Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Alpspitz & das zweitausendsechshundertachtundzwanzigste Gedicht

    Blick auf die Alpspitze von Kranzbach

    Die Namen der Berge

    Bei den Namen für Berge herrscht zunächst freie Wahl.
    Macht jemand ’nen Vorschlag, heißt’s oft „Scheißegal!“,
    Bis irgendein Durchsetzungswilliger schreit:
    „Nun ist es besiegelt – wurd‘ auch höchste Zeit,
    Der Berg heißt fortan Soundso!“

    Gibt’s dann nicht auch ein Tal, von wo
    Protestschrei nennt ihn falsch benannt?
    Denn sei’s doch diesseits anerkannt,
    Seit anno tuck häß dieser Berg
    „Undsoso“ – was sich leichter merk…
    …en ließe hier wie dort im Tal.
    „Undsoso“ – einfach ideal!

    Ob A, ob B sich durchher setzt,
    Wie sehr man sich ob dessen fetzt –
    Man startet nicht mehr ganz von vorn.
    Ans Ende fügt man noch ein „-horn“
    Als Täler zähm’nden Kompromiss,
    Dass obendrauf nu Name is.


  • Schloßkanal, Seitentrakt & das zweitausendsechshundertsechzehnte Gedicht

    Schloßgartenkanal im Schlosspark Nymphenburg

    Es hornt

    Also lasst es Frühling sein …

    Es hornt der postillionsche Sog,
    Des Strom mich ignoriert.
    Er hat, der einst so viel bewog,
    Mich heute nicht tangiert.

    Es sprießt um mich gen Neubeginn,
    Es klimmt empor das Tal,
    Es singt ein mir verstimmter Sinn
    Sein x-tes Nocheinmal.

    Fortan werd ich nur noch Beobachter sein
    Beim Wiederbefüllen der Blüte.
    Ob Gegenwart mich dann mit Ohnmacht narrt? Nein.
    Lang streichelte mich ihre Güte.

    … also lasst es Frühling sein!


  • Milbertshofen II & das zweitausendfünfhundertfünfundneunzigste Gedicht

    Am U-Bahnhof Milbertshofen (U2)

    20 Minuten Wartezeit

    Ich bin zwanzig Minuten an Buswartezeit
    Ganz ohne grantig zu werden bereit,
    Mit ideenreichen Schreibzeugs zu überleben.
    Ich selbst stehe, schriftführend, etwas daneben
    Mit dem Hauptaugenmerk auf die Zeiger der Uhr.

    Nein, da lässt sich nichts drängen
    Zu schnelleren Gängen,
    Solche Renitenz ist mir verständlich – nur
    war es halt
    Schon sehr bald
    Schweinekalt.

    Sieh an, sieh da, da kommt der Bus –
    Was er im Grunde noch nicht muss!
    Knapp zehn Minuten früher kann
    Ich drinnen warten – guter Mann!

    Nach zehn Minuten an Buswartezeit
    War dies Gedicht bereits freundlich bereit
    Sich zu beenden.

    Nun, ich bin sein Fan, denn
    Was hätte man sonst wohl beschreiben noch sollen?

    Ich war ja zur Hälfte schon fertig mit Wollen!


  • Baumsterben & das zweitausendfünfhundertneunundachtzigste Gedicht

    Auf dem Weg zum Kloster Andechs

    Der provozierte Ruheständler

    Und immer schleicht die Spießigkeit
    Mit bissbereiter Fresse
    Um meiner Inbrunst dünnes Kleid
    Und sprießt wie bleiche Kresse.
    Sie wittert etwas Kleinstgewinn
    In meinen größten Nöten
    Und krallt sich alles, was ich bin,
    Aus unterkühlten Klöten.

    Dann tanzt sie ihre Halbgar-Show
    Vor vollverdummten Affen,
    Die ein Verstummen vom Niveau
    In keinem Kosmos raffen.

