Die Ruinen ewiger Bauten, sie schwimmen
Im Strom der Zeit dahin.
Er stiehlt Silhouetten, lässt Highlights verdimmen,
Nimmt dem Festungswall einstigen Sinn.
Einst war hier eine Stadt mit gleichem Namen.
Ich mag nicht nach Kirchtürmen fragen –
Wann die alten verschwanden, wo die neuen herkamen
Und was die Historiker sagen.
Die Vergänglichkeit nagt an uns Kindern geschwinder
Und wir suchen Erlösung in Mauern.
Doch scheppert der Schlussgong nur etwas gelinder,
Denn nichts wird uns lang überdauern.
Wer trocknet mir heut die Sonne ab,
Wischt Dunst und Pfützen auf?
Wer lockt die Besonderheit aus ihrem Grab,
Wer pfeifft zum ersten Lauf?
Wir hab’n uns durchhalbgare Stunden gequält,
Wollen endlich die Lohntüten leeren,
Wir hab’n weder Lumen noch Grade gezählt –
Wir wollten uns längst schon beschweren!
Da lichtet sich des Zwielichts Spot(t) –
Aus ist’s mit trübem Fischen!
Es scheint … uns hilft ein junger Gott,
Die Sonne frei zu wischen.
Jeder Burgaufstieg japst sich in mir zur Gewissheit:
Das war jetzt wahrscheinlich das vorletzte Mal!
Vom Tal hoch, ein präherzinfarktischer Schiss schreit …
Ohje, dein Geächze klingt heut schon final!
Eiskalt fräst in Schläfen und Nacken der Schweiß sich –
Da merkst du Cretin: Du bist längst nicht mehr 30,
Doch hängst pubertär dich in viel zu viel rein!
Wenn alles jäh abstürzt, dann soll’s halt so sein …
Du kannst diese Stadt höchstens einmal noch retten –
Das reicht keiner Welt, diesen Braten zu fetten!
Und all dein Geschaff’nes wird so rasch vergeh’n …
Den Hausstand unendlich vergrößern,
Die Manufakturwahl verbessern?
Mein Ziel sollte sein, die Pokale zu mehren,
Die vielgestalt horten die royalen Herren.
Auch die Spannhaken-Ösen, Vokale zu dehnen
Sollte ein Größenwahn-Nahender kennen.
Ich falle auf, ich falle ab
Beim Was-ich-kauf und Was-ich-hab.
Vielleicht, einst wendet sich das Los?
Hab ich gehofft vor manchem Schloss.
Zu einsam für ein wirklich schönes Lokal,
Sitze ich froh nun im Stilkompromiss.
Ich bin mir für jeden Genuss zu egal –
So ohne Company der Miss.
Die halbschönen Sachen sind dann mein Verwöhnen,
Das „da schau her, na immerhin!“ –
Für die Spitze und ihr heit’res Heiteitei löhnen,
Macht ohne dich so gar kein’n Sinn!
Mag nicht die Höhen des Geschmacks
Im Einzelgang erklimmen.
Und so genieß‘ ich etwas lax –
Und lass es preislich stimmen.
Es krönt dieser Baum seit Dekaden Salat,
Bedippt und beträufelt das fadeste Brot,
Ölt alle Versorgungslast fruchtig-apart –
Verlässlich der Gütegrad, den er stets bot.
Wie vor uns werd’n folgende Generationen
Erwägen, ob sich die Erträge noch lohnen.
Scheint nicht ein schlechter Jahresschnitt
Allein mit dem, was war, schon quitt?!
Mal fällt diesen Baum ein zu schneller Entschluss,
Als sei’s um das Holz sonst zu schade.
Dann hält die Erinn’rung zwar noch den Genuss,
Doch rundherum schmeckt es längst fade.
Alle Rechte bei Claudia Marx, die das Gedicht im Rahmen der Rio-Spendenaktion 2023 erstanden hat.