Verse für die Melancholiker, denen man Erde, Herbst, Abend, Erwachsenenalter zuordnet.
Die besinnlichen und leisen Gedichte.
Von Aphorismen bis zur Vanitasdichtung.
Sollte Ihnen ein hier eingereihtes Gedicht eher den anderen Kategorien Erde, Luft oder Feuer entsprechen, bitte ich, mir eine Nachricht über www.hirnpoma.de zukommen zu lassen!
Mit schwerem Kopf hinabgeneigt,
Umkranzt von goldnen Strahlen –
Ein krauser dunkler Kern entsteigt
Den unverblümten Zahlen,
Die ungestüm zu zügeln glauben,
Dass nur bestünd, was sie erlauben.
Mir ist bewusst: Es ist erloschen –
Das Feld in allem abgedroschen.
Doch der Blitzrausch des Sommers schwand nicht in die Ferne –
Er säuselt im Glutnest der dunkelsten Kerne …
Und wieder bemüh ich mich mehr Wer zu sein,
Als mein Selbst eigentlich ist.
Und wieder reck ich mich aus meinem Kleinklein
Und ich hoff, dass man nicht zu streng misst.
Und wieder werd pampig ich unglücklich sein,
Wenn jemand mir nicht wirklich traut.
Und wieder lädt man andre überall ein …
Noch ein kurzer Gang durch verlassene Gassen –
Auf ein Gedicht und ein passendes Bier!
Kann die Zwanghaftigkeit meines Ausritts kaum fassen …
Doch irgendein Kurzrausch gehört noch ins Hier.
Dieser Tag könnte jetzt schon vorüber sein –
Und er ist es, bei Lichte beseh’n!
Da erhellt eines Dosenbiers trübender Schein
Seiner letzten Minuten Vergeh’n,
Untergehakt von verhaltenen Zeilen –
Die später mit mir diesen Aufenthalt teilen.
Ich habe als Kind im Spiel sehr viel getötet,
Pathetisch dazu Morricone geflötet,
Als ’ne Armada Playmobil
Zum Showdownschluss zu Boden fiel.
Es überlebten meist nicht mehr als vier von den Guten –
Der Rest meiner Recken aus Plastik musst‘ bluten …!
Doch es mildert’s Gemetzel, solang man im Kopf hat:
Es wird kein Figürchen für immer geopfert.
Selbst wenn mir ein Typus so gar nicht gefiel –
Ich braucht‘ ihn als Bösewicht fürs nächste Spiel
Und um nichts in der Welt hätt ich auf ihn verzichtet!
Ich denk, im Reallife wird eh’r lässig vernichtet.
Na, das ist so der Weg hin zum Supermarkt –
Der war früher völlig normal.
Und hier hab ich immer mein Radel geparkt,
Mit links und rechts einem Pedal.
Und das ist so der Weg zu ’ner jetzigen Ex –
Die hab ich einst öfter besucht.
Da gab’s den per Treffen vereinbarten Sex –
Ich war damals oft überbucht.
Und dort ist so der Weg zu dem S-Bahnhof hin –
Den konnte ich damals im Schlaf!
Der macht ohne Fahrtziel nicht allzu viel Sinn
Und an Zielen besteht kein Bedarf!
Und das ist so der Weg, da gab ich stets den Guide,
Um den Stadtteil auch günstig zu zeigen.
Jeder Weg führt in nunmehr vergangene Zeit –
Da nannt‘ ich die Stadt noch mein eigen …
Wenn ein brennender Schmerz eine Kühlung erfährt,
Übersteigt doch sein Labsal das Vordemnormal.
Und darum erscheint mir das Unversehrtbleiben
Zu unnuanciert als ein Lebensideal.
Es sind grillende Burschen mir überunheimlich –
Mir scheint ja, die mögen das Menschenzerschlagen!
Sie frönen dem Bierdurst, den gerne bereim‘ ich –
Und trotzdem: Mir schwant, dass wir uns nicht vertragen …
Es ist auch die Musik, die den Abstandswall gräbt –
Technoide Boliden, die hart überdreht
Mir einhämmern: „Du kriegst gleich eine geklebt!“
Ein Rost voller Masku/Muskelinität.
Ja, vielleicht habt ihr recht „Die woll’n einfach nur feiern!?“,
Doch stiekum versuch‘ ich vorüberzueiern …
Nun, da ich nur noch Vergangenheit hab,
Vermag ich mich nicht zu erinnern.
Eine Fuhre Erfahrung rutscht runter ins Grab –
Die gönnte ich Lebensbeginnern.
Meiner Schiffbrüchigkeit trutzt ein bosnisches Eiland
– doch bringt mir das Steuerrad nichts mehr zurück.
Es ist meinem Sandsein ein strandhafter Beistand
Beim Buddeln nach einem vergessenen Glück.