    Wär sie doch nur so standorttreu,
    Dass wir uns nie verqueren –
    Ich wollte aus Impulse-Scheu
    Mich lang schon nicht mehr wehren!
    In meinem Rückzug bin ich doch
    Längst weit genug gegangen …

    Die Frage „Und was wollt ihr noch?“
    Hängt gut gegart im Bangen.


  • Kalt & das zweitausendfünfhundertsiebenundachtzigste Gedicht

    Am Kochelseeufer im Winter

    Triminilose

    Im Dampfbad glänze ich den Glanz,
    Der allen kampflos glückt.
    Und unterm Unt’ren Herzogstand
    Wird’s Edelweiß gepflückt.
    Wes Herz ich ess, des Los ich zog –
    Und schwerelos ich treibe,
    Dass ich vergess, wieviel ich wog,

    So losgelöst vom Leibe.

    Im Dampfbad steigt die Aura mir
    Heißfeuchtigst in die Lungen.
    Dass ich jed Scheu mir ausradier …
    Scheint momentan gelungen.
    Mein tierverwandtes Selbst stöhnt auf,
    Weil’s sich so wohlbehagt.
    Erst unterm Fön löst sich das auf,

    Wo neongrell es tagt.


  • U3 Endstation & das zweitausendfünfhundertneunundsechzigste Gedicht

    U3-Station Moosach

    Epilog 2024 (Rückblick 13)

    Gut, manche Wunden und Gefahren
    Sind akut seit hundert Jahren
    1924 schluckt, dass Sie versteh’n, was ich meine,
    Die Sowjetunion die kleine Ukraine.
    Die USA beschränken das Einwanderrecht,
    Aufruhr in Georgien und in Deutschland, allmächd,
    Löst Friedrich Ebert – ohne Mehrheit – den Reichstag auf.
    Und ein junger Mann hat in dem Jahr seinen Lauf:
    Zu fünf Jahren verknackt, im selben Jahr schon entlassen –
    Hat gereicht, um im Knast sein „Mein Kampf“ zu verfassen.
    Ja, Zweitausendvierundzwanzig war
    Nicht nur „Zauberberg“ und Kafka-Jahr …
    Da sind viel‘ Parallelen – aber auch Unterschiede!
    Wenn wir die nicht mehr stärken würd’n, wär es perfide.
    Schon bald werd’n die Greul hier, die Gräben und Sorgen
    Um dieses Jahr, nächstes Jahr, heute wie morgen
    All dies hier und auch wir im Zeitstrahl verdimmen …
    Obschon unsre Meinung’n dann immer noch stimmen!
    Sie merken: Statt des Vorhangs senkt sich jetzt das Niveau
    Und markiert, dass wir durch sind mit unserer Show!


  • St. Martins-Platz & das zweitausendfünfhundertachtundsechzigste Gedicht

    U3-Station Moosacher St. Martinsplatz

    Dezember 2024 (Rückblick 12)

    Assad schreibt man jetzt Ass a.D.,
    Was freilich ich als Hoffnung seh!
    Oft scheint das: Na, schlimmer kann’s ja nicht werden
    Das uns beschiedene Glück hier auf Erden.
    Und manch einer nimmt’s gleich ungelenk
    Zum „Da könn’n doch die Syrer zurück jetzt!“-Geschenk.

    Im Libanon herrscht Waffenruh,
    Zumindest gilt dies ab und zu.
    Georgien hält fest die Proteste im Zaum –
    Und die suchen sich Tag für Tag doch ihren Raum.
    Ein Blitzkriegsrecht bringt Südkorea
    ’nen neuen Präsidenten näher
    Im Ego-Duell zwischen Le Pen und Macron
    Gibt’s ’nen neuen Premier nach drei Monaten schon,
    In Rumänien wird man die Wahl wiederholen
    Und ungefragt tönt aus dem Nichts Dieter Bohlen
    Er böte sich gerne als Musk-Ersatz an
    Wenn für Kanzler Merz einmal Not wär am Mann.
    Donald Trump reist zum Neustart von La Notre Dame.
    Quasimodo gefällig? Weil wir grad ein’n hab’n …
    Die Länder, die kurz unregierbar erschienen,
    Verständigen vorerst sich auf gute Minen,
    Lange hat man sich da durch Konstrukte gequält
    Und dann doch noch den Voigt und den Woidke gewählt.
    Oft heißt’s ja, sobald alles läuft wie nach Plan:
    Hat eigentlich nicht weh getan!


