Frank Klötgen – Post Poetry Slam – immer frische Gedichte & Fotos

Seit 2016. Auf Globetrotter-Slam-Tour durch bislang 36 Länder auf 5 Kontinenten

Dutzendzeiler


  • Intendance & das eintausendeinhundertsechsundvierzigste Gedicht

    Anse Intendance auf Mahe

    Am Gatter

    Kann die Losigkeit hinter dem Gatter riechen,
    Spür der Sicherheit lähmende Arme –
    Mir ist nicht vergönnt, mich darin zu verkriechen.

    Immer wieder gemahnt mich mein Name,
    Dass die Unmöglichkeit eines guten Endes
    Zu untergestaltend zur Aufgabe zwingt.

    Ich schlitt‘re ohne Fundament – es
    Kümmert zu spät, dass das alles nichts bringt!

    Für rare Momente schien viel überwunden –
    Als wäre das Gatter frei interpretierbar.
    Doch auf gleicher Höh‘ hab ich mich nie befunden –
    Davon zeugt auch die ratternde Zeit unbeirrbar.


  • Outletcity & das eintausendeinhundertsiebenundzwanzigste Gedicht

    Metzingen Outletcity

    Der alte Mr. Ungefragt (und seine Kleider)

    Vermögen die Moden dich nicht mehr zu kleiden
    Und lassen die Trends dich nur elendig leiden?
    Bleib nackt.
    Sei pur und unverzagt –
    Du hast noch nicht genug gewagt.
    Lass den Sack immer sichtbar auf Tischplatten liegen
    Und die Welt einen Würgreiz vom Fischgeruch kriegen!
    Bewahr unbekümmert dir deine Manieren!
    Dich muss niemands Meinungen interessieren!
    Sei nackt.
    Bleib Mr. Ungefragt –
    Du hast noch nicht genug gewagt.


  • Olympiapark & das eintausendeinhundertachtzehnte Gedicht

    Schnnee im Olympiapark

    Dauercamper

    Wir sind schon zu lange in Ferien vor Orte
    (Dieser DJ spielt immer das gleiche!):
    Wir lümmeln wie auf unserm Strandtuch Verdorrte –
    Im Swimmingpool dümpelt ’ne Leiche.

    Wir sehen uns vorsätzlich fassungslos an
    (Ey, Liquido geh’n nicht mal ironisch!):
    Schon vorm Rooftopbar-Sundowner fragst du „Und dann?“ –
    Unsre Restauswahl lichtet sich chronisch.

    Wir ringeln uns ein in die Post-Wiederholung –
    Sind die Abreisezyklen so zwingend?!
    Der Tag fädelt ein in die WiderErholung
    (Diese Setlist ertrag ich nur singend!): …


  • Lange Nacht & das eintausendeinhundertsiebzehnte Gedicht

    Im Skygarden München bei  der Langen Nacht der Architektur

    Laiesein

    Deine Architektur bremst mich aus zum Betrachter,
    Einem mal dies und mal das, mal alles Missachter.
    Wie ich mich auch bewege, scheint untalentiert –
    Und ich habe, weiß Gott, ein paar Jahre trainiert!

    Deine Architektur stempelt mich zum Verlierer,
    Einem Über-Gebühr-in-der-Lobby-rum-Stierer.
    Und mein Stil scheint alleine für mich nicht zu klein –
    Nun, ich könnte wohl nirgends verlorener sein!

    Deine Architektur drängt mich ständig zum Ausgang
    Mit unverblümt säuselndem „Eindringling raus!“-Sang.
    Doch ich habe – wohlwissend, dass es so nicht gedacht –
    Mich sattsam in ihr breit gemacht!


  • Begleitung & das eintausendeinhundertzehnte Gedicht

    Eichhörnchen in Davos

    Mein Hier (Auf der hohen Promenade zu Davos)

    Die hohe Promenade ist mein
    Saft’ges Winterwonderland –
    Hier atme ich des Winters Kraft ein
    Und trag Schühchen an der Händ.

    Unterm watt’gen Schneestapf schlummert
    All die Hast und Last auf Erden,
    Und mein schwaches Herzchen wummert
    So, als wollt’s noch achtzig werden!

