie selbst sich nicht längstens schon anders entschieden –
    Denn vorm großen „Boah, nee!“
    Ging’s doch sehr lang okay?!

    Wer mit Trara sein Mantra schreit,
    Der tarnt sich nur – denn wirklich weit
    Ist man gar nicht entfernt von dem hässlichen Schritt –
    Und wenn der Mainstream marschiert, geh’n’se eh alle mit!
    Doch eh sie höchstselbst jenen Wandel vollzieh’n
    Wird auf alle, die vordem so handeln, gespie’n.
    Da will man scheltend sich ereifern
    Und lauthals nach Vergeltung geifern,
    Da glänzen vom Mut durchgeknetete Waden
    Beim Tänzeln auf gut ausgetretenen Pfaden.
    Man krönt sich im Empörungskult,
    Beschönigt seine eigne Schuld:

    Will ja Kinosaalmuff, findet Live-Musik nett
    Doch hat Spotify-Abo, ’ne Streaming Dienst Flat
    Will das Krimsikramslädchen, doch hat Amazon-Prime
    Und ruft Lieferandos sich zahlreich ins Heim
    Und bigott blökt die überdosierte Moral:
    Ich hätt‘ gern ein iPhone und den Wal!

    Ja, Miss Missionierung und Herr Schaftsanspruch
    Die heucheln und meucheln und seh’n nicht den Bruch,
    Dass ihr Maßregelwerk nicht ihr Tagwerk bestimmt
    Und man eifrig negiert, welche Richtung das nimmt.
    Die frömmeln sich zur Wasserpredigt
    Und kömmt’s, dass wer Wein trinkt, dann wird der erledigt!
    Mit dem endgeilen Dolch dieser scheinheilig Frommen
    Wird eilig und lustmolchig Anstoß genommen,

    Und aus sündigem Tal erheb ich meine Stimme:
    Nicht die Tat und die Schuld sind das eigentlich Schlimme –
    Der notorische Pranger, erleb ich unterm Joch
    Ist nun ebenso schäbig, nein, schäbiger noch.

    Wer mit erhobenen Finger stets auf andere zeigt,
    Erprobt sich als Arsch, der zum Aufmarsche geigt –
    Scheint’s vorm großen „Boah, nee!“
    Es auch sehr lang okay …
    Wer A keift, hat schon B gesagt
    Auch wenn der nette Mann noch fragt:
    Eins, zwei oder drei?
    Geht’s um die Entscheidung, ist keiner mehr frei.

    Und wo wer letztlich wirklich steht,
    Seht ihr, wenn der Wind sich dreht!


  • Feldmochinger See & das eintausendvierhundertneunundfünfzigste Gedicht

    Entennachwuchs am See Feldmoching

    Der Bruderkuss

    Nenn mir ein Merkmal, bevor wir uns trennen,
    An dem wir uns zukünftig wiedererkennen,
    Wenn windiger Glanz unser Strahlen verwischt,
    Bis faltig und fahl sein Gedächtnis erlischt.

    Präg du dir den Fingerabdruck von mir ein
    Und zieh in Erwägung, ich könnte bald ein
    Gänzlich verdorbenes Wesen bewohnen –
    Es wird mich die Welt nicht auf Dauer verschonen.

    Dann kann selbst die finsterste Zeit nicht die Schemen
    Der in uns erinnerten Einigkeit nehmen.


  • Abgezäunt & das eintausendvierhundertsiebenundfünfzigste Gedicht

    Zaun beim Olympiapark

    Nachtzug

    Wenn die Nacht
    Der Straße die Farbe nimmt
    Und mit Macht
    Die Fernsicht zur Einsicht trimmt,

    Mag ich mit dir
    Die Highways langcruisen,
    Der Leere Spalier
    Zur Passion mir erschmusen,

    Bis der Tag
    Die Lösung enthüllt
    Und einen Sarg
    Mit Antworten füllt.


  • Tegernsee Panoramaweg & das eintausendvierhundertfünfzigste Gedicht

    Auf dem Höhenweg Tegernsee

    In genau solchen Ecken

    In genau solchen Ecken steh’n immer die Doofen,
    Die dornigen Dirnen und Hirnkatastrophen.
    Die sind wie geschaffen zum Sympathisieren,
    Weil sie wie die Affen im Gleichklang parieren.
    Nein, die horchen nicht auf, die gehorchen Befehlen,
    Die horten den Aufruhr, man würd‘ sie bestehlen! –
    Die stehen auf Abruf für vieles bereit.
    Mein Körper schreit: „Leute, ich will keinen Streit!“

    Doch vor ihrem Gedroh muss sich niemand erschrecken –
    Das sind so ’ne Leute, das sind so ’ne Ecken! –
    Die macht nur dein schwindender Glaube ans „Wehr dich!“
    So raumfüllend mächtig und letztlich gefährlich.

    Kam mir in manch Denktal schon schnell in den Sinn:
    „Das wär so ’ne Ecke da – stell dich mal hin!“,
    Rang nieder den Wunsch nach bequemem Verweilen
    Die Wiedererkenntnis der ersten zwei Zeilen.


  • Maximilianstraße & das eintausendvierhundertachtundvierzigste Gedicht

    Sonnenuntergang in der Maximilianstraße

    Gefühlte 20

    Deine Kopfhaut bewahrt sich das blanke Gefühl,
    Unter früheren Haaren verborgen zu sein –
    So passt auch ins forschfrisch betagte Kalkül
    Bei dir noch ein weiteres Lebensjahr rein!


  • Isartal & das eintausendvierhundertvierundvierzigste Gedicht

    Blick aufs NSG Isartal

    Wechselstube

    Dort fordert man, dass fortan die Alten
    Besser ihre Fressen halten,
    Ordert, dass all die Horden gelenkiger Jungen
    Halten die Krall‘ um die Lenker geschlungen!

    Dem entgegnen die Gegner: Fürs Erbe vom Schalter
    Kommt ihr bald von selbst ins Alter!


  • Ickinger Stauwehr & das eintausendvierhunderteinundvierzigste Gedicht

    Am Stauwehr Icking

    Der gereifte Aufreger

    Ist der Nachricht Wert gesunken,
    Wird genervt bald abgewunken –
    So nun schlummert er final
    Vor erneuter Startblockwahl.


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


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