  • Zweiter Advent & das zweitausendfünfhundertfünfundsechzigste Gedicht

    Zweiter Advent at home

    November 2024 (Zeit der Trennungen, Rückblick 11)

    Das US-Wahlergebnis ist nichts für Mimosen,
    Da trennt sich die Wirklichkeit von den Prognosen.
    Triumphbewampt wurd Kampfschlumpf Trump zum Stumpfsinn frackenden Comebackstampfer.
    Ein schmoll’nder und von Groll durchprollter alles ramm’nder Volldampfdampfer
    Macht nun widdewittwieder, wie’s ihm gefällt
    Sich seine Trumptydumpty-Welt.
    Gerichtsverfahr’n werd’n eingestellt,
    Notorisch gegen links gebellt
    Und von ’nem gesundenden Menschenverstand
    Trennt sich ein uns sonst so verbundenes Land.
    Hier erlischt gelbes Licht im Regierungsgehampel.
    Bleiben nur Rot und Grün – halt ’ne Fußgängerampel!
    Man ahnt ja auch, der Christian
    Würd eh viel lieber autofahr’n.

    Frau Baerbock trennt sich von dem Herrn Bock, China kappt ein Ostseekabel,
    Pflegekräfte aus Kolumbien schieb’n wir ab und leicht blamabel
    Schließt Italien in Albanien seine Lager für Migranten.
    Pistorius fasst den End-Schluss: Die SPD braucht keine Top-Aspiranten!
    Der Tesla-Protest wird aus den Bäumen geräumt,
    Derweil das „Team Robert“ am Küchentisch träumt.
    In Sachsen wird sich auseinander sondiert,
    Da anderswo das BSW koaliert,
    Amsterdam pogromiert gegen Fußballfanjuden,
    Aus Berlin ruft’s: „Bei uns würd’n die ebenfalls bluden!
    Und im selben Kiez drohen den Homos Gefahren!“
    Es werkelt Frau Merkel an ihr’n Memoiren.
    Australien sperrt den TicToc-Kram
    Für alle unter 16.
    Dass auch dieses Jahr wieder viel, viel zu warm –
    Da könn’n wir drüber wegseh’n!
    Von Klimagipfeln scheidet man
    Mit zahnlosen Versprechen
    Da schlammig Spaniens Fluten warn’n:
    Das wird sich bitter rächen!
    Russlands Drohnenangriffe brechen neuen Rekord,
    Man erhält dabei jetzt auch von China Support.

    Jetzt wär’s höchste Zeit mal für schöne Geschichten?!
    Nun, hilfreicher wär’s, wenn ihr langsam erkennt:
    Ich kann diesem Jahr keine Niceness andichten –
    Dass ihr euch von allzu viel Zuversicht trennt!


  • Weihnachtsdorf & das zweitausendfünfhunderteinundsechzigste Gedicht

    Weihnachtsdorf am Hauptbahnhof Hannover

    Oktober 2024 (Rückblick 10)