    Von den Tannenspitzen rieseln
    Eichenkätzchen, hochpossierlich!
    Sänftwärts schwebt hinweg mein Kriseln –
    Gänzlich tänzelnd latscht’s mich hierlich!


  • Rhätische Bahn & das eintausendeinhundertachte Gedicht

    Rhätische Bahn

    Dieser Nebel Schuld

    Der Nebel hier schuldet mir so viel an Gegend,
    Das krieg‘ ich doch nie mehr ersetzt!
    Im trägen Verdacht mischt sich alles, was lebend –
    Das Grau ist hier bestens vernetzt.

    Das Graugewölk schuldet mir so viel an Ausblick,
    Hier wurd‘ ein ganzer Ort geklaut!
    Keinen Dunst, wie ich mich aus der Ebene rausklick –
    Hätt‘ ich mich vorher umgeschaut!

    Die Nebel-App schuldet mir so viel Erfahrung!
    Nur Layer folgt Layer auf Schicht …
    Dahinter – vermutenswert – liegt Offenbarung –
    Verzettelt in diesem Gedicht.

    Der Nebel hier schuldet mir so viel an Gegend,
    Mich führt kein Comeback wieder her!
    So pack‘ ich als Wissen, die Schwaden umschwebend,
    Ein scheues Vielleicht, ungefähr.


  • Bindenwaran & das eintausendsechsundneunzigste Gedicht

    Bindenwaran im Yalla Nationalpark

    Wägenmut

    Das Quarren alter U-Bahnwägen
    In den angekurvten Schrägen –
    Wie aus aufgewühlten Mägen.
    Geradezu, als ob den Trägen
    Unzumutbar schmerzend Last
    Aufgeladen.

    Nun diesen Schaden
    Auszubaden,
    Geht hart in die Wagenwaden.

    Doch ’ne Waage
    Checkt die Lage:
    Unzumutbar? Nicht mal fast!


  • Alter Peter Schatten & das eintausendfünfzigste Gedicht

    Münchner Rathaus im Schatten vom Alten Peter

    Im Musäum

    Karla Valentina
    Balla Primarina
    Schalk und Rauch Schlawiner
    Karla Valentina

    Liesl statt Kalauer
    Adelsspross von Dauer
    Tadellose Power
    Liesl statt Kalauer

    Wallen Teenageherzen
    Bei den alten Scherzen?
    Finden coole Städter
    Neu Vergeh’ndes better?

    Sind solche zu-e Schauer
    Über Haupt Verdiener?
    Liesl statt Kalauer
    Karla Valentina


  • Buchs & das eintausendsechsundvierzigste Gedicht

    Im Schlosspark Nordkirchen

    Die zwei Jahreszeiten

    Die Sonne schwalbt durchs Schattgeäst
    Und Laub wie Laub krönt Welten farben
    Wie wallt sich auf zum Schatz der Rest!

    Als würde noch geheim: Es starben
    Die Prachten solcher Königtümer
    Im angestammten Jahrestakt
    Und üblich reisst’s von ungestümer
    Glorie Herzhaut, falben nackt

    Für dich regt sich schon Auferstehung
    Mit mir schimpft Herr St. Nimmerlein
    Schwenkt längstens in die Unumgehung
    Des baldigst Ganz-Gewesens ein


  • Grenswerk & das eintausenddreiunddreißigste Gedicht

    Venlo Grenswerk in der Peperstraat

    Sonnenkrieger

    Und wieder rinnt die Wirklichkeit
    Durch meine tauben Finger
    Als sei ihre Zeit nun endgültig vorbei
    Als gäb‘ es längst heißere Dinger

    Doch schwör‘ ich nicht der Frischluft ab
    Für eigene vier Wände
    Reich‘ unberechenbarer Kraft
    Die frisch geleerten Hände

    Wo Wurzelwerk mein Salz aussaugt
    Und mich Sturzbäche Regen begießen
    Werd‘ ich, wenn sich die Welt abschafft
    Die Restspur des Sommers genießen


Die 254 Städte/Länder der Fotos (2016-2025)


Gedichte/Fotos ausgewählter Tourstationen:

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