Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Einakter

Alles, was zwölf Zeilen überschreitet.


  • Durchblick & das zweitausendvierzigste Gedicht

    Blick auf Schloss Spiez

    Zum Loch im Schritt meiner Lieblingsbuxe

    Es leistet die Hose grad da sich ein Loch,
    Wo auch meine Unterbux leckt.
    So zeigt sich falthaarig ein Sackstückchen noch,
    Obschon rundum doppelt bedeckt.

    Doch, Freunde, vielleicht gibt’s im Rund dieser Welt
    Zehn Menschen, den’n solche Entblößung gefällt!?
    Die mit jener Entdeckung Schwung
    Nebst Mannschaftsportsbegeisterung
    Beschließen, zum Team sich zusammenzuschließen,
    Und mit mir trainieren das Fußbälleschießen!?
    Wir hangeln uns von Sieg zu Sieg
    Hin zum Gewinn der Champions League!
    Und in Interviews wird oft gefragt, wie es kam,
    Dass sich diese Mannschaft formierte –
    Dann wühle ich just den Teil Sack aus der Scham,
    Der einst durch mein Hosenloch stierte.

    Ein Augenblick Hoden – wie kurz auch – vermag,
    Den Lauf aller Bälle zu ändern …
    Zeig dich unbeeindruckt von Moden und trag
    Mit Stolz den Verfall von Gewändern!

    Nur du konterst bar der Erkenntnis vom Zweck:
    „Jetzt echt: Diese Hose – wirf endlich mal weg!“


  • Mole Antonelliana & das zweitausendsechsunddreißigste Gedicht

    Blick auf die Mole Antonelliana, dem Wahrzeichen von Turin

    Sisyphos unterwegs

    Maske, Perso, Impfnachweis –
    Irgendetwas vergesse ich immer!
    Es stresst mich mein Verschusselfleiß –
    Und das wird stetig schlimmer.

    Je länger die Liste vergessbarer Dinge,
    So bängrer wird mir, dass ich es nicht vollbringe,
    Vier Schritte vor das Haus zu geh’n
    Und nicht gleich wieder umzudreh’n,
    Weil ich, Geld, Handy, Stift oder Tickets vermissend
    (und meinen Verstand ob solch Leerstellen dissend),
    Fünf Stockwerke rauf muss, zur Wohnung zurück.

    Bis ich einst kapier, schier verzweifelnd vor Glück:
    „Ich hab meinen Schlüssel ja gar nicht dabei!“

    Das wär meine Chance, denn dann wäre ich frei!


  • Abfahrten & das zweitausendfünfundzwanzigste Gedicht

    Im Ski-Gebiet von Zinal

    Waldabfahrt

    Das hämmernde Schienbein, das stechende Knie
    Besänftigen sich auf dem schnurrenden Ski,
    Der nun nichts mehr fordernd den Waldweg begleitet –
    Was keinerlei Anstrengungsgrade bereitet:
    Hier greift Kontemplation
    In die Meditation.

    Sonor klingt der Tag aus in mäßiger Fahrt,
    Bis kurz in der Kehre der Schneeteppich scharrt.
    Ohne Anschub läuft’s fort, nun in anderer Richtung,
    Zur nah’nden, vom Dorfeingang kündenden Lichtung,

    Eh man, vom Tage angestrengt,
    In eine kurze Abfahrt lenkt,
    Sich ächzend von den Brettern schnallt.

    Hab Dank für diesen Abschluss, Wald!


  • Altes Haus & das zweitausendzweiundzwanzigste Gedicht

    Im alten Dorfkern von Grimentz

    Updates in progess

    Ich bin aus der Schlappschwanzgeneration, kann keine Zementsäcke tragen,

    Ich weiß Schreibmaschinen
    Nicht recht zu bedienen,
    Wurd niemals von Lehrern geschlagen.
    Ich bin aus der Schlappschwanzgeneration, ich kann keine Falkpläne falten,

    Wurd nie zu nem Amt
    In Vereinen verdammt,
    Weiß Rufnummern nicht zu behalten.
    Ich bin aus der Schlappschwanzgeneration – doch ich wurde als Kind nie getrackt,

    Hab jahrelang ganz ohne WLAN gelebt
    Und Alben beflissen mit Fotos beklebt,
    Hab in Schaufenstern alles entdeckt.
    Ich bin aus der Schlappschwanzgeneration – mit leicht atavistischem Schwanz.

    Doch mein Unfähig-Sorgen
    Erlöst Ihr im Morgen:
    Denn Euch fehlt das Schlappe schon ganz.


  • Ehre, wem Ehre gebührt & das zweitausendachtzehnte Gedicht

    Das Goudron-Denkmal für Ernest Guglielminetti bei der Saltinabrücke in Brig

    Briger Denkmäler (wider die Lebenswerkbürde)

    Der Erfinderin des Cordon Bleu, dem Schöpfer der Straßenbeteerung
    Und einem Piloten vom fernen Peru – die Stätten der Heldenverehrung
    Sind in Brig
    Auf einem Blick
    Zwar spartig, doch sehr ausgewogen!

    Nicht Päpste und Feldherr’n
    Je nochmals als Held ehr’n
    (die oftmals noch falsch abgebogen)!

    Für den schmalen, genialen Moment statt fürs Leben
    Den passenden Namen aufs Denkmal zu heben,
    Ist von unumstößlicher Zeitlosigkeit,
    Die vorm Größenwahn wendiger Trends scheint gefeit!