    Wenn zu Venezuela Herr Maduro verkündet,
    Dass Weihnachten jetzt im Oktober stattfündet,
    Denn das hülfe der Wirtschaft direkt auf die Sprünge
    (ja, nach dem Kapern der Wahl leistet man sich solch Dinge …),
    Dann wird’s nicht mit allzu viel Schelte berappt,
    Denn seine Gegner wurd’n längst gen Europa verklappt.
    Die EU ehrt sie dort mit dem Saccharow-Preis
    Was in Caracas wahrscheinlich gar keiner weiß.
    Na, ist die Menschwerdung Gottes halt dieses Jahr eher
    Und wir der Erlösung zwei Monate näher!
    Also, muss man schon sagen: Von den Herren Despoten,
    Da wurde dies Jahr doch mal echt was geboten!
    Sie frittier’n bei McDonald’s, fahr’n in Müllwägen rum –
    Manch Heiland ist sich für kein Foto zu dumm.
    Putin lädt zur Konklave mit dem Kampfnamen BRICS
    (einfach hingeh’n und Hand schüttlen – kostet doch nix!)
    Und hinterdrein pilgern zwölftausend Nordkoreaner,
    In Georgien und Moldau daten Wahlbetrugsplaner –
    Die wurd’n wegen Misserfolg sicher erschossen.
    Nun, hat Putin ja sinnlos’res Blut schon vergossen!
    Uns besucht nach der Hurricane-Pause Joe Biden
    Und kann zwischen zwei Wirtschaftsgipfeln entscheiden.
    Es glitscht im Ampelschmierenstück,
    Der Kevin Kühnert tritt zurück,
    Kaiser Roland preist das Lied der Deutschen
    Zur Einheitsfeier in Schwerin,
    Derweil sieht man Selensky mit Siegesplan-Thesen
    Eh’r trostlos durch Europa zieh’n
    Der Jünger Musk opfert pro Tag eine Million,
    An Trump-Registrierte – denn es soll sich ja loh’n.
    Lutz Baumanns Glaubenstrupp Pegida
    Geht auf Mission – zum letzten Mal.
    Und Chinas E-Mobil-Anbieder
    Stoppt jetzt der Zölle heil’ger Gral.
    Die Festung Europa zimmert Abfangknäste
    In Albanien, nach Plänen der Herrscher in Rom.
    Und von Osten her blitzt der Palast der Paläste:
    Der Israelis Iron Dome.
    Im Gelobten Land regnet es täglich wie träge
    Vergeltungs- und auch Geltungsschläge –
    Nur hat man jetzt als drittes Land
    Den Libanon mit eingespannt.
    Der Hamas-Führer Sinwar wird als letzter Sünder abgekeult.
    Dann hammas, sinwar durch – und dass mir um den keiner heult!
    Könnt nun der Mossad, man mag mir die Frage verzeihen,
    Nicht einen der Ihr’n, den Ukrainern ausleihen?
    Denn in Moskau, da wartet ein hoffnungslos Böser
    Und mit ihm die Welt noch auf seinen Erlöser.
    So spät im Jahr wirkt meine Lyrik vielleicht etwas roh, ja,
    Es war für uns alle ein harter Oktober!
    Schon schaut, wie erwartet, der November ins Zimmer
    Und ich darf euch verraten: Es wird nur noch schlimmer!


  • Untertageschirm & das zweitausendfünfhundertsechzigste Gedicht

    Skulptur am Bergbaumuseum im bayerischen Peissenberg

    Die Bank im Park

    Ich habe eine Bank im Park
    Großväterlich getestet.
    War mein Pausier’n vor diesem Tag
    Vom Jugendwahn verpestet?
    Die Planken jener Bank beknutschten
    Der Oberschenkel Schinken,
    Die wohlig über sie hinrutschten –
    Bereit, einst herzuhinken,
    Um diesen Platz als kleinen Schatz
    Vom Lebensrest zu schätzen;
    Ihn demgemäß mit dem Gesäß
    Im Abspann zu besetzen.

    Der Rückenlehne Bohlen boten
    ‚Ne wohlige Massage,
    Schon hochgeschätzt von jetzt längst Toten
    Im Austritt der Passage.

    Ich habe eine Bank im Park
    Großväterlich gewählt,
    Nachdem mich unentwegt nur Quark
    Und Hetzerei gequält.


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