    Jed Dasein benötigt Asphalt für die Raser,
    Das Cordon Bleu, El cóndor pasa!


  • Massenevent & das eintausendneunhundertneunundneunzigste Gedicht

    Badende Saatkrähen im Eiskanal

    „Hast du eigentlich zugenommen?“ (Mein Fett)

    Ich habe mir so manches Pfund
    Aus Faulheit angefressen
    Und doch noch nie – aus gutem Grund –
    Den Bauchumfang gemessen.
    Längst bläht mein Körper, schwartenreich,
    Sich feist aus seinem Rahmen,
    Schlaff schwabbelt er sich, butterweich,
    Zum Schauplatz welker Dramen.
    Die Unform grölt manch Garstigkeit
    Zwäng ich die Plumpheit in mein Kleid –
    So resigniert an mir auch die
    Kühnste Positivity,
    Denn dieser Body flockt grad aus
    Mit prallbrutalem Optikgraus!
    Da wölbt die Wampe sich hervor
    Als Walleibinselschmer,
    Presst schmatzend sich durch jedes Tor
    Aus schmalzdurchduns’nem Meer.
    Es speckt der Wanst sein Zellulied,
    Die Fleischigkeit zu gerben –
    Die ratlose Ästhetik zieht
    Als letzten Vorschlag: „Sterben!?“

    Das scheint weise, denk ich leise,
    Als ein Ziel von meiner Reise –
    Kann doch grad ich fettes Schwein
    Dann der Welt Entlastung sein!


  • Zugvogel? & das eintausendneunhundertsechsundneunzigste Gedicht

    Überwinternde Gans am Flauchersteg

    Pure Chance (Die Überwinterer)

    Wenn ihr die
    Hiesigen Breitengrade
    Grad Unbehagen bereiten
    Und ihr der Biss des Winters stinkt,
    Tragen sie alsbald die Weiten
    Ihrer Flügel und beschwingt
    Gleitet sie gen Afrika
    Für ein gutes Vierteljahr.

    Dort gilt’s bloß, Hyänenzähnen
    Forsch die Stinkefeder zeigen!
    Und beim Anblick größ’rer Mähnen
    Hoch in heiße Höh’n zu steigen,
    Um auf flirr’nder Luft zu segeln
    Und der Rest wird sich schon regeln
    Im besagten Vierteljahr.

    Heute klagt man: Afrika
    Sei noch so ein Sinnbild vom Voll-Übertreiben –
    Man müsse doch gar nicht so weit!
    Denn die, die im Froste vor Orte hier bleiben
    Wärmt Flucht als pure Möglichkeit.


  • Absageüberbleibsel & das eintausendneunhundertfünfundneunzigste Gedicht

    Der nach der Winter-Tollwood-Absage verbliebene Zauberwald mit glitzerndem Pegasus von Torsten Mühlbach

    Lass mal an uns selber glauben

    Scheint, dass ich mich beim Zwiebelnschneiden
    Von Jahr zu Jahr verbesser!
    Natürlich müssen da andre entscheiden –
    Im besten Fall, freilich, die Messer!

    Ich denk ja, dass für mich das Jahr
    Zweitausend sehr entscheidend war.
    Vermutung nur zwar, die durch wenig zu stützen
    (wem sollten Details hierzu letztendlich nützen?) –
    Doch setzt das Ergebnis ein ganz klares Zeichen:
    Es lässt, was man wirklich will, sich auch erreichen!

    Und das Schneiden von Zwiebeln ist fürs Kochen soo wichtig!
    Wer echt an sich glaubt, kann’s von selber bald richtig!
    Im Jahre Zweitausend hat’s bei mir dann gefunkt,
    Rein kochtechnisch ein Wendepunkt.

    Diesen Rat mag zur Weihnacht ich Mutlosen schenken:
    Auch tränenden Auges stur positiv denken!


  • Brauner Lemur & das eintausendneunhunderteinundneunzigste Gedicht

    Rückblick auf frühere Reisen: Brauner Lemur auf Madagaskar

    Grund zu grunzen, Brauner Lemur!

    Plumper, munt’rer Brauner Lemur
    immer kregel, stets „Juchhe!“ – nur
    nennt zu selten jemand schön dich
    weil dein Anblick zu gewöhnlich

    Hockst halt rum auf allen Zweigen
    tust auch ungesucht dich zeigen
    Kaum zuckt wer ’ne Kamera
    hockt die ganze Horde da!

    Ein als Star hier Geltender
    macht sich rar. Und seltener
    kriegt ihn jemand zu Gesicht

    Dir, du Racker, liegt das nicht


  • Tegernseeufer & das eintausendneunhundertfünfundachtzigste Gedicht

    Seepromenade Tegernsee

    Jesses, jetzt ist Weihnachtszeit!

    Wenn die Blagenmeute schreit:
    „Wir woll’n mehr Behaglichkeit!“ –
    Jesses, dann ist Weihnachtszeit!

    Fachet an der Kerzen Lichter!
    Wärme strahlt als Erbstreitschlichter
    Und das Wachs glänzt golden.

    Ruhe liegt im sanften Flackern –
    Uns soll nach dem trüben Ackern
    Sinnlichkeit besolden!

    Brennt das Haus dann lichterloh,
    Ist das auch sehr sinnenfroh.

    Wenn ob der Geborgenheit
    Sorgen sich die Rettungsleit‘ –
    Jesses, dann ist Weihnachtszeit!


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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